railaxed - HERBST 2022

Der Weg und das Ziel: Lukas Gruber aus St. Pölten ist ein ungewöhnlicher junger Mann. Und ziemlich beneidenswert. Denn Österreichs jüngster Postbusfahrer hat seine Berufung zum Beruf gemacht. Am Steuer seines Lebens Text – Janina Lebiszczak Fotos – Michael Mayer ähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten. Dieses geflügelte Wort trifft auf den 21-jährigen Niederösterreicher nicht nur zu, es könnte von ihm stammen. Lukas Gruber steht bei unserem Treffen kurz vor dem wohlver­ dienten Urlaub und kann sich nicht so recht darauf freuen. Seine Arbeit – das Busfahren – wird ihm abgehen. Vielleicht, so überlegt er laut, wird er die alten Computerspiele hervorkramen, mit denen er sich einst das Lenken, Bremsen und Überholen beibrachte – in einer simulierten Realität, versteht sich. Mittlerweile ist sein Traum zur Wirklichkeit geworden, ein Traum, der täglich um 05:30 Uhr in der Verkehrsstelle St. Pölten aufs Neue be­ ginnt. Ein Kaffee mit der Kollegenschaft, ein Blick auf den Dienstplan, Schlüssel ausfassen, den blitzblanken Iveco Crossway LE überprüfen und für den Tag vorbereiten. Sein „Arbeitsplatz“ spielt alle Stückerln, auch im Sinne der Nachhaltigkeit. In den letzten 15 Jahren hat sich der Crossway zum Maßstab im Segment der Überlandbusse entwickelt, seine Modelle wurden mehrfach ausgezeichnet, so auch mit dem „Sustainable Bus of the Year 2020“ und dem „International Busplaner Sustainability Award 2021“. Ganz vorne sitzt nur Lukas Doch was nutzt all die tolle Technik, wenn sie nicht mit Herz und Hirn bedient wird? Bereits als Kindergartenkind entbrannte Lukas für seinen späteren Traumjob. „Wenn ich mit der Mama unterwegs war, wollte ich immer ganz W vorne sitzen. Und ich durfte das auch, für die meisten Passagiere in St. Pölten war klar, dass dieser Platz im großen Bus für den kleinen Lukas reserviert ist – und die Fahrer kannten mich sowieso alle. Sie haben meine Be­ geisterung gespürt und mich auf meinem Weg unterstützt. Für mich als Bub war das einfach das Größte: die Technik, die Manöver, die unterschiedlichen Strecken, die Gespräche.“ Besondere Mentoren waren ihm dabei Klaus Neugschwandtner, selbst Postbus-Lenker und Fahrlehrer aus Leidenschaft, und der mittler­ weile pensionierte Wolfgang Kaufmann. „Lukas konnte alle Fahrpläne auswendig, bei den Tickets und Preisen hat er sich so gut ausgekannt, dass er schon als Knirps alle Fragen beantworten konnte“, erzählen sie über ihren ehemaligen Schützling. „Auch die Straßenverkehrsordnung beherrschte er lange, bevor er den Führerschein machen durfte.“ Ein Bus ist ein Stück Alltagskultur. Auch deswegen passiert es, dass ich selbst in meiner Freizeit beim Felgenpolieren entspanne. Rockstar? Sportler? Feuerwehrmann? Lukas Gruber wollte immer nur eines – und das seitdem er denken kann: Bus­ chauffeur werden. Lukas Gruber 52 53 railaxed Herbst 2022 Mission Possible

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