railaxed - HERBST 2022

Entspannt unterwegs Wie aus privater Leidenschaft das größte Öffi-Tourenportal Österreichs entstand, ist eine umweltfreundliche Erfolgsstory. Text - Michaela Hocek ie ist die Idee zu „Bahn zum Berg“ entstanden? Veronika Schöll: 2015 verkaufte Martin Heppner, der mit seiner Familie in Wien lebt, vor allem aus Kostengründen sein Auto. Über die Bergtouren, die er ab diesem Zeitpunkt ohne Auto unternahm, begann er zu bloggen. In diversen Alpin- Communitys lernte er Gleichgesinnte, die ebenfalls mit Bahn und Bus in die Berge unterwegs sind, kennen. Zuerst Peter Backé, den Autor eines Öffi-Wanderbuchs für die Wiener Hausberge, und dann mich. Im Februar 2020 gründeten wir gemeinsam den Verein „Bahn zum Berg“ mit dem Ziel, die klimafreundliche Anreise zu Outdoor-Aktivitäten zu fördern, und, um die Seite bahn-zum-berg.at weiter auszubauen. Was uns erfolgreich ge­ lungen ist: Inzwischen hat sich diese Seite von einem Blog zum größten Öffi-Touren­ portal Österreichs entwickelt. Martin ist seither Vereinsobmann. Haben Sie ein Ansteigen der Anreise zum Wandern mit Öffis seit der Vereinsgründung im Februar 2020 bemerkt? Veronika Schöll: Das kann ich mit einem klaren „Ja“ beantworten. Unsere alltäglichen Erfahrungen und zahlreiche Gespräche mit Reisenden in Bahn und Bus zeigen das. Welche Motivationen stehen hinter dem Verzicht auf die Autoanreise? Veronika Schöll: Im Oktober 2021 hat das Magazin NEWS in einer Umfrage he­ rausgefunden, dass gut ausgebauter öf­ fentlicher Verkehr, der Umweltgedanke und die Erhaltungskosten die Haupt­ gründe sind, ohne Auto auszukommen. Wenig überraschend, dass auch die „Bahn zum Berg“-Vereinsmitglieder die­ se Gedanken als Hauptmotive nennen, warum sie mit Öffis in die Berge unter­ wegs sind. Was sind für Sie persönlich die Vorzüge des nachhaltigen Reisens/ Wanderns? Veronika Schöll: Zu den größten Vor­ zügen zählt für mich, die ausgewählte Tour nicht am Ausgangspunkt (beim Auto) enden lassen zu müssen. Ich finde es viel interessanter, vom Gipfel in ein anderes Tal abzusteigen. Naturge­ nuss und klimafreundliche An- und Abreise gehören für mich persönlich untrennbar zusammen. Im Sinne von CIPRA, der Internationalen Alpenschutz­ kommission, ist es mir wichtig, mög­ lichst kleine Spuren auf meinen Touren zu hinterlassen – und das ist ein weite­ rer Vorzug des Öffentlich-Unterwegs- Seins. Dazu kommen viele kleinere und zum Teil sehr persönliche Gründe: Für mich ist es zum Beispiel undenkbar, nach einer anstrengenden Tour selbst am Steuer zu sitzen, womöglich im Stau zu stehen und die Verantwortung für meine eventuell schlafenden Beifahrer:innen übernehmen zu müssen. • W Im Gespräch Veronika Schöll – Mitbegründerin des Vereins „Bahn zum Berg“ Von Wien und Niederösterreich aus sind die Ötschergräben, der „Grand Canyon Öster­ reichs“, einfach zu erreichen (z. B. Wienerbruck Bahnhof). Jung bis Alt erwarten in dem im­ posanten Schluchtensystem markante Fels­ formationen, Wasserfälle und viel Natur. Aus­ geformt wurde der Naturpark über Jahrtausende von Ötscherbach und Erlauf. Brücken und Stege sorgen für Abwechslung auf vielen Wander­ wegen. In der Steiermark ist die Burgruine Gösting nur einen Steinwurf von Graz entfernt. Eine sehr leichte, kinderwagentaugliche und landschaftlich schöne Wanderung führt rund um den Altausseer See. Ebenfalls familien­ freundlich ist die Mur-Runde von Peggau nach Deutschfeistritz, die etappenweise über weichen Waldboden führt. In Oberösterreich ist die Region Traunsee-Almtal eine wanderwegreiche Gegend. Nur zehn Minuten vom Gmundner Stadtkern warten die schönsten Ecken des Salzkammer­ guts darauf, entdeckt zu werden. Eine schöne Route führt von der Grünberg-Seilbahn zum Laudachsee. In rund zwei Stunden gelangt man zum Bergsee auf 894 Metern Höhe und umrundet ihn. Die Aussicht auf das Panorama des Traunsteins ist ebenfalls ein Highlight. Eine Zwei-Tages-Tour in Tirol mit der Be­ wältigung von 1.500 Höhenmetern bietet sich am Zahmen Kaiser an. Die Anstrengung wird mit Abwechslungsreichtum belohnt. Es geht über Almen, Leitern, felsiges Gelände und vorbei an Latschen nach oben auf den Gipfel der Naunspitze und das Petersköpfl. In Vorarlberg ist das Kriegerhorn in Oberlech eine kurze Wanderung mit 527 zu be­ wältigenden Höhenmetern. Über vier Stunden ist man auf den Sattelkopf unterwegs, bevor man mit einer wunderschönen Aussicht nach St. Anton belohnt wird. Im Lechquellengebirge ist auch die knapp zwölf Kilometer lange Wanderung von Au zur Bergkristallhütte empfehlenswert. • Barrierefrei Wandern Von Wien bis Vor- arlberg warten Erlebnis- und Weitwanderwege darauf, entdeckt zu werden. Selbst barrierefreie Trails sind keine Selten- heit. Für viele weitere Anregungen ein- fach den QR-Code scannen. In Bad Gastein wird der Aufstieg auf den Graukogel von Zirbenduft begleitet. Die Suchmaschine Zuugle bringt Licht in den Dschun- gel zehntausender Internet- beschreibungen unterschied- lichster Outdoor-Touren in Hinblick auf öffentliche Erreichbarkeit. Ist eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich und sinnvoll, ergänzt Zuugle die Tourenbeschreibungen mit den empfehlens- wertesten Öffi-Verbindungen und macht diese im Suchergebnis sichtbar. Infos: zuugle.at Tipp 40 41 railaxed Herbst 2022 Fotos: Gasteinertal Tourismus GmbH (linke Seite), Privat (rechte Seite)

RkJQdWJsaXNoZXIy NTk5ODUz