ÖBB Geschäftsbericht 2025 – Gesamtbericht

47 Konzern- lagebericht Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft Konzernabschluss | Konzernlagebericht 4 Kapitalmärkte und Staatshaushalt Die Konjunkturflaute sowie die Folgen der expansiven Fiskalpolitik der vergangenen Jahre bringen das Budget der öffentlichen Hand unter Druck. Das österreichische Budgetdefizit betrug 2025 4,6 %, die Staatsverschuldung stieg auf 81,8% des BIP. 11 Jedenfalls bis 2027 dürfte das Defizit um die 4 % und damit jenseits der 3 %-Marke der EU- Stabilitätskriterien liegen. Seit 2016 werden die erforderlichen Finanzmittel für die Infrastrukturinvestitionen der ÖBB- Infrastruktur AG durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) auf dem Kapitalmarkt aufgenommen. Die Finanzierungskosten sind daher durch das Zinsniveau von Bundesanleihen bestimmt. 2025 brachte keine Veränderung des europäischen Zinsumfeldes, die EZB hielt den Leitzins über das Gesamtjahr stabil bei 2,15 %. Entsprechend hat sich auch die umlaufgewichtete Durchschnittsrendite der österreichischen Bundesanleihen kaum verändert. Diese lag mit 2,8 % im Bereich des Vorjahres. Die Bonität Österreichs bleibt zwar weiterhin hoch. Angesichts der angespannten Budgetlage haben jedoch mehrere Ratingagenturen ihren Ausblick auf „Negativ“ gesenkt. 12 Politische und regulatorische Rahmenbedingungen Die ÖBB analysieren laufend die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um für das Unternehmen relevante Entwicklungen zu identifizieren und mitzugestalten. Die Anliegen der ÖBB werden in Form von Positionspapieren und Factsheets an Stakeholder herangetragen und transparent im Intranet dargestellt. Die diesbezügkichen Aktivitäten werden entsprechend der Konzernrichtlinie regelmäßig an Vorstands- und Aufsichtsratsgremien berichtet. Themenmanagement und Agenda Setting auf nationaler Ebene Im Geschäftsjahr 2025 haben sich die ÖBB zunächst im Rahmen der Regierungsverhandlungen intensiv für die Sicherung der Finanzierung des Infrastrukturausbaus, für den Beschluss des nächsten Infrastrukturausbauplans „Zielnetz 2040“ sowie für bessere Rahmenbedingungen für den Schienengüterverkehr eingesetzt. Dieser hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr insbesondere durch die Industrierezession mit starkem Mengenrückgang zu kämpfen. Zudem ist der Schienengüterverkehr im Wettbewerb mit dem Lkw-Transport wirtschaftlich unter hohen Druck geraten. Mit dem Bundesbudget 2025 / 2026 wurde die finanzielle Grundlage für Ausbau und Erhalt der Bahninfrastruktur ebenso wie für bestehende Beihilfen für den Schienengüterverkehr sichergestellt. Zusätzlich konnte die volle Umsetzung des Abfallwirtschaftsgesetzes hinsichtlich Verlagerung von Abfalltransporten auf die Schiene gesichert werden. Des Weiteren konnte die Abschöpfung von öffentlichen Förderungen für den Schienengüterverkehr durch interne Verbesserungsmaßnahmen bei der Datenqualität 2025 effizienter gestaltet werden. Die Themen „Krisenresilienz“, „Sicherheit“ und „militärische Mobilität“ haben 2025 auf nationaler wie auch auf europäischer Ebene stark an politischer Bedeutung gewonnen. Als wesentlicher Teil der kritischen Infrastruktur des Landes haben sich die ÖBB in Österreich dementsprechend in die Mitgestaltung der Gesetzgebung zu Resilienz kritischer Infrastrukturen und NIS 2 eingebracht. Dafür haben die ÖBB den Dialog mit Bundes- und EU-Stakeholdern über den möglichen Beitrag des Bahnsystems zur Sicherung der militärischen Mobilität in Österreich und Europa aufgenommen. Einen weiteren Schwerpunkt in der Vertretung von ÖBB Interessen bildete die Umsetzung von EU-Richtlinien auf nationaler Ebene, insbesondere zu den Themen „Energieeffizienz“, „Gebäudesanierung“ und „Nature Restoration“. Weiter forciert wurde der Einsatz für Bürokratieabbau und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren (Hochleistungsstreckengesetz, Allgemeines Verwaltungsverfahrensgesetz, Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz) sowie für die Modernisierung des Eisenbahnrechts (Eisenbahngesetz, Eisenbahnkreuzungsverordnung). Ab Februar 2026 stehen mehrjährige Totalsperren von wesentlichen Schienenkorridoren in Deutschland zur Generalsanierung des DB-Schienennetzes bevor. In Vorbereitung darauf wurden ab März 2025 gemeinsam mit Sozialpartnern ein breiter Dialog mit Industrie, Medien und Stakeholdern gestartet. Dazu wurden Dialogveranstaltungen in Oberösterreich, Salzburg und Niederösterreich sowie auf Bundesebene durchgeführt. Die ÖBB forcieren seit einigen Jahren den Ausbau von erneuerbaren Energieanlagen zur Bahnstromerzeugung, um die Resilienz des Bahnsystems zu stärken und die Abhängigkeit vom Strommarkt zu reduzieren. Zur Unterstützung dieses Ziels bringen sich die ÖBB laufend aktiv bei der Mitgestaltung der relevanten Gesetzgebung ein. Im Jahr 2025 umfasste das insbesondere das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) und das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG). Beide Gesetze betreffen sowohl Genehmigungsverfahren für den Energieanlagenausbau als auch die Leistbarkeit von Strom, wobei bisher nur das Elektrizitätswirtschaftsgesetz mit Parlamentsbeschluss im Dezember 2025 abgeschlossen wurde. 11 WIFO. 12 OeBFA. LB4 |

RkJQdWJsaXNoZXIy NTk5ODUz