railaxed - HERBST 2023

Die NS-Zeit A m 12. März 1938 kam es zum Ein- marsch der deutschen Wehrmacht. Einen Tag später trat das „Gesetz zur Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ in Kraft. Damit war der sogenannte Anschluss vollzogen. Schon fünf Tage danach wurden die ÖBB Mitarbei- ter:innen in die Organisation der Deutschen Reichsbahn überführt und auf den Führer vereidigt, sodass mit ihrer Hilfe der Verkehr auf den Strecken des als „Ostmark“ be- zeichneten ehemaligen österreichischen Staatsgebiets abgewickelt werden konnte. Jüdische Beschäftigte entließ man umgehend, viele politische Günstlinge sowie „alte Kämpfer“, die fanatisch die nationalsozialistische Ideologie verbreiteten, fanden einen neuen Arbeitsplatz. Transportabwicklung im Krieg Im Zuge dessen erhöhten Rüstungsbetriebe schlagartig ihre Produktion. Die Reichsbahn baute mehr Strecken und Züge, um auf diese Weise das wachsende Transportaufkommen im Reise- sowie Güterverkehr abwickeln zu können. Und auch im nun nicht mehr allzu fernen Zweiten Weltkrieg sollte die Bahn eine entscheidende Bedeutung spielen. Denn der Angriffskrieg 1939 auf Polen wäre ohne die Transportabwicklung der Deutschen Reichsbahn gar nicht möglich gewesen. Bei den laufenden Rüstungstransporten wurde bis zur Befreiung Europas durch die Alliierten im Jahr 1945 auf die Bahnlogistik zurückgegriffen. „Räder müssen rollen für den Sieg!“: Die Bahn war eines der wichtigsten Kriegsinstrumente. Sie diente zum Transport von Kriegsmaterial, von den Fronten wurden Zwangsarbeiter:innen sowie Plünderungsgut nach Großdeutschland gebracht, zudem beförderte man Verwundete, Kranke sowie Kriegsurlauber. Deportationen Neben Sonderzügen für Regierungs- und speziell Wehrmachtsstellen kam es auch zum Neben Sonder- zügen für Regierungs- und Wehrmachts- stellen kam es auch zum dunkelsten Kapitel in der Geschichte: die Verbringung in Konzentrations- und Vernich- tungslager. Die ÖBB wurden in die Deutsche Reichsbahn eingegliedert, waren Teil der Kriegsmaschinerie und wickelten Deportationstransporte ab. Am Ende lag vieles in Trümmern. 1939 1940 1941 1938 Fotos: ÖBB/Infra 19 38 -19 45 1: Händische Außenreinigung von Reisezugwagen 2: Truppentrans- port im Zweiten Weltkrieg in Rich- tung Sowjetunion 3: Schäden nach einem Bomben­ angriff auf einen Rüstungstransport in Wels 4: Lokführer am Führerstand einer Elektrolokomotive dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Deutschen Reichsbahn: die Deportation von rund drei Millionen jüdischer Mitbürger:innen und anderer Verfolgter sowie von Regime- gegner:innen in Konzentrations- und Ver- nichtungslager. In den letzten Wochen des Krieges wurden noch zahlreiche Räumungs- und Evakuierungstransporte Richtung Westen abgewickelt. Nicht zuletzt deshalb waren die Eisenbahnanlagen ein wichtiges strategisches Ziel der alliierten Luftangriffe. 40 % des Streckennetzes, 25 % der Bahngebäude, 75 % der Dampflokomotiven, ca. 50 % der Perso- nen- und Güterwagen sowie 381 Brücken waren zu Kriegsende zerstört oder schwer beschädigt. Millionen Fahrgäste und 19 Millionen Tonnen Güter transportierten die ÖBB 1933 mit 55.700 Mitarbeiter:innen. Nach Kriegsende und Wieder­ aufbau waren es 1953 bereits 73.698 Mitarbeiter:innen, die dafür sorgten, dass 135 Millionen Fahr- gäste per Bahn, 42 Millionen per Bus und 36 Millionen Tonnen Güter sicher an ihr Ziel kamen. 60 2 3 4 1942 1943 1944 1945 1 56 57 railaxed Herbst 2023

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