ÖBB Geschäftsbericht 2023

Verlässlich in die Zukunft 30 Die ÖBB sind mit einem Boom konfrontiert. 2023 wurden so viele Fahrgäste wie noch nie transportiert. Inwieweit haben Sie das erwartet? ANDREAS MATTHÄ: Der Bahnboom hat sich erstmals bereits unmittelbar nach dem Ende der Coronapandemie im Sommer 2022 abgezeichnet. Und die Reiselust der Menschen ist seither ungebrochen. Der Anstieg der Fahrgastzahlen im letzten Jahr kam nicht ganz überraschend. Was ist gut gelaufen? Was ist schlecht gelaufen? MATTHÄ: Bis in den Herbst 2023 ist es bei unseren Fernver- kehrszügen und auch im Nachtzugbereich gut gelaufen und wir konnten bis dahin auch die von uns gewohnte Qualität über weite Strecken aufrechterhalten. Danach hatten wir unter anderem aufgrund des wartungsbedingten Ausfalls von Zügen erste Probleme, die sich in der Folge – durch die notwendige Verlagerung von Zuggarnituren – auch auf den Nahverkehr ausgeweitet haben. Insbesondere in der Ostregion hatten wir dann große Schwierigkeiten, für die ich mich namens der ÖBB auch bei allen Kund:innen entschuldigt habe. Da haben wir nicht die Leistung erbracht, die wir von uns selbst erwarten. Grundsätzlich gibt es wieder deutlich mehr Kritik hin- sichtlich Pünktlichkeit, überfüllter Züge, Reinigung. MATTHÄ: Die Kritik unserer Fahrgäste hat im letzten Jahr tat- sächlich zugenommen. Wir haben unsere Qualität und unser Angebot in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich auf ein sehr hohes Level gesteigert. Da ist jeder Rückgang schmerz- haft – für uns selbst ebenso wie für unsere Kund:innen. Und was sind die Gründe für diesen Rückfall? MATTHÄ: Unser Hauptproblem war, dass wir für das ausge- weitete Angebot in Summe zu wenig Wagenmaterial zur Verfügung hatten. Lieferverzögerungen von mehr als zwei Jahren bei den bestellten Zügen haben dazu geführt, dass die bestehende Flotte viel stärker als geplant im Einsatz ist. Ist es tatsächlich nur das fehlende Zugmaterial oder gibt’s auch noch andere Gründe für die Qualitätseinbuße? MATTHÄ: Beim Bahnfahren spielen immer mehrere Faktoren zusammen. Zusätzlich zum fehlenden Wagenmaterial hatten wir zuletzt beispielsweise gehäuft Störungen bei Signalen, Weichen und Eisenbahnkreuzungen. Damit das nicht mehr auf- tritt, haben wir begonnen, störanfällige Komponenten auszu- tauschen und auf neue Technologien umzurüsten. Und generell gilt: Wir haben aktuell das am zweitstärksten befahrene Bahn- netz Europas, weshalb wir ja auch so auf den weiteren Ausbau der Bahninfrastruktur drängen. INTERVIEW. CEO Andreas Matthä und CFO Manuela Waldner über die Herausforderungen, die der Bahnboom mit sich bringt, die Baufortschritte bei den Großprojekten und die Notwendigkeit, ein Qualitätsjahr auszurufen. »Zurück auf unser Top-Qualitätsniveau« ANDREAS MATTHÄ UND MANUELA WALDNER. Der »Wir haben das am zweit- stärksten befahrene Bahn- netz Europas, weshalb wir auch so auf den weiteren Ausbau drängen.« ANDREAS MATTHÄ

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