railaxed - HERBST 2023

Die Aufräum- arbeiten N ach der Kapitulation des Deutschen Reiches im Mai 1945 wurde Öster- reich von den alliierten Großmächten innerhalb der Grenzen von 1937 wiederher- gestellt und in vier Besatzungszonen auf- geteilt. Aus Sicht der Bahn lag das Haupt- augenmerk in der ersten Zeit auf der raschen Schaffung einer neuen Organisations- form – vorerst unter dem Namen „Österreichische Staatseisenbahnen“. Aber auch der Betrieb sollte umgehend wieder anlaufen. Man trieb eine – oft- mals provisorische – Wiederherstellung zerstörter Streckenabschnitte sowie die Reparatur von beschädigten Loko- motiven und Wagen voran. Denn mithilfe der Bahn sollten ehestmöglich Lebensmittel- und Versorgungstrans- porte für die Bevölkerung durchgeführt und die österreichische Wirtschaft wieder angekurbelt werden. Nach Kriegsende wurden viele Ge- flüchtete, Vertriebene und ehemalige Zwangsarbeiter:innen per Bahn in ihre Heimatländer zurückgebracht. Das betraf einerseits jene, die rechtzeitig vor den Nazis flüchten konnten, aber trotz aller Wirrnisse nach Kriegsende wieder in ihrer früheren Heimat Österreich leben wollten. Andererseits waren ebenfalls viele ausländische Staatsangehörige in Österreich gestrandet, die sich danach sehnten, so schnell wie möglich in ihre Heimatländer zurückzukehren. Erste Neubauaktivitäten Neben dem Wiederaufbau von Gebäuden und der Wiederherstellung von Strecken und Wagen baute man gegen Ende der 1940er-Jahre auch Neues. Für die Elektri- fizierungsvorhaben wurden leistungs- stärkere Lokomotiven und moderne Wagen von der Industrie entwickelt und aus- geliefert. Es hieß anzupacken, um das Unternehmen wiederaufzubauen und die zentrale Mobilitätsversorgung wiederherzustellen. 1 2 1946 1947 1948 1949 1950 1945 Fotos: ÖBB/Infra 19 45 -19 55 Gepäckträger Heute verschwunden und völlig in Vergessenheit geraten: der Beruf des Gepäckträgers. Auf großen Bahnhöfen waren sie überall zu sehen und gehörten zum regen Treiben mit dazu. Gegen Entgelt schleppten sie Koffer, Hut- schachteln oder auch Pakete – eben alles, was auf dem Weg in die Sommerfrische oder für den Verwandtenbesuch notwendig war – vom Bahnhofsvorplatz bis ins Waggonabteil oder umgekehrt. Hans Moser im Film „Hallo Dienst- mann“ ist der wohl berühmteste „Vertreter“ dieses Berufsbilds. 1: Sowjetische Soldaten führen Zugkontrollen an der Zonengrenze am Semmering durch 2: Ankommende Reisende am Wiener West- bahnhof 1952 3: Eine Werbe- anzeige der ÖBB aus dem Jahr 1953 4: Zustellung von Güterwagen mit dem Straßenroller für Firmen ohne Gleisanschluss 3 4 1951 1952 1953 1954 1955 58 59 railaxed Herbst 2023

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