ÖBB Geschäftsbericht 2023

Konzernlagebericht 140 Ein weiterer konzernweiter Schwerpunkt sind die Aktivitäten im Bereich der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK). Sie ist eine Grundvoraussetzung für die Attraktivierung des Schienengüterverkehrs und soll die Kapazität des Systems Bahn insgesamt erhöhen. Neben der Beteiligung des ÖBB-Konzerns am ER JU Projekt „TRANS4M-R“ leitet der ÖBB-Konzern das „European DAC Delivery Programme“ (EDDP). Die ÖBB nehmen somit beim Thema DAK eine federführende Rolle in Europa ein. In diesen Projekten wird gemeinsam mit anderen Bahnen und der Industrie die Weiterentwicklung, Erprobung und Migration der DAK vorangetrieben. Aktuell laufen Entwicklungsarbeiten des neuen Kupplungssystems inklusive zusätzlicher Applikationen wie einer automatisierten Bremsprobe. In Folge sind für 2025 und 2026 umfangreiche Demonstratorzüge in Österreich, Skandinavien, Italien und der Schweiz vorgesehen. Ab Ende 2026 sollen DAK Pre- Deployment Züge in ganz Europa unter normalen Betriebsbedingungen wichtige Erkenntnisse über die Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit bei unterschiedlichen regionalen Verhältnissen sammeln. Federführend koordiniert die ÖBB-Holding AG die Arbeiten für die DAK, die im engen Zusammenspiel der Konzerngesellschaften Rail Cargo Austria AG, ÖBB-Infrastruktur AG, ÖBB-Produktion Gesellschaft mbH und ÖBB-Technische Services-Gesellschaft mbH umgesetzt werden. Im Bereich Produkt- und Serviceinnovationen hat sich das Innovationsprogramm des ÖBB-Konzerns intensiv mit folgenden drei Themen auseinandergesetzt: „KI-gestützte E-Mail-Klassifizierung im Kund:innenservice“, „Kund:innen- information“ und „Kund:innen-Welt“. Ergebnisse waren z. B. das Jubel-Vorteilspackerl und das Jubelpackerl zum Klimaticket. Neben dem Innovationsprogramm begleitete das Open-Innovation-Team die Fachbereiche punktuell, wie zum Beispiel bei den Themen „Kreislaufwirtschaft bei Uniformen“, „Fahrradstrategie“ und „Starkreisetage“. Das konzernweite Projekt „ÖBB 360°“, das sich auf integrierte Mobilitätsservices für Gemeinden, Regionen und Unternehmen konzentriert, wurde auch in diesem Jahr weiterhin unterstützt. Ein weiterer Schwerpunkt 2023 bildete die Community Arbeit. Neben dem Open-Innovation-Lab in der Unternehmenszentrale eröffnete die Open-Innovation-Factory in der Lassallestraße in Wien. Auf 1.000 m 2 bietet die Factory Platz für Co-Creation und Co-Working und wird zum Treffpunkt der österreichischen Mobilitäts-Community entwickelt. 2023 wurde auch ein Team für Corporate-Venturing installiert, um das Thema „Geschäftsmodellinnovationen“ voranzutreiben. Weitere Projekthighlights aus dem Bereich Forschung, Technologie und Innovation im ÖBB-Konzern im Jahr 2023: – TARO: 2023 wurde das konzernweite Projekt „TARO“ (Towards Automated Railway Operation) abgeschlossen. Das Projekt umfasst unterschiedlichste Bereiche des Systems Bahn wie beispielsweise Digital-Twin-Fahrzeug, Digital-Twin- Infrastruktur, Regionalbahntechnik sowie Verbesserungen im Bereich Schienengüterverkehr und Verschub (wie beispielsweise im Projekt „Autoshunting“). Die Ergebnisse der Arbeiten sollen nun sukzessive in den Regelbetrieb einfließen. – eDigitaler Fahrtbericht / Lenkercockpit (Postbus AG): Bei der Österreichischen Postbus Aktiengesellschaft konzentrierte man sich weiterhin auf die umfassende Digitalisierung der Betriebsprozesse und erzielte dabei erhebliche Fortschritte. Das Projekt „Lenkercockpit“ ermöglicht die digitale Anbindung der rd. 4.000 Postbus-Lenker:innen. Im Jahr 2023 wurde im Rahmen dieses Projektes der digitale Fahrtbericht eingeführt. Ziel ist es, die täglich rd. 2.200 Fahrtberichte bei Postbus digital abzuwickeln. Der digitale Fahrtbericht trägt somit wesentlich dazu bei, die Nachhaltigkeit und Effizienz in den Betriebsabläufen weiter zu steigern. Um die Sichtbarkeit von F&E im ÖBB-Konzern weiter zu erhöhen, wurde das konzerninterne FTI-Tool finalisiert. Es steht nun allen ÖBB Mitarbeiter:innen zu Verfügung. Darin bekommen ÖBB Mitarbeiter:innen einen Überblick über laufende und abgeschlossene F&E Projekte. Damit werden beispielsweise die 101 im Jahr 2023 im ÖBB-Konzern laufenden F&E Projekte mit einem Projektvolumen der ÖBB von rd. 35,0 Mio. EUR (über die gesamte Laufzeit) besser sichtbar. Zusätzlich veröffentlichte die ÖBB-Infrastruktur AG erstmals einen F&E-Jahresbericht sowie eine konzerninterne Website, die über die F&E-Aktivitäten der ÖBB-Infrastruktur AG informieren. Im Rahmen der Forschungsprojekte arbeiten die ÖBB mit über 200 österreichischen und internationalen Projektpartnern zusammen. Das sind zum einen rd. 100 Klein- und Mittelunternehmen sowie zum anderen diverse in- und ausländische Universitäten und Forschungseinrichtungen. Dies unterstreicht auch die volkswirtschaftliche Bedeutung der F&E-Tätigkeiten des ÖBB-Konzerns. Ausblick 2024 Wesentlicher Schwerpunkt des ÖBB-Konzerns im Jahr 2024 ist die weitere Mitwirkung an „Europe´s Rail Joint Undertaking“. Nach dem Projektstart 2022 mit Fokus auf die Entwicklung von Anforderungen beziehungsweise Projektgrundlagen soll ab 2024 sukzessive die Vorbereitung für potenzielle Demonstratoren im Jahr 2025 und 2026 erfolgen. Die zwei Stoßrichtungen bei den Produkt- und Serviceinnovationen lauten: Einfachheit der Produkte und Services, sowie Attraktivität des Gesamtangebots. Ein wesentlicher Fokus 2024 wird die Verbesserung der Kund:innen-Information sein. Zudem wird das Thema „Internationales Reisen“ ein Schwerpunkt des Innovationsbereichs darstellen. | LB95

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