railaxed - HERBST 2024
Buchtipp Inspirierende Einblicke: Was den Bildband „In 225 Reisen mit dem Zug durch Europa“ von ähnlichen Büchern zum Thema unterscheidet, ist die für „National Geographic“ typische Sammlung an groß artigen Fotos über die Freiheit des Reisens. Strecke zu einem echten Erlebnis – und aus den Zugfenstern eröffnen sich Blicke auf die Bergwelt, die bei Wander-Fans die Vorfreude ins Unermessliche steigern. Schmal, aber oho: Der Glacier Express Für Abwechslung ist gesorgt! Der Schweizer Schmalspurzug, auch scherzhaft „der lang- samste Schnellzug der Welt“ genannt, passiert in acht Stunden rund 290 Kilometer, 291 Brücken und 91 Tunnel. Die Reise beginnt in Zermatt in der Nähe des berühmten Matter- horns und bietet von Anfang an Ausblicke auf spektakuläre Landschaften. Bereits Brig, eine der ersten Stationen, ist ein idealer Ausgangs- punkt für Ausflüge und Wanderungen im UNESCO-Welterbe-Gebiet Jungfrau-Aletsch. Wer wirkliche Weitsicht genießen will, nimmt ab der Fiescheralp die Seilbahn auf das 2.926 Meter hohe Eggishorn und blickt auf den Großen Aletschgletscher, Eiger, Mönch und Jungfrau. Weiter geht die Fahrt nach Ander- matt, dann wird es im rund 15 Kilometer langen und engen Furkatunnel erstmal dunkel. Keine Sorge, das nächste Highlight wartet schon: Auf dem Weg nach Chur durchquert der Glacier Express nämlich die legendäre Rheinschlucht. Der „Swiss Grand Canyon“ entstand durch die Kraft der vielen Kubikmeter Fels, die vor rund 9.500 Jahren abbrachen, ein Phänomen, das den Namen „Flimser Bergsturz“ trägt. Während sich der Zug kurvenreich durch Graubünden schlängelt, taucht man tief in vergangene Jahrtausende ein – die geo- logischen Kräfte, die diese wilde Landschaft formten, werden hier begreifbar. Ein weiteres Highlight gegen Streckenende: Das 65 Meter hohe, aus Kalkstein gemauerte Landwasser- viadukt, das Wahrzeichen von Filisur. railaxed- Tipp: Wer diese Reise plant, sollte den Glacier Express wegen der großen Nachfrage un- bedingt rechtzeitig buchen! Mit Wow-Effekten: Die Wocheiner Bahn Die Zugstrecke der Wocheinerbahn, der „Bo- hinjska proga“, entlang des Tals des smaragd- grünen Soča-Flusses ermöglicht ohne Über- treibung eine Traumreise. Die „schönste Bahnlinie Sloweniens“ – so wird sie ohne falsche Bescheidenheit auch beworben – wurde ab 1906 unter den k.k.-Staatsbahnen als Teilstück der Verbindung zur Hafenstadt Triest erbaut und nach dem Bohinj-Tal (zu Deutsch: Woche- in) benannt. Die Reise von Jesenice nach Nova Gorica ist ein kurzes, aber abwechslungs- reiches Erlebnis, denn auf nur 90 Kilometern führt sie durch 28 Tunnel, über fünf Viadukte und 65 Brücken. Eine davon ist die Salcano brücke, mit einer Spannweite von 85 Metern immerhin die weltweit größte gemauerte Steinbogenbrücke. Schon eine Viertelstunde nach der Abfahrt geht es los mit landschaft- lichen Höhepunkten, darunter der 25 Meter hohe Šum-Wasserfall über der Vintgar-Klamm. Ein wichtiger Stopp ist außerdem der herrlich klare Bleder See (gestaut, aber oho!), ein anderer Bohinjska Bistrica, für viele Reisende das Tor zum Triglav-Nationalpark. Nicht minder idyllisch: Das Städtchen Most na Soči, direkt an den Flüssen Soča und Idrijca gelegen. Und das Soča Tal mit seinen wilden Trögen wiederum gilt als schönste Wanderregion in den julischen Alpen. Gegen Ende der Reise werden die Grenzen dann fließend: Nova Gorica heißt der slowenische Teil der Stadt, der italienische Gorizia. Direkt gegenüber vor dem Bahnhofs- gebäude befindet sich die Staatsgrenze, an der Markierung steht man also hüben und drüben. Vom Bahnhof Gorizia geht es schließlich weiter bis Triest und zur Adria, hier wird die Wochei- nerbahn übrigens und rein formell zur Karst- bahn. Geschichtsinteressierte sollten sich den Museumszug nicht entgehen lassen, der mit einer alten Dampflokomotive in die Ver- gangenheit entführt – allerdings nur, wenn man rechtzeitig reserviert. • Anreise: Den Startpunkt Jesenice erreicht man ab Villach in rund 40 Minuten mit dem Schnellzug. Rund 2 h benötigt die Wocheinerbahn für die Fahrt bis zum Endpunkt Nova Gorica. Anreise: Zum Start nach Zermatt geht es ab Zürich per Bahn via Bern und Visp. Wer die Fahrt abkürzen möchte, kann auch direkt in Visp in den Glacier Express zusteigen. Achtung: Der Glacier Express fährt nach saisonalem Fahrplan und macht zwischen Mitte Oktober und Dezember Pause. Infos: glacierexpress.ch Malerisch: Das Urserental mit dem Furkareuss- Fluss, im Hinter- grund der Schweizer Kult-Zug. Tipp Panoramastrecken haben in der Schweiz Tradition und zählen zu den Highlights des Landes. Neben dem „Glacier Express“ bie ten die ÖBB Rail Tours auch andere Traumzüge an, dar unter u.a. das „5 Panoramabahnen in 8 Tagen“-Paket. Infos: railtours.oebb.at Stadt aus Eisen- und Stahl: Das Museumsgebiet in Jesenice spiegelt den Geist vergangener Tage wider. Beliebtes Fotomotiv: Der 120 Meter lange Viadukt Val Bugnei mit seinen neun Bögen und dem „Glacier Express“ obendrauf. Vorbei am Siegesleucht- turm: Wer mit der Wocheinerbahn fährt, sollte sich den letzten Stopp in Triest nicht entgehen lassen. 48 49 railaxed Herbst 2024 Fotos: National Geographic Verlag/Kürschner Iris (kleines Foto), National Geographic Verlag/ClickAlps (großes Foto) Fotos: National Geographic Verlag/Nik Bertonceli (kleines Foto unten), National Geographic Verlag/xbrchx (großes Foto), Buchcover: National Geographic Verlag Janina Lebiszczak ist Journalistin, Kolumnistin und Autorin aus Wien. Sie schreibt über die Kunst, das Leben zu genießen, Grenzen zu überwinden und den Horizont mit al- len Sinnen zu erweitern. © Illustration: Blagovesta Bakardjieva, carolineseidler.com
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