ÖBB Geschäftsbericht 2025 – Gesamtbericht
Konzernlagebericht 46 Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft Konzernabschluss | Konzernlagebericht 3 Allerdings dürfte die Inflation in den USA als Folge der Zölle ab kommendem Jahr steigen, womit sich insbesondere die Perspektive für die Nachfrage und damit verbunden die europäische Außenwirtschaft weiter verschlechtern könnte. 6 Das Wachstum in Europa erfolgte 2025 entlang zweier unterschiedlicher Pfade. Während die großen Volkswirtschaften der Eurozone – Deutschland, Frankreich und Italien – eher stagnierten, verlief die Entwicklung vor allem in Osteuropa deutlich dynamischer. Insgesamt legte das EU-weite BIP um 1,4 %, jenes der Eurozone um 1,3 % zu. Das Wachstum der Eurozone war angesichts der Konjunkturschwäche in den Kernländern insbesondere durch das überproportionale Wachstum Irlands getrieben. 7 Hier schlagen vor allem Direktinvestitionen US-amerikanischer Technologie- und Pharmakonzerne zu Buche, die Irland weiterhin als Hub in die EU nutzen. Die europäische Industrie konnte im Jahr 2025 nach Überwindung der Energie- und Lieferkettenkrise erneut über keine positiven Impulse von außen bauen. Die US-Zollpolitik führt neben einer Verteuerung europäischer Produkte für den US- Markt auch zu einem verschärften Wettbewerb mit China. Wie schon in der ersten Regierungsperiode unter Trump lenkt China seine Überschüsse, insbesondere an Stahl, in Teilen wieder in die EU. Die EU hat entsprechend mit Einfuhrzöllen auf chinesische Waren, insbesondere Elektroautos und Stahl reagiert, mit dem Ziel, einem möglichen Stahlpreisverfall wie im Jahr 2019 entgegenzuwirken. 8 Gleichzeitig leiden die europäische Wirtschaft und Industrie weiterhin unter Strukturproblemen. Dazu zählen vor allem ein Mangel an Innovationen sowie hohe Kosten und Abhängigkeiten bei zentralen Technologien und Rohstoffen. Diese lassen sich nicht auf einen Schlag mit Fördermitteln lösen, wie die jüngsten Beispiele teurer Fehlallokationen bei Technologien von Batterien und Photovoltaik bis hin zu Elektrofahrzeugen zeigen. Entwicklung von Containerumschlag und Inflation Containerumschlag großer Seehäfen Inflation RWI-ISL-Index 2015 = 100 monatlich in % im Vergleich zu Vorjahresmonat Quellen: RWI (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung) / ISL (Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik), Eurostat. Als Folge der Wachstumsschwäche Europas und der „America-First“-Haltung der USA bahnt sich unaufhaltsam eine neue Weltordnung an. China entkoppelt sich zunehmend vom Westen, indem es auf neue Absatzmärkte in Asien und industrielle Eigenständigkeit setzt. Dies reduziert einerseits den Bedarf an Technologieimporten und damit auch Handelspotenziale für europäische Unternehmen. Anderseits macht der Shift in der Absatzstrategie weg von Konsumgütern hin zu höherwertigen Vorleistungsgütern chinesische Produkte in vielen Lieferketten unverzichtbar. 9 Der Ausblick auf das Jahr 2026 ist daher aus EU-Sicht weiterhin verhalten. Insbesondere die US-Zollpolitik und die zunehmend aggressive US-Außenpolitik sowie die allgemeine geopolitische Unsicherheit bedeuten ein stetes Damoklesschwert. Positive konjunkturelle Impulse könnten hingegen – sofern vorläufig angewendet – vom Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten kommen, das zum Jahresbeginn 2026 nach jahrelangen Verhandlungen vom EU-Rat beschlossen wurde, sowie von der expansiven Aufrüstungspolitik in Europa. 10 6 IHS. 7 Europäische Kommission. 8 Handelsblatt. 9 ZDF; Fokus. 10 Orf.at, Profil, Europäische Kommission. 90 100 110 120 130 140 150 160 2023 2024 2025 Gesamt Häfen ohne China Chinesische Häfen europ. Nordhäfen 0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% 2023 2024 2025 Österreich Eurozone | LB3
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