railaxed – SOMMER 2026

Buchtipp „Miezen im Mezzanin“– ein launiger Katzen- führer durch Wien von railaxed-Autorin Janina Lebiszczak. Liebevoll portraitiert sie mit Fotograf Leander Höfler Samtpfoten in allen 23 Bezirken – inklusive feiner Grätzeltipps. Info: styriabooks.at gefährten. Man begegnet ihnen im Zoo ebenso wie im Prater, in Parks, Ateliers, Friseursalons, Freibädern, Kirchen oder Beisln. Die namenlose Gleiskatze von Kledering Unser Einstieg liegt dort, wo man Wien normaler­ weise nicht mit Absicht entdeckt: in Kledering bei Favoriten. Am größten Verschiebebahnhof Öster­ reichs werden täglich bis zu 1.800 Waggons zerlegt und neu zusammengestellt. Zwischen Schienen, Weichen und Signallichtern lebt sie: namenlos, aber mit vielen Bezeichnungen, darunter „Katze“, „Murli“ oder „Chefin“. Acht Kilometer misst ihr Revier, sie patrouilliert zwischen Weichen, Werkstätten und Betriebsgebäuden, unbeeindruckt vom Lärm der Rangierloks. Nähe gewährt sie nur wenigen, darunter auch Fahr­ dienstleiter Mike, der seinen Liebling im ÖBBTeam liebevoll umsorgt. „Sie hat eine beruhigende Wirkung auf alle Schichten“, sagt er. „Selbst dort, wo sonst wenig gesprochen wird, schafft sie Verbindung.“ Ganz anders gestaltet sich die feline Bühne im ersten Bezirk: Noch bevor die ersten Gäste kommen, sitzen Maximilian, Leopold und Gisela auf der Treppe zur Stallmeisterei der Spanischen Hofreitschule und lassen niemanden vorbei. Erst wird gefüttert, dann beginnt der Tag. Zwischen Lipizzanern, Ledersätteln und jahrhundertealter Tradition sind sie fixer Teil des Betriebs – un­ aufgeregt, unübersehbar und die Stars jeder Führung. Auf Samtpfoten über die Grenzen Wiens hinaus Im vierten Bezirk wiederum wird Wien gemütlich. Baby, eine weißgefleckte Katze aus dem Ge­ meindebau, kennt jedes Fleckerl im Karolinen­ viertel. Sie klettert auf Bäume, sitzt auf den Schultern ihrer Menschen – im Café oder am Markt – und wird im Grätzel längst als Per­ Aus Hernals in die Welt: „Adventure Cats“ Ally und Malou. La vie en rose: Kater Kara schmückt „Blumen Tatli“ und Besitzerin Gülsen in Liesing. Die Mäusejäger aus dem Tiergarten Schön­ brunn: Pflegerin Jenny mit Frida und Pablo im Elefantenhaus. Kennen die Wieden wie ihre Westen­ tasche: Jenny, Max und ihr „Baby“. Leben mit den Lipizzanern: Leopold und Maximilian, Stallmeister Andreas mit Gisela (re.). sönlichkeit wahrgenommen. Und in Hernals öffnet sich schließlich der Horizont: Ally und Malou, zwei sogenannte „Adventure Cats“, erkunden mit ihren Menschen nicht nur Wien, sondern ganz Österreich und darüber hinaus Europa. Möglich wird das durch das BesitzerEhepaar, das sie von Anfang an geduldig an Geschirr, Transport und fremde Umgebungen gewöhnt hat. Geübt wird im Schwarzenbergpark: Die Bengalen balancieren über Mauern, verschwinden in Gebüschen und beobachten das Geschehen vom Baum aus. Sie stehen für eine neue Art des Zusammenlebens – eine, in der Tiere nicht nur Teil des Haushalts sind, sondern Mitreisende. Was alle im Buch be­ schriebenen Miezen eint, ist mehr als ihr Revier. Sie kennen keine Grenzen – weder soziale noch geografische. Sie bewegen sich zwischen Hofburg und Hinterhof, zwischen Arbeit und Alltag. Viel­ leicht ist das ihr Geheimnis und vielleicht auch das von Wien, einer Stadt, die sich am besten er­ schließt, wenn man die gewohnten Pfade verlässt. • 52 Fotos: Leander Höfler, Cover: styriabooks Namenlose Legende: die Gleiskatze vom Verschub­ bahnhof Kledering. 53

RkJQdWJsaXNoZXIy NTk5ODUz