railaxed – SOMMER 2026
„Jedermann“ ist jedes Jahr auch ein Neu beginn. Ein Ritual, das nur funktioniert, weil hinter der großen Geste unzählige kleine, präzise Handgriffe stehen. Backstage treffe ich Paul noch einmal kurz zwischen Schmink spiegeln und Kostümteilen – gemeinsam mit der restlichen Tischgesellschaft. Ein letztes Lachen, dann folgt die Konzentration. „Toi, toi, toi“, sage ich in die Runde – mehr braucht es nicht. Dann sind sie schon weg, hinein in diese andere Welt. Später sitze ich als Gast auf dem Domplatz und sehe sie in Aktion. Alles, was ich zuvor erlebt habe, fügt sich zusammen: die Proben, die Vorbereitungen, das leise Knistern vor dem Auftritt. Und plötzlich ist da keine Distanz mehr – nur noch das Gefühl, mitten drin zu sein. Salzburg im Festspielsommer, das ist nicht nur schweres Pathos. Es ist auch Spiel, Verkleidung, Selbstironie. Und genau darin liegt seine eigentliche Größe. • Bald geht es los: vor dem Salzburger Dom und mit einem Fuß auf der viel leicht wichtigsten Bühne der Welt. Paul Winkler in Aktion: Als rasender Reporter und als Teil der „Tischgesellschaft“ sorgt er für intensive Momente. Philipp Hochmair kehrt 2026 zurück, um den Jedermann in Robert Carsens Inszenierung wieder zu spielen. Trachtenpärchen: Im „Salzburger Heimat werk“ spüren Paul und ich der Tradition nach (und sehen fabelhaft aus). Rock in Barock: In der Residenz im DomQuartier warten Wissen, Kunst – und eine Ankleide zum Perspektiven wechsel. Anreise Die Festspielstadt er- reicht man einfach und komfortabel mit dem Zug. Wer seinen Auf- enthalt in Salzburg ver- längern möchte, kann bei ÖBB Rail Tours auch Packages inkl. Bahn- fahrt und Hotel buchen. Saisonal werden auch attraktive Bahnkombis inkl. Eintrittskarten zu verschiedensten kulturellen Events in Österreich angeboten. Unbedingt rechtzeitig buchen! Infos: railtours.oebb.at einfache Rechenaufgaben lösen. Ein paar Räume weiter wird es ebenso verspielt: An einer Verkleidungsstation schlüpfe ich kurzer hand in ein Barockkleid. Schwer, opulent, übertrieben – und genau deshalb so herrlich. Es hätte Mozart sicherlich gefallen. Und oben, auf der Terrasse? Da öffnet sich dann der Blick auf den Domplatz. Die Bühne des „Jedermann“ liegt einem zu Füßen – aufgeladen mit all den großen Gesten, Stimmen und Schicksalen. Und weil wir gerade in Fahrt sind, ziehen Paul und ich schnell weiter zum „Salzburger Heimat werk“ gegenüber. Wenn schon eintauchen, dann richtig. Zwischen Stoffballen und perfekt gebundenen Schleifen lasse ich mich zur DirndlAnprobe überreden. Auch das gehört zur Identität der Stadt an der Salzach – irgend wo zwischen Tradition, Inszenierung und Augenzwinkern. Wir können uns das Lachen nicht verkneifen: Ein bisschen sehen wir nun aus wie das berühmte AlmdudlerTrachten Pärchen. Wenn Jedermann unter Discokugeln feiert Dann trennt sich unser Weg kurz: Paul schwingt sich aufs Rad und fährt zur Probe, während ich einen seltenen Blick hinter die Kulissen geboten bekomme. Rund um den Domplatz, die zentrale Bühne der Salzburger Festspiele, herrscht geschäftiges Treiben. Für den „Jedermann“ wird hier jedes Jahr aufs Neue eine temporäre Theaterwelt errichtet. Tribünen wachsen in den Himmel, Schein werfer werden ausgerichtet, Kabel ver schwinden unter Belägen, Requisiten werden herangekarrt. Und dann dieser Bruch mit der Erwartung: Über der Bühne schweben nun goldene Diskokugeln – plötzlich wirkt alles wie eine Mischung aus Festspielglanz und dekadenter Gegenwart, wie eine große Party am Rand des Abgrunds. Es ist dieser Moment kurz vor dem Zauber, in dem noch alles sichtbar ist: die Konstruktion, die Arbeit, die vielen Hände. Und plötzlich wird klar: Der 16 17 railaxed Sommer 2026
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