railaxed – SOMMER 2026

Auf den Spuren der Parenzana Eines der vielen Highlights der Strecke: das stattliche Sabadin­ Viadukt (auch bekannt als Veli most) in der Nähe von Vižinada. Text – Janina Lebiszczak Zeitreise: Die historische Dampflok U.37 erfreut Biker, wenn sie die slowenische Küste Richtung kroatische Grenze verlassen. raußen drückt die Glut des Sommers. Das Thermometer klettert im Hochsommer nicht selten auf 35 Grad, über den Hügeln flimmert die Luft. Zwischen Weinbergen und Olivenhainen führt eine ehemalige Bahn­ trasse durch die Landschaft – bis sie plötzlich im Mund eines alten Eisenbahntunnels ver­ schwindet. Mit einem Schlag wird es kühl. Die Luft im Inneren ist feucht und überraschend frisch, als hätte der Stein die Hitze des Tages einfach ausgesperrt. Mit seinen 544 Metern ist der ValetaTunnel unter dem Hügel Lucan der längste entlang der ehemaligen Parenzana­ Strecke. Wer heute durch ihn fährt oder geht, bewegt sich auf einer der schönsten Rad und Wanderstrecken der Adria – und zugleich auf den Relikten einer Bahn, die längst ver­ schwunden ist und dennoch tiefe Spuren hinterlassen hat. Die Parenzana war einst eine schmalspurige Eisenbahn, die 1902 eröffnet wurde und den Hafen von Triest mit dem istrischen Küstenort Poreč verband. Über 120 Kilometer führte die Strecke durch die Länder der damaligen Monarchie: Wein, Olivenöl und landwirtschaftliche Produkte wurden transportiert, kleine Dampflokomotiven der k.u.k.Staatsbahnen zogen die Wagen – schnell waren sie dabei nicht. Um die fünf­ undzwanzig Stundenkilometer schafften die Züge, an besonders steilen Stellen mussten Reisende sogar aussteigen, um die Lok zu entlasten. Heute sind die Gleise Geschichte. Geblieben ist die Trasse – und die führt mitten durch das Herz Istriens. Von Triest über die slowenische Küste Ihren Anfang nahm die Parenzana in Triest, jener alten Hafenstadt, in der sich seit jeher italienische Eleganz, mitteleuropäische Melancholie und Meersalz mischen. Vom ehemaligen Staatsbahnhof Campo Marzio aus setzte sich die Schmalspurbahn in Bewegung, hinaus aus der Stadt und hinein in eine Land­ schaft, die mit jedem Kilometer stiller, grüner und weiter wird. Der italienische Abschnitt ist heute nur mehr in Fragmenten erkennbar, vieles wurde überbaut, manches ist nur mit genauer Kenntnis des Verlaufs zu finden. Deutlicher tritt die alte Bahnlinie erst wieder in Slowenien hervor. Dort folgt sie Koper, Izola und Portorož, vorbei an kleinen Häfen und den weiten Salzfeldern von Sečovlje. Hier zeigt sich die Parenzana weniger als wilde Hügellinie, mehr als lichte Küstenroute. Der Weg ist in Slowenien vielerorts ausgebaut – ein sanfter Auftakt also, bevor hinter der kroatischen Grenze das eigentliche Bahnabenteuer beginnt: rauer, hügeliger, ursprünglicher. Radeln und wandern auf der alten Bahnlinie Der istrische Abschnitt der Parenzana gehört zu den schönsten Teilen der Route. Rund 80 D Gut beschildert: Entlang der Strecke wird immer wieder an die reiche Geschichte der Parenzana erinnert. Von Triest bis nach Istrien: Radeln und wandern entlang der historischen Bahnstrecke – zwischen Viadukten, Trüffel- wäldern und Hügelstädten. 46 47 railaxed Sommer 2026 Fotos: A.R.T Redaktionsteam/Sebastian Rothe (kleines Foto links unten), A.R.T Redaktionsteam/Igor Zirojevic (Foto rechts), A.R.T Redaktionsteam/Julien Duval (großes Foto) Bahnabenteuer

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