railaxed – HERBST 2026

gestaunt. Drinnen wartet eine andere Welt. Kein Weihrauch, keine Supermarkt-Esoterik, keine Buddha-Souvenirs. Hohe Räume, klare Linien, erstaunlich unprätentiös und gerade deshalb vertrauenerweckend. Seit 2010 leiten Marion und Bernhard Hötzel hier ihr „ZENtrum“ als anerkanntes Erwachsenenbildungsinstitut. Wer die beiden kennenlernt, merkt rasch: In eine Schublade passen sie nicht, sie wirken weder entrückt noch missionarisch. Marion arbeitete ursprünglich als Bioanalytikerin. Ein Erlebnis mit einem krebskranken Kind brachte sie Anfang der 1980er-Jahre dazu, ihr Leben grundlegend zu hinterfragen. Es folgten Jahre in Indien, Japan und verschiedenen Meditationsgemeinschaften – eine Suche, die sie heute als Weg der „Ent-Täu- schung“ denn der „Er-Leuchtung“ beschreibt. Eine augenzwinkernde Anspielung auf jene Menschen, die glauben, bereits einen höheren Bewusstseinszustand erreicht zu haben, und sich damit von anderen abzuheben. Für Marion ist genau diese Vorstellung die letzte große Täu- schung: „Erleuchtet hat man noch Illusionen.“ Und Bernhard? Der gelernte Industriekaufmann beschäftigte sich, lange bevor es chic wurde, mit Ayurveda, humanistischer Psychologie und Meditation, und verbrachte ebenso viel Zeit in wenig konformistischen Lebensmodellen wie seine Frau. Beide erlangten dieselbe Erkenntnis: Jede innere Reise taugt nur, wenn sie den Alltag verändert und nicht bloß meditierend auf dem Sitzkissen stattfindet. Der pragmatische Ansatz mag überraschen. Aber bevor die Hötzels das Innehalten lehrten, führten sie ein Unternehmen für Modelleisenbahnen und Kleinserien histori- scher Lokomotiven. Erst nachdem die Firma erfolgreich verkauft war, entstand das Zentrum, das heute Menschen aus ganz Europa anzieht. Denn ob Modelleisenbahn oder Meditation – beides verlangt die Bereitschaft, sich einer Sache mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu widmen. Kann man die innere Kommentarfunktion ausschalten? Ich widme mich unter Anleitung meiner Gastgeber:innen zunächst einmal meinem eigenen Körper. Ein ungewohntes Unter- fangen. Normalerweise nehme ich ihn erst wahr, wenn etwas zwickt. Beim „Bodyscan“ ist das anders. Langsam wandert die Aufmerk- samkeit von den Zehenspitzen bis zum Scheitel, Zentimeter für Zentimeter. Nicht bewerten, nur wahrnehmen. Erstaunlich, wie viel in einem Körper los ist, wenn man in ihn hinein- hört. Danach folgen die Atem-Schule und die Erkenntnis, dass etwas, das mich zuverlässig am Leben hält, kaum Aufmerksamkeit be- kommt. Ich beobachte ihn, verliere ihn, finde ihn wieder. Das scheint der Sinn der Übung zu sein: nicht zu funktionieren, sondern immer wieder freundlich zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Schwierig ist nur, die eigene Kommentarfunktion auszuschalten. Zu gerne würde ich den Hötzels mitteilen, was alles in mir vorgeht. Doch wir schweigen – auch während der bewegten Meditation im histori- schen Kreuzgang des ehemaligen Benediktiner- klosters. Setzen einen Fuß vor den anderen. Im selben Rhythmus. Sehr langsam. Nun: Offenbar kann ich vieles gleichzeitig: mich bewegen, planen, grübeln, Erinnerungen sortieren oder imaginäre Streitgespräche führen. Nur eines fällt mir schwer: einfach nur gehen. Dabei hätte ich vor Beginn des Seminars behauptet, durchaus imstande zu sein, im Moment zu leben. Ich genieße Sonnenuntergänge, kann mich im Anblick meiner Katze verlieren oder beim Wandern alles um mich herum vergessen. Doch Bernhard zieht die Trennlinie – das sei noch nicht dasselbe wie wirklich in sich selbst zu ruhen. „Vielleicht hast du das andere Ufer von Weitem gesehen“, sagt er. „Aber es muss Anreise Mit den ÖBB geht es be- quem bis Salzburg Haupt- bahnhof und von dort mit dem Regionalbus 140 nach Mondsee. Für Aus- flüge in die Region steht auch das Salzkammergut Shuttle bereit – nach Vor- anmeldung mindestens eine Stunde vor der Fahrt. Tipp für Nächtigungsgäste: Mit dem Guest Mobility Ticket können öffentliche Verkehrsmittel im ge- samten Bundesland Salz- burg sowie in den an- grenzenden Regionen rund um Mondsee und Irrsee kostenlos genutzt werden. Infos: mondsee. salzkammergut.at Meisterhafte Meditation: Marion und Bernhard Hötzel vor dem „ZENtrum Mondsee“. Tipp Das „ZENtrum Mondsee“ bietet den idealen Rahmen für eine Auszeit vom All- tag. Schweige- kurse, Meditation, Breathwork und Achtsamkeits- seminare laden dazu ein, neue Perspektiven zu entdecken. Infos: zentrum- mondsee.at In Bewegung schweigen: Im historischen Kreuzgang schreiten wir langsam zur Ruhe. Stille spüren: Die „Phyllotaxis“ am Irrsee be- schreibt eine zu Stein gewordene Naturform. Zwischen Weite und Wasser: Am Mondsee wird das Schweigen zum Vergnügen. 14 15

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