railaxed - HERBST 2023

recycelt, Leerstände häufen sich und gesunder nährstoffreicher Boden verschwindet in erschreckendem Tempo. Zur Verdeutlichung: 2022 sind insgesamt 5.368 Hektar Felder, Wiesen, Weiden und Weingärten verloren gegangen. In den letzten 40 Jahren haben wir eine landwirtschaftliche Fläche so groß wie das Burgenland verloren – zwei Drittel davon fielen Baggerschaufeln zum Opfer. Gegensteuern ist möglich! Nicht nur die Folgen der Boden­ versiegelungen sind bekannt, auch wirksame Maßnahmen zur Rettung der Böden. Ein wichtiger Schritt wäre das konsequente Recycling von Leerständen: Stillgelegte Fabriken, ungenutzte Lagerhallen oder leer stehende Häuser könnten wieder­ verwendet werden, um Raum für neue Bauprojekte bereitzustellen. Auch vorhandenes Bauland könnte genutzt werden. Österreichweit sind etwa 22 Prozent des gewidmeten Baulandes verwaist. Würde es verwendet werden, könnte man Zersiedelung verhindern. Außerdem würde wertvolles Grünland an den Ortsrändern geschützt. Ein weiteres Resultat wäre ein Sinken der Bodenpreise durch ein höheres Ange- bot an Bauland. Auch die Infrastruktur- ausgaben der Gemeinden könnten reduziert werden. Eine weitere Maß- nahme wäre flächensparendes Bauen: Neubauten sollten so platzsparend wie möglich gebaut werden – mit mehreren Stockwerken und gemeinschaftlich geteilten Räumen und Grünflächen für Gärten. Auf diese Weise wäre es möglich, Fläche zu sparen, ohne dass die Lebensqualität beim Wohnen und Arbeit verloren geht. Würden Neben- flächen und Parkplätze grüner gestaltet und somit die Versiegelung stark reduziert, würden Menschen und Boden vor der Hitze geschützt werden können. Und da alles mit einer guten (Raum-)Planung beginnt, sollte bei der Entwicklung von Siedlungsgebieten und Neubauten der Faktor „lebens- wichtiger Boden“ deutlich stärker berücksichtigt werden. Der Stellenwert landwirtschaftlicher Flächen muss erhöht und gleichzeitig sollten Eingriffe in natürliche Ökosysteme auf ein Minimum reduziert werden. Natürlich sollte sich das in der Raumordnung widerspiegeln, denn es würde Gemeinden helfen, Zersiedelung und Industrieparks auf der grünen Wiese zu verhindern und einen lebenswerten Ortskern zu gestalten bzw. zu erhalten. Nicht zuletzt könnte auch eine Abgabe auf Versiegelung, die das Bauen teurer macht und Geld für Entsiegelung und Renaturierung bereitstellt, positiv dazu beitragen, wenn auch die eine oder der andere an diesem Punkt aufschreien werden. Aber: Was kann erstrebens- werter sein, als gesunde Böden zu erhalten? Sie sind schließlich die wichtigste Lebensgrundlage des Menschen. • In den letzten 40 Jahren haben wir eine landwirtschaftliche Fläche so groß wie das Burgenland verloren. Olivia Herzog Erhalt gesunder Lebensräume für Mensch, Tier und Pflanzen: So lautet das Ziel zahlreicher Maßnahmen, die von der ÖBB Infrastruktur umgesetzt werden. Natürlich Bahn! Text – Judith Bogner D ass Mobilität auf verantwor­ tungsvolle, nachhaltige und umweltfreundliche Weise gelebt werden kann, zeigen Beispiele aus der Praxis: Böschungsbegrünungen mit regionalem Saatgut, Pflanzungen alter Obstbaumsorten, Flussrenaturierungen, der Bau von Grünbrücken für Wildtiere, die Montage von Schutzkappen für Vögel an Oberleitungsmasten, die Schaffung von weiträumigen öko- logischen Ausgleichsflächen u.v.m. Oft reichen aber auch schon kleine Naturinseln, um Bienen, Schmetter- lingen, Käfern oder Vögeln einen Platz zum Leben zu bieten. Biologische Vielfalt Der Schutz seltener Pflanzen und Tiere hat großen Einfluss auf viele Bereiche wie Ernährung, Rohstoffversorgung, Gesundheit und Sicherheit vor Natur­ katastrophen. Wichtige Futterquellen, Lebensräume und Rückzugsgebiete für viele Tierarten sind Bahnböschungen und Biotope, die im Zuge von Neubau- vorhaben oder Modernisierungsarbeiten angelegt wurden. Die Flächen entlang der Eisenbahn sind wichtige Lebens- räume und Rückzugsgebiete für viele Pflanzen und Tiere, aber auch ein wichtiger Faktor im Naturgefahren- management: 3.370 Hektar Schutzwald werden bewirtschaftet, Bahndämme und Felsflächen gepflegt. Vitale und stabile Waldbestände, Lawinen- und Wildbachverbauungen schützen die Bahninfrastruktur vor Über- schwemmungen, Muren und Lawinen. Beweidung mit Ziegen und Kühen Bei der Pflege von Grünflächen sind auch vierbeinige Helfer im Einsatz. Kühe und Ziegen dämmen die An- siedelung unerwünschter Pflanzen ein und helfen, eine geschlossene, viel- fältige Gras- und Kräuterdecke zu erhalten. Das sind wirksame Maß- nahmen gegen möglichen Be- schädigungen von Bahnanlagen sowie die Verstopfung von Entwässerungs- anlagen. • Reduktion der Bodenversiegelung In den letzten Jahren ist das Straßennetz täglich um mehrere Hektar pro Tag gewachsen und trägt damit erheblich zur Bodenversiegelung bei. Im Gegensatz dazu ist die Eisenbahninfrastruktur eine äußerst flächensparende Form der Transportinfrastruktur. Während man im motorisierten Individualverkehr pro beförderter Person 100 m² Verkehrsfläche benötigt, sind es bei der Bahn nur 7 m². Im Güterverkehr ist der Flächenbedarf pro Kilometer Streckennetz auf der Straße dreimal höher als auf der Schiene. Infos: infrastruktur.oebb.at Fotos: ÖBB/Harald Eisenberger, ÖBB/Posch, Icon: Shutterstock/NotionPic 50 51 railaxed Herbst 2023 Foto: Mitja Kobal/Greenpeace, Shutterstock/Dedov Stock Österreich führt mit knapp 15 Metern Straße pro Kopf in Europa mit dem dichtesten Straßennetz.

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