railaxed - HERBST 2023
Gründung und Anfangsjahre N ach der Neugründung der ÖBB stand das Unternehmen wegen der ungenügenden Ausstattung mit Finanzmitteln unter hohem wirtschaftlichen Druck. Gleich zu Beginn wurde von Regierungsseite deshalb eine Personal- reduktion von 25 Prozent innerhalb von fünf Jahren angeordnet. So sollte am Ende dieser sogenannten Gesundschrumpfung ein Aktivstand von rund 90.000 beschäftigten Personen erreicht werden. Ebenso war es das Ziel, durch die Umsetzung des bereits 1920 beschlossenen ersten „Elektrisierungs- programms“ eine wesentlich wirtschaftlichere Betriebsführung zu ermöglichen. Aber der Lobbyismus diverser Gruppierungen aus Wirtschaft und Politik verzögerte das ambitionierte Programm. Nach seiner Fertig- stellung 1927 gab es deshalb einige Jahre lang keinen weiteren Ausbau elektrischer Streckenabschnitte. Die allgemeine Wirtschaftskrise und der Börsenkrach von 1929 setzten natürlich auch den ÖBB zu und verschlechterten die wirtschaftliche Lage des jungen Unternehmens zusätzlich. Im März 1933 kam es zur Ausschaltung des Parlaments und der Einführung des autori- tären Ständestaates. Eine der direkten Auswirkungen auf die ÖBB war besonders drastisch: Die oftmals politisch eher links orientierten Bediensteten wurden zu einer de facto verordneten Zwangsmitgliedschaft in der „Vaterländischen Front“ gezwungen. Wie man sich vorstellen kann, war das gewiss keine beliebte Maßnahme. Nur wenige Monate später, während des Bürgerkrieges Es war ein schwieriger Start: Zu groß, zu wenig Kapital, ein überalterter Fuhrpark und das soziale wie auch das politische Umfeld waren denkbar unerfreulich. Trotz Widerstand aus Politik undWirtschaft schlossen die ÖBB 1927 das erste „ Elektrisierungs- programm “ ab. 1924 1925 1926 1927 1934 1935 1936 1937 1938 1923 Fotos: ÖBB/Infra 19 23 -19 38 im Februar 1934, fuhren mehrere Panzerzüge im Raum Wien und beschossen die Gemeinde- wohnungen der sogenannten „Aufständischen“. Diese absurde Maßnahme forderte Opfer auf beiden Seiten. Infolge wurden die sozialistische Partei und alle ihre Unterorganisationen verboten. Um der sprunghaft gestiegenen Arbeitslosigkeit zu begegnen, wurden über Staatsanleihen finanzierte Infrastrukturausbaumaßnahmen eingeleitet. Neben Straßenverkehrsprojekten konnten so weitere Bahnstrecken – wie etwa die Tauernbahn – elektrifiziert werden. Zusätzlich wurde auch ein Bauprogramm für Personen- und Güterwagen gestartet. Eine ohnehin dringend notwendige Maßnahme, um den überalterten Wagenpark zumindest teilweise zu erneuern. 1: Die „1082.01“ war eine Versuchs- lok in den 1920er- Jahren für den elektrischen Fahr- betrieb. 2: Dampflok der Baureihe 113 hält im Bahnhof Sem- mering Richtung Süden. 3: Eine Lok der Reihe „1100.100“ („Krokodil“) mit Reisezug auf der Trisannabrücke am Arlberg Triebfahrzeugführer:in Umgangssprachlich Lokführer:in genannt, hat sich der Beruf der Triebfahrzeugführer:innen in den vergangenen 100 Jahren stark gewandelt. Dampflokführer zu sein, war trotz der harten Arbeitsbedingungen begehrt: Im offenen Führerstand war man Wetter, Fahrtwind und Rauch ausgesetzt. 2 3 1 54 55 railaxed Herbst 2023
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