railaxed - WINTER 2023

Stopp der Lebensmittel- verschwendung aut Greenpeace-Berechnungen landen in Österreich jährlich rund 830.000 Tonnen essbare Lebens- mittel im Müll – ein Drittel bis die Hälfte davon stammen aus österreichischen Privathaushalten 1 . Was man sich mengen- technisch kaum vorstellen kann, führt unweigerlich zur Frage, wie solch eine Verschwendung in einem „aufgeklärten“ Land wie unserem überhaupt möglich sein kann. Gründe dafür sind oftmals die Un- kenntnis über die genaue Bedeutung der Mindesthaltbarkeit, die falsche Lagerung von Lebensmitteln, das Angebot (und der Kauf) zu großer Mengenpackungen sowie ein unbewusstes Einkaufsverhalten. Mindestens haltbar bis? Was über lange Zeit gelernt ist, ist es manchmal wert, neu überdacht zu werden, wie auch im Falle des Mindest- haltbarkeitsdatums: Auf Produkte ge- druckt gibt es an, bis zum welchem Zeitpunkt die jeweiligen Hersteller ga- rantieren, dass die wertbestimmenden Eigenschaften des Artikels – das sind Farbe, Geruch und Geschmack – bei korrekter Lagerung erhalten bleiben. Aber: Hier wird keine Aussage über das Verderben des Produkts getroffen! Es wird also fälschlicherweise als „Ablauf- datum“ bezeichnet. Daher lohnt es sich, auf seine eigenen Sinne zu vertrauen: Wenn das Lebensmittel keine unge- wöhnliche Farbe und Konsistenz sowie keinen eigenartigen Geruch oder Ge- schmack aufweist, ist es sehr wahr- scheinlich noch genießbar. Trockene Lebensmittel wie Mehl, Nudeln, Reis, Tee oder Salz sind meistens noch lange nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums komplett in Ordnung, aber auch rohe Eier, Frischkäse oder Selchroller. Anders sieht es in Sachen Verfallsdatum aus: Bei besonders leicht verderblichen Pro- dukten wie Fisch oder Faschiertem hat der Aufdruck „Zu verbrauchen bis“ auf jeden Fall seine Berechtigung und sollte daher unbedingt eingehalten werden. Einkaufen mit Plan Was logisch klingt, ist lange nicht selbstverständlich: Einkaufen mit Plan, sprich mit einer durchdachten Einkaufs- liste, die bestenfalls im Zuge der Er­ stellung eines Kochplans entstanden ist. Wer angenommen Dienstagabend koch- technisch eine Woche vorplant und am Mittwoch gleich alles einkauft, spart Zeit, unnötige Wege – und mögliche Fehl- bzw. Impulskäufe. Es ist weder ratsam, hungrig einkaufen zu gehen, noch ohne Einkaufsliste, denn so erliegt man beispielsweise leicht diversen Lock­ angeboten wie „2 für 1“ oder „3 zum Preis von 2“. Die Wahrscheinlichkeit, dass man die gesamte Menge nicht L Fotos: Mitja Kobal/Greenpeace 1 278.000 bis 415.000 Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle werden den privaten Haushalten je nach Schätzungen zugerechnet. Melanie Ebner (27) ist gebürtige Steirerin. Sie ist für Greenpeace in Österreich in den Bereichen Landwirtschaft, Lebensmittel und Handels- politik tätig und setzt sich für ein zukunftsfähiges, gerechtes, gesundes und umweltschonendes Ernährungssystem ein. Bewusst einkaufen, optimal lagern und das Mindesthaltbarkeitsdatum richtig deuten: Einfache Maßnahmen, die Großes bewirken können. Gastkommentar – Melanie Ebner 42 43 railaxed Winter 2023 Greenpeace

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