railaxed – SOMMER 2026
ideale Strategie gegen den Bammel. Vielleicht, weil er den beruflichen Ritterschlag in der Mozartstadt bereits bekommen hat. Für den JungSchauspieler, der schon glücklich war, als Teil der „Jedermann“Tischgesellschaft auf dem Domplatz zu spielen, erfüllte sich 2024 ein weiterer großer Traum. Er sprang für den erkrankten „Tod“ ein – eine Chance, die nicht ungenutzt blieb. 2025 durfte ich mit ihm den Festspielsommer hinter den Kulissen erleben, 2026 hebt seine Karriere international ab: Er wird unter anderem in der historischen CrimeSerie „Ludwig“ zu sehen sein. Wo Theater zur Vision wurde Meine Tage in Salzburg beginnen dort, wo sie für Jedermann und Jedefrau beginnen sollten: im Archiv der Salzburger Festspiele, öffentlich zugänglich und in einem prächtigen Villen gebäude untergebracht. Dort wartet eine Sammlung von unschätzbarem Wert, darunter Spielpläne, Programmhefte, Plakate, Fotos, Korrespondenzen sowie Kostüm und Bühnen bildentwürfe. ArchivLeiterin Margarethe Lasinger zeigt mir das „Jedermann“Regiebuch von Max Reinhardt, im „Memory of the World“Register der UNESCO gelistet und unter strengen konservatorischen Bedingungen gelagert – quasi der „genetische Code“ der Festspiele. Mir werden die Knie weich. Reinhardt, der Magier des Theaters. Ich habe wenige Idole, er rangiert ganz oben. Ein Szenenwechsel führt mich hinaus aus der dichten Aura des Archivs – hinaus ans Wasser, wo Salzburg fast ein wenig mediterran wirkt. Für Max Reinhardt war Schloss Leopoldskron weit mehr als eine Sommerresidenz, es war sein kreatives Kraftzentrum. Hier entwickelte er Visionen eines Theaters, das nicht nur unterhält, sondern verwandelt und die Stadt selbst zur Bühne macht. In einem der Räume steht noch heute seine Schreibmaschine – kein museales Accessoire, eher eine stille Zeugin. Gut, dass Paul nun an meiner Seite ist und mich mit seinem einzigartigen Charme daran erinnert, dass Respekt angebracht ist – aber nicht Ehrfurcht bis zur Starre. Wer die Fest spiele wirklich erleben will, muss sich trauen, sie zu fühlen. „Große Kunst funktioniert nicht auf Distanz, sie verlangt Nähe“, meint Paul und schlägt die endlosen Beine übereinander. Außerdem erinnert er mich an eine zweite, heitere Ebene dieses bedeutungsschwangeren Ortes: Teile von Leopoldskron dienten als Filmkulisse für „The Sound of Music“, jenen Kultmusicalklassiker, der in aller Welt bekannt ist – nur in Österreich nicht. Zwischen Tradition und Augenzwinkern Nun geht es weiter – hinein ins Herz der barocken Macht. Die Residenz im DomQuartier Salzburg öffnet ihre schweren Türen und gibt den Blick frei auf ein Geflecht aus Prunk räumen und Galerien. Einst residierten hier die Fürsterzbischöfe, und Wolfgang Amadeus Mozart musizierte hier für den Hof – in einem Alter, in dem andere Kinder gerade erst Ehrfürchtiger Moment: am Schreibtisch von Max Reinhardt. Hier nahm nicht nur die Festspielidee Gestalt an. Die letzte Party ist die beste: Die Bühne des „Jedermann“ entsteht unter schwebenden Diskokugeln. Das berühmte Zauberglas: Wein in Wasser verwandeln? Dank innovativer Requisite ist es möglich. Im Archiv der Salzburger Festspiele: Geschichte zum Anfassen, erklärt von Leiterin Margarethe Lasinger. Mit Blick auf den See: Bühne für große Visionen und Kulisse für „The Sound of Music“. Vorbereitungen am Domplatz: Für die Festspiel Crew im Sommer Alltag, für mich eine Sensation. Janina Lebiszczak ist Journalistin, Kolumnistin und Autorin aus Wien. Sie schreibt über die Kunst, das Leben zu genießen, Grenzen zu überwinden und den Horizont mit allen Sinnen zu erweitern. 14 15 railaxed Sommer 2026 © Illustration: Blagovesta Bakardjieva, carolineseidler.com
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