ÖBB Geschäftsbericht 2025 – Gesamtbericht
Zug um Zug in die Zukunft 28 Besonders anspruchsvoll ist die Situ- ation im Güterverkehr. Hier steht die ÖBB Rail Cargo Group (RCG) nicht nur im Wettbewerb mit anderen Bahnlogistikern, sondern vor allem auch mit dem Straßen- güterverkehr. Gleichzeitig befindet sich die Industrie in weiten Teilen Europas seit 2023 in einer konjunkturellen Schwäche- phase – mit unmittelbaren Folgen für die Nachfrage nach Transportleistungen auf der Schiene. Folglich hat sich der Wettbewerb zwischen den Logistikunter- nehmen in den letzten Jahren sukzessive verschärft, da in einem schrumpfenden Markt mehr Anbieter um geringere Trans- portvolumina konkurrieren. Zusätzlichen Druck hat die Entwicklung der Energie- preise und die intensive Bautätigkeit an der Bahninfrastruktur in Europa gebracht. Darüber hinaus bestehen struk- turelle Unterschiede zwischen den Verkehrsträgern, die den Wettbewerb zusätzlich beeinflussen. Während Bahn- unternehmen vergleichsweise hohe Infrastrukturentgelte bezahlen und häufig mit unterschiedlichen technischen und regulatorischen Vorgaben in den europäischen Ländern arbeiten müssen, sind grenzüberschreitende Transporte auf der Straße in ihrer Herstellung erheb- lich einfacher organisiert. Hinzu kommt, dass der Lkw-Verkehr nicht für die ex- ternen Aufwände wie Stau- oder Unfall kosten, die er verursacht, aufkommt. Trendumkehr mit Phoenix Diese Rahmenbedingungen tragen dazu bei, dass der Wettbewerb zwischen Stra- ße und Schiene in vielen Bereichen be- sonders intensiv ist – mit entsprechenden Auswirkungen auf das Ergebnis 2025. Be- lastend wirkten vor allem Entwicklungen im Agrarbereich: Insbesondere veränderte internationale Handelsströme führten dort zu einem deutlichen Rückgang der nachgefragten Transporte. Die schmerz- haften Folgen: Die Rail Cargo Group hat 2025 ihr Ergebnis deutlich verfehlt. Als strategische Antwort auf die schwierige Marktsituation im europäi- schen Güterverkehr hat die RCG in ihrem Programm „Phoenix“ zehn Arbeitspakete definiert, die unterschiedliche Bereiche der Organisation – sowohl national als auch international – betreffen. Ein marktseitiger Schwerpunkt liegt auf der Überprüfung des aktuel- len Produktportfolios. Im momentanen Wettbewerbsumfeld mit der Straße nicht profitabel betreibbare Verbindungen werden eingestellt oder neu organisiert, während erfolgreiche Relationen weiter- entwickelt werden. Aufwandsseitig ist unter anderem eine Optimierung der Zukaufleistungen erforderlich. So können etwa Transport- leistungen, die in Kooperation mit Part- nerunternehmen erfolgen, aufgrund der derzeitigen Mengenentwicklung interna- lisiert und wieder im Unternehmen selbst durchgeführt werden. Vergleichbares gilt auch für IT-Entwicklungsleistungen. Durch eine Neuaufstellung der Organisa- tion soll ein Angebot von Leistungen mit hoher Qualität und gleichzeitig wettbe- werbsfähigen Kosten möglich sein. Innovation und Digitalisierung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Moderne IT-Systeme erlauben eine genauere Kon- Rail Cargo Group besonders gefordert INTENSIVER WETTBEWERB. Im Güterverkehr treten die ÖBB gegen andere Bahnlogistiker an und müssen sich auch gegenüber der Straße behaupten
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