ÖBB Geschäftsbericht 2023
Konzernlagebericht 52 Äußerst heterogen verläuft auch die Konjunktur in den Mittel-, Ost- und südosteuropäischen Ländern. Im Zuge der Abkühlung der Industriekonjunktur rutschten Länder wie Tschechien und Ungarn in die Rezession. Hingegen profitierten Tourismusnationen wie Griechenland und Kroatien vom robusten Reiseverhalten. Für 2024 werden für die Staaten der RCG-Kernmärkte wieder durchgängig positive Wachstumsraten, teilweise über 2,0%, erwartet. Insgesamt bleibt die positive Entwicklung Südosteuropas auch ein Lichtblick für Österreichs Wirtschaft. 11 In Europa ist die Situation der Staatsfinanzen angespannt – in doppelter Hinsicht. Ausgabenseitig waren die Hilfsprogramme im Zuge der COVID-19-Pandemie und der Energiepreiskrise sehr kostspielig, was in den letzten Jahren zu hohen Budgetdefiziten führte. Andererseits sorgte die hohe Inflation für eine fallende Schuldenquote. So lag der Bruttoschuldenstand der Staaten der Eurozone 2023 mit ca. 89,6% des BIP knapp unter dem Vorjahreswert, aber weiterhin deutlich über dem Wert des Jahres 2019. Explodiert sind zudem die laufenden Kosten des Schuldendienstes durch die gestiegenen Zinsen. Das schränkt die wirtschaftspolitischen Spielräume mittelfristig stark ein. 12 Die mittelfristige Perspektive für die europäische Wirtschaft ist stabil. In ihrer Prognose geht die EU-Kommission davon aus, dass die restriktive Notenbankpolitik ihre Wirkung nicht verfehlt und die aktuell noch hohen Inflationsraten nicht von Dauer sein werden. Durch den weiterhin robusten Arbeitsmarkt und die steigenden Realeinkommen ist 2024 in der EU ein reales Wirtschaftswachstum von über einem Prozent möglich. Ein großer Risikofaktor sind auch hier die zahlreichen weltweiten geopolitischen Spannungen und Krisen. Darüber hinaus zeigen sich Extremwettersituation – wie etwa im Juli 2023 die Hitzewelle in Süditalien oder im August 2023 die Hochwässer in Slowenien und Südösterreich – als ein wachsendes klimatisches Risiko auch für die Konjunkturentwicklung. 13 Österreichische Wirtschaftsentwicklung Die Phase des rasanten Aufschwungs nach dem pandemiebedingten Einbruch der COVID-19-Jahre ist im Jahr 2023 zu einem abrupten Ende gekommen. Nach einem Plus von 4,8% im Jahr 2022 ist das BIP 2023 um 0,8% zurückgegangen. Bereits zu Jahresende 2022 zeichnete sich angesichts hoher Inflationsraten und einer Abschwächung des globalen Wirtschafts- und Handelsumfeldes eine Abkühlung der Konjunktur in Österreich ab. 14 Angesichts voller Auftragsbücher in der Industrie sowie positiver Wachstumsbeiträge aus Nettoexporten und Privatkonsum erwies sich die österreichische Wirtschaft zu Jahresanfang allerdings noch vergleichsweise resilient. Im ersten Quartal 2023 konnte noch ein BIP- Wachstum von 1,9% im Vergleich zur Vorjahresperiode erzielt werden. Ab dem zweiten Quartal 2023 drehte die Entwicklung jedoch deutlich ins Negative. Kennzahlen und Prognosen zur Wirtschaftslage in Österreich Größe Einheit 2022 2023 2024 Bruttoinlandsprodukt, real Veränderung in % 4,8 -0,8 0,9 Industrieproduktion 6,8 -0,6 -0,3 Warenexporte 7,1 1,9 2,2 Warenimporte 5,1 -2,8 2,5 Bruttoanlageinvestitionen, real 0,1 -2,0 -1,0 Private Konsumausgaben, real 5,7 0,0 1,6 Inflationsrate (Verbraucherpreise) 8,6 7,8 4,0 Maastricht-Defizit in % des BIP -3,5 -2,3 -2,4 Arbeitslosenquote in % der Erwerbspersonen 6,3 6,4 6,4 Quelle: Statistik Austria, WIFO, Oxford Economics. 11 WIIW, Oxford Economics. 12 IWF, Handelsblatt. 13 Europäische Kommission. 14 OeNB. | LB7
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