railaxed – SOMMER 2026
Facts • Die Bahn war von 1902 bis 1935 in Betrieb. • Sie verband 33 Orte in Istrien – von Triest bis Poreč. • Im hügeligen Hinterland Istriens erreichten die Dampflokomotiven im Schnitt 25 km/h . • Heute erinnern Grožnjan, Motovun , das Parenzana-Museum in Izola und das Eisenbahnmuseum am Campo Marzio in Triest an die historische Strecke. Anreise Über die neue Koralm- bahn geht es von Wien über Graz und Villach direkt nach Triest. Die Radmitnahme im Rail- jet ist begrenzt, daher bitte rechtzeitig reser- vieren. Ab Villach gibt es zusätzliche D-Züge (Micotra) mit extra viel Platz für Fahrräder, die an Wochenenden zum Startpunkt der Paren zana unterwegs sind. Infos: oebb.at/fahrrad Kilometer der ehemaligen Bahnstrecke ver laufen durch Hügel, Wälder und kleine Dörfer des Hinterlands. Der Weg ist meist fein ge schottert und ideal für Gravel- und Mountain bikes, auch Wanderfans nutzen die Strecke gerne. Da die Bahn so gebaut wurde, dass die Steigungen möglichst kommod bleiben, eignet sich die Trasse perfekt für längere Touren – zu Fuß ebenso wie auf zwei Rädern. Auch die Nostalgie kommt nicht zu kurz: Immer wieder tauchen Relikte der alten Eisenbahn auf: Tunnel portale, kleine Brücken und Viadukte, die sich über Täler spannen. Manchmal steht auch noch ein ehemaliges Bahnhofsgebäude am Weges rand, überwuchert und halb verborgen zwi schen den Bäumen. Weiter geht es durch das Hügelland rund um Buje, eine kleine Stadt mit venezianischen Palazzi und weitem Blick. Hier zeigt sich das typische Istrien: sanfte Hügel mit Rebreihen, silbrig schimmernde Olivenbäume zwischen Trockensteinmauern und kleine Dörfer aus hellem Kalkstein, die wie zufällig auf den Kuppen stehen. Immer wieder lohnt sich eine Pause – etwa in einer der vielen Konobas entlang der Strecke, wo einfache, ehrliche Küche serviert wird. Ein besonderes Highlight ist das Künstlerdorf Grožnjan. Schon von Weitem sieht man seine mittelalterliche Silhouette, seit den 1960er-Jahren ist es ein Treffpunkt für Kunstschaffende aus ganz Europa. Vor allem im Sommer wird das Dorf zur Bühne: Jazz- und Klassikfestivals erfüllen die Gassen mit Musik, dann klingt aus offenen Fenstern ein Saxofon, während auf einem kleinen Platz ein Streich quartett probt Tunnel und Viadukte im Mirna-Tal Hinter Grožnjan gibt die Parenzana optisch Vollgas. Die Trasse taucht immer wieder in alte Eisenbahntunnel ein – darunter eingangs erwähnter Kalčini-Tunnel – und führt über steinerne Viadukte, die sich über die Täler spannen. Besonders elegant wirkt das um 1900 erbaute Sabadin-Viadukt, das im Zuge der Entwicklung des Radwegs renoviert und für Radbegeisterte und Wanderfans verbessert wurde. Schließlich senkt sich die Strecke hinunter in eine der fruchtbarsten Land schaften Istriens: Livade etwa ist ein kleiner Ort mit großem Ruf, seine Wälder entlang des Flusses Mirna gehören zu den bedeutendsten Trüffelgebieten Europas. In den feuchten Böden wachsen die begehrten weißen Knollen, deren Duft im Herbst die ganze Region prägt. In den Restaurants des Ortes wird die Kostbar keit großzügig über Pasta oder Eier gehobelt – ein aromatischer Höhepunkt nach einer langen Etappe auf dem Rad oder zu Fuß. Gegenüber, hoch über dem Tal, erhebt sich das Burgenstädtchen Motovun. Wie ein Miniatur bild thront es auf einem Hügel, umgeben von einer rundumlaufenden begehbaren Stadt mauer. Auch architektonisch hat der Ort Besonderes zu bieten: eine Kirche, die dem Renaissance-Baumeister Andrea Palladio zugeschrieben wird. Ein Abstecher hinauf lohnt sich also – nicht nur wegen der Aussicht. Wer danach ein Glas Wein genießen möchte, ist in der Gegend rund um Vižinada und Višnjan genau richtig. Zwischen den Oliven hainen wachsen Rebsorten wie Malvasia und Teran und immer wieder laden Weingüter entlang der Strecke zu Verkostungen ein. Adria genießen: das Meer vor Poreč Die letzten Kilometer führen Richtung Küste. Wenn zwischen den Bäumen plötzlich intensives Blau aufleuchtet, kann man es bereits förmlich schmecken: Die Adria naht! Poreč, dessen Altstadt auf einer schmalen Halbinsel ins Meer hinausragt, empfängt mit lebendigem mediterranen Flair. Enge Gassen folgen noch immer dem römischen Straßen netz, Cafés und Restaurants säumen die Promenade entlang des Hafens. Rund um die Stadt laden zahlreiche Strände, Buchten und felsige Badeplätze zum Sprung ins Wasser ein – eine willkommene Abkühlung nach einem langen Bahnabenteuer. Das klare Wasser der Adria schimmert in türkisfarbenen Tönen, vielerorts führen kleine Stege direkt ins Meer. Kultureller Mittelpunkt der Stadt ist die Euphrasius-Basilika, eines der bedeutendsten frühchristlichen Bauwerke Europas und UNESCO-Weltkulturerbe. Ihre goldenen Mosaike leuchten seit dem 6. Jahrhundert im Sonnenlicht und erzählen von der langen Geschichte dieser Küstenstadt. Die Route endet hier, ihr Name erinnert allerdings noch immer an die Vergangenheit: Parenzo war der italienische Name von Poreč, und die Parenzana war schlicht jene Bahn, die einst dorthin fuhr. Ihre Gleise sind längst ver schwunden. Doch ihre Spur führt noch immer durch eine der schönsten Landschaften Europas. • Das mittelalterliche Grožnjan über dem Mirna-Tal ist ein sommerlicher Magnet für Kunstfans. Kultknolle: Bei Livade taucht man genussvoll in eines der größten Trüffel gebiete Europas ein. In Poreč wartet das Grande Finale der Parenzana, inklusive Hochkultur und Beachlife. Malerisch thront Motovun auf einem Hügel über den Weinbergen Istriens – eine historische Stadt mit engen Gassen, alten Mauern und weitem Blick über die Landschaft. Malerisches Poreč. 48 49 railaxed Sommer 2026 Fotos: xbrchx/Shutterstock (unten), A.R.T Redaktionsteam/dejanhren (oben rechts), A.R.T Redaktionsteam/www.kernmayer.com (oben links) Fotos: xbrchx/Shutterstock, A.R.T Redaktionsteam/Frank Heuer/laif (kleines Foto unten)
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