railaxed - HERBST 2024

Melanie Ebner (28) ist gebürtige Steirerin. Sie ist für Greenpeace in Österreich in den Bereichen Landwirt- schaft, Lebensmittel und Bodenschutz tätig und setzt sich für ein zukunftsfähiges, gerechtes, gesundes und umweltschonendes Ernährungssystem ein. ertrauenswürdige Informationen sind wichtig, vor allem, wenn es um unsere Nahrungs- mittel geht. Schließlich will niemand, dass bei der Herstellung der Produkte möglicher- weise gesundheitsschädigende Stoffe eingesetzt werden. Gefragter denn je sind auch umweltschonende Produktionsweisen. Keine Frage, dass Gütezeichen ein wichtiger Wegweiser für Konsument:innen sind, wenn es um Entscheidungs- prozesse beim Einkauf geht. Was man allerdings wissen muss: Einige Gütezeichen erfüllen lediglich minimale Standards oder sind rein marketingorientiert. Mittel zur Verkaufsförderung Weil Gütesiegel und Zertifikate inzwischen auch zur Verkaufsförderung genutzt werden, hat die Industrie zum Teil eigene Siegel mit selbst fest- gelegten Kriterien eingeführt. Das Ergebnis ist eine nahezu unüberschaubare Vielzahl an Gütesiegeln, Zeichen und Zertifikaten. Es wird zunehmend schwieriger, tatsächlich nachhaltige und öko- logisch unbedenkliche Produkte zu identifizieren. Die Gütesiegel-Guides von Greenpeace bieten hier eine wertvolle Hilfe. Sie unterstützen dabei, verlässliche Siegel für Lebensmittel, Drogerie- produkte und Kleidung zu erkennen und so bewusste Kaufentscheidungen zu treffen. Sie bieten eine Übersicht und Bewertung der ver- schiedenen Gütesiegel, basierend auf un- abhängigen und transparenten Kriterien – und helfen maßgeblich dabei, bewusste Kaufent- scheidungen zu treffen. V Regionaler Schwinde l Eine Kennzeichnung, die sich in den Super- märkten häufig auf Lebensmitteln, aber auch auf Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmitteln oder gar Klopapier findet, ist die rot-weiß-ro- te Österreichflagge oder ein Aufdruck, der die regionale Produktion hervorhebt. Aber Achtung: So eindeutig diese Kennzeichnung scheint, so viele Widersprüche und fälschliche Assoziationen lässt sie zu. Selbst, wenn wir ein Produkt von einem regionalen Produzen- ten kaufen, ist nicht garantiert, dass damit tatsächlich nur kurze Wege einhergehen und sämtliche Produktionsschritte und verwendete Rohstoffe auch aus der Region stammen. „Regional” kann sich nämlich auch lediglich auf gewisse Zutaten, Rohstoffe oder einzelne Schritte in der Produktion beziehen. Zudem ist damit kein einheitlicher Herkunfts-Umkreis bzw. Transportweg verbunden. Wie und wann die Kennzeichnung als „regional” erfolgen darf, ist nicht gesetzlich geregelt und bietet daher keine vertrauenswürdige Herkunfts- garantie. • + Gütezeichen auf Lebensmitteln Allein beim Lebensmitteleinkauf in Österreich stößt man auf mehr als 100 unterschiedliche Gütezeichen. Es gibt jedoch einige sehr einfach zu erkennende und verlässliche Zeichen. Greift man beim Einkauf von Kartoffel, Karotte und Co. zur Variante mit „Bio”-Siegel, ist eine umweltschonende Herstellung garantiert, denn im Lebensmittel­ bereich ist der Begriff rechtlich geschützt und die Einhaltung der Standards wird streng kontrolliert. Gesetzliche Grundlage für die Bio-Produktion in der gesamten Europäischen Union ist die EU- Bio-Verordnung. Diese garantiert, dass auch in Bio-Produkten aus anderen Ländern dieselben hohen Standards eingehalten werden. In Österreich gibt es außerdem Bio- Siegel, die über die ohnehin schon sehr hohen Bio-Standards noch weiter hinausgehen, wie etwa „Bio Austria“. + Gütezeichen auf Kosmetik Wie und womit Kosmetikprodukte, auch Seifen oder Waschmittel, her­ gestellt werden dürfen, ist in der EU-Kosmetikverordnung geregelt. So sind nur behördlich zugelassene Inhaltsstoffe erlaubt. Tierversuche am Endprodukt sind in der EU in­ zwischen verboten. Für wirklich umweltschonend hergestellte und gesundheitlich unbedenkliche Pro­ dukte fehlt in der EU-Verordnung jedoch eine klare Regelung. In Österreich finden sich mittlerweile die Definitionen von Natur- sowie Bio-Kosmetik im Österreichischen Lebensmittelbuch. Naturkosmetik, die in Österreich hergestellt wird, muss überwiegend aus minerali­ schen oder natürlich hergestellten Inhaltsstoffen hergestellt werden. Für Bio-Kosmetik müssen darüber hinaus zum Großteil Rohstoffe aus biologischer Landwirtschaft ein­ gesetzt werden. + Gütezeichen auf Kleidung Mit einer zunehmenden Anzahl an „Nachhaltigkeitslabels" ist man auch im Textilbereich konfrontiert. Aber lediglich einige wenige wie etwa GOTS, IVN Best, Naturland Textilien oder Oeko-Tex Made in Green können als vertrauenswürdig angesehen werden. Worauf achten? Ein kleiner Überblick. Zusatztipp Sowohl bei Lebens­ mitteln als auch bei Kleidung gibt es einige vertrauenswürdige Gütezeichen, wie etwa GOTS im Kleidungs­ bereich oder Fairtrade im Lebensmittel­ bereich. Sie garantie­ ren soziale Kriterien, wie z. B. existenz­ sichernde Löhne. Einen Überblick, wel­ che Gütezeichen ver­ trauenswürdig sind und von welchen aus Umweltsicht abzuraten ist, bieten die Guides von Greenpeace: Gütezeichen gelten als wesentliche Verkaufsförderer. Schließlich wollen immer mehr Menschen wissen, wie (nachhaltig) ihre Lebensmittel her- gestellt und welche Inhalts- oder auch Zusatzstoffe für die Herstellung verwendet wurden etc. Doch nicht alle Siegel halten, was sie versprechen. Ist wirklich drinnen, was draufsteht? Gastkommentar: Melanie Ebner 50 51 railaxed Herbst 2023 Greenpeace Fotos: Greenpeace/Mitja Kobal

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