railaxed - FRÜHLING 2026
roße Züge fahren schnell, kleine erzählen Geschichten – so lautet das Prinzip des Zayataler Schienentaxis. Hier wird Eisenbahn auf ihre Essenz reduziert: Schiene, Fahrzeug, Landschaft. Zum Einsatz kommen historische Motorbahnwagen der ÖBB-Baureihe X626, die eigenständig mit Dieselmotor unterwegs sind. Das Schienentaxi wird also nicht gezogen, sondern fährt aus eigener Kraft – wie ein kleiner Triebwagen. Wegen ihres ursprünglich durchgehend gelben Anstrichs tragen die Fahrzeuge den liebevollen Spitznamen „Postkastln“. Jeder Wagen bietet Platz für bis zu neun Fahrgäste, mehrere Einheiten lassen sich sogar zu einem kleinen Zug kuppeln, was besonders Gruppenreisende freut. Ergänzt wird der Fuhrpark durch einen Cabrio-Wagen, der an warmen Tagen den Duft von Wiesen und Wäldern direkt ins Abteil holt, für kühlere Tage wird der Beiwagen eines Schienenbusses genutzt und bietet Platz für mehr als 50 Fahrgäste. Die Strecke selbst ist dabei der heimliche Star: Zwischen Mistelbach und Asparn an der Zaya führt sie mit 15 km/h im Schnitt durch sanftes Hügelland, besonders eindrucksvoll ist der Abschnitt durch den Naturpark Leiser Berge, wo sich das Schienen- taxi in engen Bögen hinaufarbeitet und immer wieder überraschende Ausblicke über das Weinviertel freigibt. Mit Muskelkraft und Motor: Auf stillgelegten Bahnstrecken laden Draisinen und sogar ein „Schienentaxi“ dazu ein, Österreich neu zu entdecken – landschaftsnah, gemeinschaftlich und überraschend anders. Neues Leben auf alten Gleisen G Text – Janina Lebiszczak Zayataler Schienentaxi Gesamtlänge: rund 12 Kilometer Saison: Mai bis Oktober, Sonder- fahrten ganzjährig Preise: je nach Angebot und Fahrzeugtyp; Schienentaxi und Draisine sind separat buchbar Infos: schienentaxi.at weinvierteldraisine.at Schienentaxi versus Draisine: Treten oder tuckern? Seit 2012 befährt das Schienentaxi bereits die ehemalige Lokalbahnstrecke, seit 2018 kann es im Rahmen gebuchter Fahrten auch eine sehr praktische Aufgabe übernehmen: Es erklimmt die Steilstrecke hinauf zur Draisinenalm Grafen- sulz, einem beliebten Rastpunkt für Hungrige und Erholungsuchende. Auf Wunsch werden dabei sogar Fahrraddraisinen mitgeschoben – eine elegante Lösung für all jene, die bergauf lieber genießen als strampeln möchten. Die Kombination aus Motorwagen und Draisine ist österreichweit einzigartig. Am endgültigen Ziel angekommen, lässt sich das Bahnabenteuer in Asparn an der Zaya genussvoll verlängern: Gasthäuser im Ortszentrum laden zu regionaler Küche ein, während Kulturinteressierte das Urgeschichtemuseum MAMUZ oder eine Keller- gassenführung mit dem Ausflug verbinden können. Betrieben wird das Schienentaxi von einem Verein Ehrenamtlicher, dessen Mitglieder fahren, warten und restaurieren – aus Hingabe an gelebte Eisenbahntradition. Kein Verkehrsmittel im engeren Sinn also, sondern ein rollendes Kulturgut, das einfach gute Laune macht. Mit Wadenkraft durchs Sonnenland Auch im Burgenland sind die Gleise geblieben, doch der Rhythmus hat sich verändert. Wo einst Regionalzüge durch das Mittelburgen- land fuhren, wird heute die Entschleunigung zelebriert. Die Sonnenland Draisine nutzt eine stillgelegte Bahnstrecke zwischen Necken- markt-Horitschon und Oberpullendorf – und macht aus einem Stück Eisenbahngeschichte eines der ungewöhnlichsten Ausflugsziele Österreichs. Die Strecke wurde ursprünglich für den Personen- und Güterverkehr errichtet, verlor jedoch im Lauf der Jahre an Bedeutung. Anstatt die Schienen dem Verfall preiszu- geben, entstand eine neue Idee: Bewegung statt Stillstand, Erlebnis statt Rückbau. Heute Der Weg als Ziel: die historischen Motorbahnwagen des Zayataler Schienentaxis. Fahrtwind: Mit der Weinvierteldraisine geht es bis Ernstbrunn. Ein Besuch im MAMUZ Schloss Asparn an der Zaya: auf jeden Fall spannend für Kulturinteressierte. 48 49 railaxed Frühling 2026 Bahnabenteuer Foto: Zayataler Schienentaxi/Schuller Fotos:Roman Jandl (großes Foto), Weinvierteldraisine Betriebs GesmbH (kleines Foto)
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