ÖBB Geschäftsbericht 2025 – Gesamtbericht
Konzernlagebericht 48 Österreichische Bundesbahnen-Holding Aktiengesellschaft Konzernabschluss | Konzernlagebericht 5 Mitgliedschaften Wie alle Unternehmen in Österreich sind auch die ÖBB zur Mitgliedschaft in der Wirtschaftskammer verpflichtet. Darüber hinaus bestehen freiwillige Mitgliedschaften in Interessenvertretungen und Fachorganisationen auf österreichischer wie internationaler Ebene. Dazu zählen beispielsweise die Industriellenvereinigung, der Verband der Öffentlichen Wirtschaft und Gemeinwirtschaft Österreichs (VÖWG), die Zukunftsoffensive Verkehr und Infrastruktur (ZOVI) sowie die Gemeinschaft der Europäischen Bahnen (CER) und der Welt-Eisenbahnverband UIC. Alle Mitgliedschaften sind in einer konzerninternen Datenbank einsehbar. Neue Mitgliedschaften durchlaufen einen Screening-Prozess (Kartellrecht, Compliance Prüfung, Risikoeinschätzung etc.) und müssen ausnahmslos vom jeweils zuständigen Vorstand beschlossen werden. Themenmanagement auf internationaler Ebene Die europapolitische Arbeit der ÖBB stand bis Ende 2025 im Zeichen der Vorsitzführung von CEO Andreas Matthä im Europäischen Bahnverband CER. Seine drei Mandatsperioden als Vorsitzender im Zeitraum von 2020 bis 2025 waren durch folgende Schwerpunktsetzung geprägt. Im Fokus standen die Infrastrukturfinanzierung und das europäische Korridormanagement sowie die Forderung nach fairem Wettbewerb zwischen Güterverkehr auf Schiene und Straße. Teil des Themenbouquets war auch der Einsatz für Förderung und mehr europäische Harmonisierung bei digitalen Schlüsseltechnologien wie dem Europäischen Eisenbahnverkehrsmanagementsystem ERTMS, dem digitalen Kapazitätsmanagement (DCM) und der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK). Nach Ende seiner – bereits auf einer Ausnahme beruhenden – dritten Amtsperiode übergab Andreas Matthä im Dezember 2025 den CER-Vorsitz an seinen Nachfolger Alain Beroud, CEO der Polnischen Staatsbahn PKP. In einigen Bereichen konnten durch starke Positionierung von Anliegen des Bahnsektors wesentliche Verbesserungen in europäischen Rechtsmaterien erreicht werden. Dies betrifft insbesondere die Europäischen Passagierrechte und die Kapazitätsverordnung. Mit dieser soll das künftige Kapazitäts- und Verkehrsmanagement der Infrastrukturbetreiber auf den europäischen Korridoren grenzüberschreitend und deutlich effizienter gestaltet werden. Im Güterverkehr waren die prägenden Themen die Diskussion über die ausständigen neuen Leitlinien für staatliche Beihilfen für den Landverkehr und den multimodalen Verkehr. Ebenso thematisiert wurden die offene Überarbeitung der Richtlinien zum kombinierten Verkehr und zu höchstzulässigen Abmessungen und Gewichten von Straßenfahrzeugen. Der gesamte europäische Politikprozess war 2025 vor allem durch die Diskussion über den Umfang und die Schwerpunkte des mehrjährigen Finanzrahmens der EU für die Jahre 2028 bis 2034 geprägt. Der Beitrag der ÖBB zu dieser Diskussion bestand unter anderem in der Präsentation eines finanzpolitischen Essays von ÖBB CEO Andreas Matthä und dem Ökonomen Christian Helmenstein (Economica Institut) mit dem Titel „Wachstum auf Schiene bringen. Europäische Bahninfrastruktur als Strategische Investition“ im Europäischen Parlament. Im Juli 2025 präsentierte die EU-Kommission schließlich ihren Vorschlag für den künftigen mehrjährigen Finanzrahmen mit einem deutlichen Schwerpunkt auf dem Bereich der umfassenden Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit Europas. Unter dem Aspekt der Krisenresilienz und der militärischen Mobilität wurde auch besonderes Augenmerk auf Investitionsprogramme und Fördermöglichkeiten für das europäische Bahnsystem und insbesondere grenzüberschreitende Bahninfrastrukturprojekte gelegt. Das ist als wesentlicher Lobbying-Erfolg des CER im Rahmen des Planungsprozesses für den Finanzrahmen zu sehen. Neben dem Einsatz für positive europarechtliche Rahmenbedingungen setzten die ÖBB im internationalen Bereich ihr Engagement für die Optimierung des internationalen Schienengüterverkehrs zwischen Europa und Asien fort. Der Dialog mit Stakeholdern im Bereich der Infrastruktur, Verkehrspolitik und Industrie in den Ländern entlang des sogenannten Mittelkorridors (Trans-Caspian International Transport Route – TITR) von China über Kasachstan und Aserbeidschan in die Türkei wurde fortgesetzt. Insbesondere die Zusammenarbeit mit der Staatsbahn (KTZ) und verkehrspolitischen Stakeholdern in Kasachstan wurde ausgebaut und vertieft. So wurden beispielsweise wechselseitige hochrangige Delegationsbesuche sowie mehrere ÖBB-interne Workshops und Schulungen für Expert:innendelegationen der KTZ zu Arbeitssicherheit (Safety) und Betriebsführungsfragen durchgeführt. Zusätzlich vertieft wurde auch die bestehende langjährige Zusammenarbeit mit der ukrainischen Staatsbahn Ukrzaliznytsia (UZ). Anfang April 2025 fand ein Delegationsbesuch von ÖBB CEO Matthä in Kyiv statt. Weiters wurde im Rahmen eines Kooperationsprojekts von Weltbank, BMF und ÖBB ein Workshop- und Schulungsprogramms für ukrainisches Bahnpersonal entwickelt. | LB5
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