ÖBB Geschäftsbericht 2024 – Magazin
17 Für ein stabiles Morgen unter Wasser. Zusätzlich drang Wasser von den angrenzenden Grundstücken in die Tunnel ein. Das Entwässerungssystem, ob- wohl größer dimensioniert als bei Straßen und sogar Autobahnen, konnte diese Mengen nicht mehr bewältigen. Doch nicht nur das Tullnerfeld war betroffen. Im Be- reich des Lainzer Tunnels und des Knotens Hadersdorf verursach- te der über die Ufer getretene Wienfluss weitere Schäden. Damit war klar, dass auf der neuen Weststrecke bis auf Wei- teres nichts mehr geht. Eine bis dahin unvorstellbare Katastrophe. Der Ersatzverkehr setzt ein Doch die enormen Anstrengungen und die gute Zusammenarbeit aller Be- teiligten innerhalb und außerhalb der ÖBB machten das Unmögliche möglich: Bereits am 18. September konnte die „alte“ Weststrecke, die ebenfalls stark vom Unwetter betroffen war, durch den Wienerwald wieder eingleisig befahren werden. Auch das Notfahrprogramm mit Bussen und zwei Sonderzügen über Selzthal auf der Strecke Wien – Linz konnte aufrechterhalten werden. Dennoch kam es zu Engpässen im Angebot, und den Fahrgästen wurde viel Geduld abverlangt. Eine erste Erleichte- rung brachte der 10. Oktober, als mit der Wieder- eröffnung des zweiten Gleises auf der alten Weststrecke die Kapazi- tät auf rund 300 Züge pro Tag erhöht werden konnte. Güterverkehr bleibt eingeschränkt Massiv eingeschränkt blieb weiterhin der Güterverkehr. Aufgrund der extremen Witterungsverhältnisse waren wichtige Strecken nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen Ländern wie Polen, Tschechien, Rumänien und Ungarn nicht befahrbar. Die Rail Cargo Group (RCG) musste daher in den ersten Tagen europaweit mehr als 1.000 Züge strei- chen. Ende September konnte durch die Nutzung der Tullnerfelderbahn als reine Güterzugverbindung das Angebot der RCG wieder auf zumindest 75 Prozent des regulären Volumens ausgeweitet werden. Der uneingeschränkte Güterver- kehr wurde erst am 15. Dezember mit der durchgehenden Wiederinbetriebnah- me der neuen Weststrecke erreicht. Der Wiederaufbau beginnt Dass nur drei Monate nach der Katast- rophe tatsächlich wieder ein Vollbetrieb auf der neuen Weststrecke möglich sein würde, schien Mitte September noch völlig undenkbar. Denn um die Schäden überhaupt begutachten zu können, mussten unzählige Kubikmeter Wasser abgepumpt werden. Eine Sisyphus- arbeit, denn kaum war man fertig, drang neues Wasser nach. Auch Unmengen an Schlamm mussten so schnell wie möglich entfernt werden, um zu verhindern, dass dieser trocknet und hart wie Beton wird. Chronologie der Ereignisse 12.09. Die ÖBB sprechen eine wetterbedingte Reise- warnung aus 13.09. Das Italientief „Anett“ trifft Österreich mit voller Wucht 15.09. Ein Dammbruch führt zur Überflutung des Tullnerfelds 17.09. Der Regen hat aufge- hört, die ersten Züge fahren wieder 23.09. Der Schaden an der Weststrecke kann begutachtet werden 10.10. Die alte Weststrecke ist wieder zweigleisig befahrbar 15.12 . Die neue Weststrecke kehrt in den Vollbetrieb zurück > KATASTROPHENGEBIET. Am stärksten betroffen war das Tullnerfeld in Niederösterreich und der Atzenbrugger Tunnel
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