railaxed - SOMMER 2021
44 Michaela Huber: Der Anblick von leeren Bahnhofshallen und leeren Zügen war für uns beklemmend. Wir hatten während des ersten Lockdowns anfangs einen radikalen Fahrgastrückgang von neunzig Prozent, und diese Situation habe ich gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen wie einen schmerzhaften Stich ins Herz erlebt. Wir ha- ben aber damals die Ärmel aufgekrempelt, denn auch wenn die Züge fast leer waren, gab es für uns trotzdem extrem viel zu tun. Wir standen vor der Herausforderung, uns auf ständig neue Situationen einzustellen: Oberste Priorität waren natürlich die Sicher- heits- und Hygienemaßnahmen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für unsere Fahrgäste, um den Fahrbetrieb weiterhin zuverlässig und sicher aufrecht- erhalten zu können. Vor allem auch, damit Menschen mit systemkritischen Berufen wie Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal, Einsatzkräfte und alle, die auf die Bahn angewiesen waren, an ihre Arbeitsplätze kommen. Rückblickend war es eine wert- volle Erfahrung zu sehen, wie schnell und gut die ÖBB die Herausforderung gemein- sam gemeistert haben. Seit diesem ersten Lockdown wissen wir umso mehr: Die ÖBB sind krisenfest, auf uns kann man sich auch in Ausnahmesituationen verlassen. Und das schafft Stärke und Zuversicht für die Zukunft, denn Krisensituationen be- deuten auch Lernprozesse, aus denen sich neue Chancen ergeben. Wie siehst du diese neuen Chancen aus der Sicht deiner Gene- ration? Lena Köstler: Einerseits waren die menschliche Isolation und die Ungewissheit während dieses Corona-Jahres für uns alle eine große Belastung. Wenn man wie wir am Anfang seines Ausbildungs- oder Berufs- lebens steht, dann ist eine solche Blockade des normalen Lebens ein riesiges Hindernis. Eine positive Erfahrung, die mich wiederum optimistisch stimmt, war allerdings zu sehen, dass der Staat Österreich in einer derartigen Situation schnell, effizient und wissenschaft- lich fundiert handeln kann und auch die nö- tigen finanziellen Mittel in die Hand nimmt, wenn es darauf ankommt. Das gibt Anlass zur Hoffnung, dass eine ähnliche Handlungs- bereitschaft von staatlicher Seite auch dann Zwei Frauengenerationen im Gespräch: Klimaschutz- Aktivistin Lena Köstler und ÖBB Personenverkehr- Vorständin Michaela Huber.
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