railaxed - HERBST 2024

Ein Bildband widmet sich den schönsten Bahnreisen des Kontinents. Drei davon befinden sich in unmittelbarer Nähe. Prädikat besonders wertvoll: historisch, technisch wie auch landschaftlich. Text – Janina Lebiszczak Europa-Euphorie erlässliche Informationen, spannende Geschichten, atemberaubende Fotografie: Seit 1888 reisen die Pionier:innen der „National Geographic Society“ durch die Weltgeschichte, um in ihrem in- zwischen legendären Magazin darüber zu berichten – sicherlich weitaus weniger komfor- tabel als heute. Und heute haben sich auch die Motive dahinter verschoben: Im Fokus steht nicht mehr nur die reine Erkundung, sondern vor allem die Bewahrung der natürlichen Pracht des Planeten, auch im Zusammenspiel mit nam- haften Umweltschutzorganisationen. Kein Wunder, dass da die Schiene der Straße vor- gezogen wird. Im aktuellen Buch aus dem Verlag des traditionsreichen Hauses (siehe Kasten auf S. 49) dreht sich alles um die Leiden- schaft für die Bahn und die Schönheit Europas, die man auf nachhaltige Weise erleben kann. Leicht gefallen ist uns die Entscheidung nicht, aber aus 225 Zugreisen haben wir schließlich drei ganz besondere Strecken ausgesucht: V Der Berg ruft: Die Arlbergbahn Höhenrausch mal anders: Die Arlbergbahn zählt mit einer Steigung von 3,1 Prozent zu den steilsten Trassen in ganz Europa, auf denen regelmäßig Personen und Güter trans- portiert werden. Die Reise durch Tirol startet in der Landeshauptstadt Innsbruck, weiter geht es über Telfs, Imst, Landeck und Langen am Arlberg bis nach Bludenz in Vorarlberg. Unterwegs passiert man auch das Paznauntal, das mondäne St. Anton, das den weltweit höchstgelegenen ICE-Bahnhof auf 1.303 Metern beheimatet, sowie den Arlbergtunnel und die Trisanna-Brücke, das markante Markenzeichen der Region. Eine Meister- leistung der Technik, denn mit einer freien Stützweite von 120 Meter war sie viele Jahr- zehnte lang die weitest gespannte Eisenbahn- brücke Österreichs und führt heute in einer Höhe von 86 Metern über die Trisanna- Schlucht. Ein spektakuläres Update erhielt das stolze Bauwerk anno 1964: 1.600 Tonnen Stahl wurden mit hydraulischen Pressen um jeweils 65 Zentimeter seitlich verschoben. Nach nur knapp 12 Stunden konnte der Bahnverkehr wieder aufgenommen werden – undenkbar zur Zeit ihrer Erbauung. Die abgelegene und von Bergen dominierte Region war vom Rest des K. u. K.-Österreichs aus nur höchst umständlich zu erreichen. Tirol war – heute ebenfalls undenkbar – das Armenhaus des Landes. Das Mehr an Mobilität sollte der Bevölkerung bessere Geschäfte bringen und den Osten mit dem Westen sowie die Boden- see-Gegend mit Italien verbinden. Die Arlberg- bahn schloss als Gebirgsbahn alle diese Lücken, ein herausforderndes Unterfangen. Die 137 Kilometer lange Strecke wurde ab 1880 in nur vier Jahren erbaut, das komplexe Gelände und die Witterungsverhältnisse verlangten Mensch und Maschine Höchstleistungen ab. Garantiert wurde die Sicherheit schließlich mit einer Vielzahl an Brücken, Hangviadukten, Tunneln, Galerien und Lawinen- bzw. Stein- schlag-Dächern über die vielen Schluchten und Bäche. Heute machen diese „Accessoires“ die Anreise: Der Railjet Xpress ab Wien verkehrt im Stunden- takt über die Arlberg- bahn. Die Fahrzeit von Innsbruck nach Bludenz beträgt ab 1h 42min. Tipp: Ein besonderer Genuss ist die Fahrt im Panoramawagen (1. Klasse) des Eurocity „Transalpin“, der von Graz über die Arlbergbahn bis nach Zürich fährt. Infos: oebb.at Die Trisannabrücke bei Schloss Wiesberg zählt noch heute zu den beeindruckendsten Konstruktionen entlang der Arlbergbahn. Wanderglück im Arlberg- Gebiet: Auf dem mehr als 400 Kilometer langen Wegenetz findet sich stets die richtige Tour. 46 47 Bahnabenteuer railaxed Herbst 2024 Foto: National Geographic Verlag/Mirau Rainer Foto: National Geographic Verlag/mindscapephotos

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