F&E-Jahresbericht 2024 – ÖBB-Infrastruktur AG

ÖBB-Infrastruktur AG / F&E-Bericht 2024 46 Topinitiativen G emeinsam mit der Europäischen Union haben die ÖBB und 24 führende europäische Partner (Bahnen, Industrieunternehmen und Forschungseinrichtungen) „Europe’s Rail Joint Undertaking“ (ERJU) initiiert. Als Nachfolgeprogramm des erfolgreichen „Shift2Rail“ verfolgt das ERJU das Ziel, den europäischen Schienenverkehr durch umfangreiche Forschungs- und Entwick­ lungsaktivitäten grundlegend zu moderni­ sieren. Dabei steht die Erarbeitung inter­ operabler und standardisierter Lösungen im Mittelpunkt, um so einen einheitlichen europäischen Eisenbahnraum zu etablie­ ren. Das ERJU setzt darüber hinaus Im­ pulse, den grünen und digitalen Wandel voranzutreiben und die Bahn in ein noch nachhaltigeres und leistungsfähigeres Verkehrsmittel zu transformieren. Technologien erproben Die seit Anfang 2023 laufenden Aktivitä­ ten konzentrieren sich vor allem auf die Entwicklung von Prototypen zu unter­ schiedlichen thematischen Schwerpunk­ ten. Grundlage bilden immer gemeinsam durchgeführte Anforderungsanalysen und darauf aufbauende detaillierte Systemspezifikationen. Die Ergebnisse sind wichtiger Baustein für die ab 2027 folgende zweite Phase. Diese fokussiert sich auf die Realisierung von Demonstra­ toren zur Erprobung der Prototypen und Spezifikationen in realitätsnaher Umge­ bung. Die ÖBB-Infrastruktur AG ist in der ersten Phase an vier Projekten des ERJU als Partnerin beteiligt: Im Projekt „MOTIONAL“ ( siehe Seite 22) liegt das Augenmerk auf der Entwicklung und Demonstration eines KI-basierten Systems zur Konflik­ terkennung und -lösung im Traffic- Management. Im Projekt „R2DATO“ (siehe Seite 23) lliegt der Fokus nach erfolgreichem Abschluss der Spezifikationsphase auf der Entwicklung des ETCS-Moving- Block-Systems und dessen Demons­ tration. Das Projekt „TRANS4M-R“ ( siehe Seite 26) befasst sich mit der Auto­ matisierung aller Verschubprozesse – also der Wagensortierung, dem Verschub selbst und der Zugbildung. Dabei werden alle Potenziale zur Voll­ automatisierung der Verschubknoten betrachtet. Im Projekt „FutuRe“ ( siehe Seite 54) arbeitet die ÖBB-Infrastruktur AG an innovativen Lösungen zu energieau­ tarken und kabellosen Eisenbahnkreu­ zungen und Weichen für regionale Bahnstrecken. Weiterer Schwerpunkt sind Smart-Wayside-Object-Controller (SWOC), die charakterisiert sind durch Datenerfassung und -verarbeitung („Edge Computing“) direkt am Asset. Moving-Block – technisch machbar und sinnvoll? Die ÖBB-Infrastruktur AG will im Rahmen der ab 2027 startenden zweiten Phase einen zukunftsweisenden Schritt setzen. Erstmals sollen Innovationen zu ERTMS aus MOTIONAL, R2DATO und FutuRe systemisch zusammengeführt und in realer Einsatzumgebung im Netz der ÖBB-Infrastruktur AG getestet werden. Betrachtete Komponenten sind das Zugsicherungssystem ETCS-Moving- Block MBS, das zukünftige 5G-basierte Kommunikationssystem der Bahnen in Europa FRMCS sowie der automatisierte Fahrbetrieb ATO. Die Kommunikation erfolgt dabei ausschließlich via Funk, und zwar zwischen ATO-Trackside und ATO-Onboard-Unit ( 1 1 ), dem Moving-Block-System (Trackside) und der ETCS-Onboard-Unit ( 2 2 ) sowie Moving-Block-System und Eisenbahn­ kreuzung bzw. Weiche via Smart-Way­ side-Object-Controller ( 3 3 ). Geplant ist die Umsetzung eines umfangreichen Testkonzepts im Gesäuse auf der Strecke zwischen Hieflau und TOPINITIATIVE. Die zweite Projektphase widmet sich der Entwicklung von Prototypen sowie integrierter Demonstratoren, um Technologien in realitätsnaher Umgebung zu erproben. ERJU-DEMONSTRATOR IN DER ÖBB-WELT. Die Integ­ TMS.......Traffic Management System DR .........Digital Register PE..........Plan Execution MBS ......Moving Block System ATO-TS..Automatic Train Operation Trackside SWOC....Smart Wayside Object Controller EK .........Eisenbahnkreuzung W .........Weiche DB 776 - 3022 St. Valentin – Thörl Maglern ERJU modernisiert euro­ päischen Schienenverkehr

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