F&E-Jahresbericht 2024 – ÖBB-Infrastruktur AG

37 „Wer klimafreundlich reisen möchte, nutzt die Bahn“ – so oder so ähnlich wird für die Bahn als Verkehrsmittel der ersten Wahl argumentiert. Während dies beim täglichen Bahnbetrieb durch Studien sehr ausführlich belegt ist, führen Kritiker:innen den Bau der Bahn­ infrastruktur als Kritikpunkt in der Gesamtbilanz der Klimawirksamkeit an. In den letzten Jahren haben die ÖBB in Zusammen­ arbeit mit SCHIGmbh und BMK intensiv an der Bemes­ sung der Klimawirksamkeit von Bahninfrastrukturprojek­ ten in Relation zur Nutzungsphase gearbeitet und diese Erkenntnisse in der Zielnetz-2040-Projektbewertung gebündelt. Künftige Projekte werden nun immer auch auf ihre Klimawirksamkeit bewertet. Die ÖBB-Infrastruk­ tur AG setzt sich damit auseinander und reduziert ihre Treibhausgasemissionen im Betrieb und beim Bau in den nächsten Jahren weiter. Dazu gehören Streckenelektrifi­ zierungen, der Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen, Elek­ trifizierungen im Straßen- und Schienenfuhrpark und die Senkung der Treibhausgasemissionen bei der Errichtung von Schieneninfrastruktur. Die F&E-Strategie trägt in ihrer Gesamtheit zur Op­ timierung des Systems Bahn und somit zum Klimaschutz bei. Bei der „Emissionsreduktion und Klimaresilienz der Bahninfrastruktur“ wird ein besonderer Fokus auf die Herabsetzung der Treibhausgasemissionen beim Bau, die Sicherstellung der Klimaresilienz, die weitere Reduktion von Schallemissionen sowie die Ökologisierung der Bahn gelegt, um auch zukünftig klimafreundliche Mobilität anbieten zu können. Um den Weg hin zum Ziel Netto-Null-Treibhausgasemissio­ nen (Klimaneutralität) auszuleuchten, wurde für Österreich ein volkswirtschaftliches Modell mit einem europäischen örtlich und zeitlich disaggregierten Energiemodell ge­ koppelt. Darin wurden am Wegener Center über die Wirtschaftssektoren hinweg konsistente wirtschaftliche Entwicklungs- und Energieszenarien gestaltet und die Schlussfolgerungen unter anderem im zweiten Österrei­ chischen Sachstandsbericht Klimawandel im Juni 2025 veröffentlicht. Daraus wird ersichtlich, dass die Energie­ nachfragereduktion zentral ist, um die Gesamtenergie­ nachfrage begrenzt und plausibel aus erneuerbaren Quel­ len abdeckbar zu halten. Dies kann durch die Kombination mehrerer Strategien erreicht werden, wozu Kreislaufwirt­ schaftsansätze (etwa stark erhöhter Schrotteinsatz in der Stahlproduktion) ebenso gehören wie ein effizienteres Verkehrssystem (mit verkehrssparender Raumordnung und einer wesentlich größeren Rolle des öffentlichen Verkehrs). Vor allem im aktuellen und im kommenden Jahrzehnt – wenn hohe Importverfügbarkeiten etwa von Wasserstoff (noch) nicht gegeben sein werden – sind solche Strategien unabdingbar, um Österreich als Standort für die energiein­ tensive Industrie zu halten. Die Umstellung auf klimaneutrale Baustoffe für War­ tung und Ausbau der Infrastruktur ist für eine klimaresili­ ente Wirtschaft ebenso zentral wie die Ausrichtung dieser Infrastruktur an den lokalen Klimaszenarien zum Ende dieses Jahrhunderts. Letztere zeigen die Zunahme von Extremereignissen in Österreich und auch neue Hotspots. So wird etwa Innsbruck hinsichtlich Tagesmaxima ein Hit­ zehotspot, wenn auch zunächst noch mit mehr Nachtab­ kühlung als an anderen österreichischen Standorten. »Die Umstellung auf klimaneutrale Baustoffe ist für eine klimaresiliente Wirtschaft zentral.« UNIV.-PROF. DR. KARL STEININGER, Leiter des Wegener Centers für Klima und Globalen Wandel, Universität Graz »Künftige Projekte werden immer auch auf ihre Klimawirksamkeit bewertet.« PIA KRANAWETTER, Stabstellenleiterin Kommunikation, ÖBB-Infrastruktur AG Bahnmobilität = Grüne Mobilität? KLIMAWIRKSAMKEIT. Die Reduktion von Schall- und Treibhausgasemissionen beim Bau und im Betrieb stehen im Fokus. Integrierte Modellierung KONSISTENT UND SEKTORAL. Die integrierte Modellierung der Emissionsminderung und die Klimaanpassung bilden das Fundament für klimaresiliente Politik und Entwicklung.

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