Nachhaltigkeitsbericht 2024 – ÖBB-Infrastruktur AG
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft NB 16 ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss 45 Bereits 2023 wurde mit der Durchführung der doppelten Wesentlichkeitsanalyse gemäß ESRS begonnen und ein abteilungsübergreifendes Kernteam gebildet. Als Teil des Kernteams war das Risikomanagement der ÖBB Infrastruktur AG intensiv im Prozess eingebunden. Die Verwaltungs-, Leitungs- und Aufsichtsorgane wurden im Vorfeld umfassend über das Projekt und die einzelnen Prozessschritte informiert. Die erstmalige Durchführung stellte einen wichtigen Meilenstein zur weiteren Ausrichtung der Nachhaltigkeitsthemen dar. In einem ersten Schritt wurde ein gemeinsames Verständnis innerhalb des Kernteams über die ESRS-Grundlagen und konkreter Anforderungen geschaffen. Um einen ersten Überblick der Datenlage zu erlangen, wurde eine GAP-Analyse unter Sichtung bestehender Unterlagen durchgeführt. Zur Ermittlung der Auswirkungen, Risiken und Chancen wurde eine Kombination aus Bottom-up- und Top-down-Ansatz gewählt und ein Befragungstool aufgesetzt. Das Befragungstool wurde den Fachexpert:innen der jeweiligen Organisationseinheiten und deren Führungskräften vorgestellt und anhand von konkreten Beispielen erörtert. Im ersten Schritt haben die Fachexpert:innen im Befragungstool die grundlegenden Tätigkeiten der eigenen Organisationseinheit definiert und anhand dieser die tatsächlichen und potenziellen Auswirkungen, Risiken und Chancen innerhalb der Nachhaltigkeitsaspekte in Abstimmung mit den Führungskräften ermittelt und bewertet. Für die Bewertung wurden je nach Möglichkeit auf bestehende Datenquellen zurückgegriffen, rechtliche und regulatorische Vorgaben berücksichtigt und externe Quellen einbezogen. Die Auswirkungen, Risiken und Chancen wurden im Anschluss mit den Inhalten der EU-Taxonomie gemappt, um möglichen Unstimmigkeiten vorzubeugen und bei Bedarf Ergänzungen in der doppelten Wesentlichkeitsanalyse aufzunehmen. Zudem wurden die Inhalte der ÖBB Infrastruktur-Konzern Prozesslandkarte zugeordnet, um eine gleichnamige Flughöhe bei den formulierten Auswirkungen, Risiken und Chancen zu erlangen. Es haben sich in diesem Zuge keine spezifischen Tätigkeiten, Geschäftsbeziehungen oder geografische Gegebenheiten ergeben, die zu speziellen nachteiligen Auswirkungen führen. Aufgrund der spezifischen Anforderungen der finanziellen Wesentlichkeit wurde eine zusätzliche Recherche durchgeführt, um ein besseres Verständnis über mögliche Risiken und Chancen zu erlangen. In diesem Zusammenhang wurde für einzelne ESRS-Standards die Unterscheidung der Risiken nach Übergangsrisiken, physischen und systemischen Risiken berücksichtigt. Anhand der Erkenntnisse aus der Recherche wurden die von den Fachexpert:innen gemeldeten Risiken und Chancen analysiert und nachgeschärft. Zudem erfolgte ein Abgleich mit den bestehenden Risiken und Chancen aus dem Risikomanagement. In einem mehrstufigen Prozess wurden die ermittelten Ergebnisse im Kernteam evaluiert und plausibilisiert. Im Bedarfsfall wurde für einzelne Auswirkungen eine zusätzliche wissenschaftliche Recherche unter Einbezug von externen Quellen zur Plausibilisierung der Bewertung durchgeführt und erneut mit Fachexpert:innen und den jeweiligen Führungskräften abgestimmt. Die Zwischenergebnisse wurden den Führungskräften in regelmäßigen Abständen präsentiert und nach Bedarf diskutiert. Die intern als wesentlich ermittelten Chancen und Risiken wurden zusätzlich erneut mit dem bestehenden Risikomanagement abgeglichen. Eine wesentliche Unterscheidung der Priorisierung zwischen Nachhaltigkeitsrisiken und anderen Arten von Risiken gibt es dabei grundsätzlich nicht. Während des Erhebungsprozesses wurden Erkenntnisse aus diversen Austauschrunden (u. a. mit anderen Unternehmen) mitberücksichtigt. Teil der Durchführung der doppelten Wesentlichkeitsanalyse ist die Stakeholder:innen-Einbindung, welche nach interner Identifizierung der wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen durchgeführt wurde. Für die Einbindung der Stakeholder:innen wurde die Durchführung von Expert:innen-Interviews beschlossen. Hierzu wurden die für den ÖBB Infrastruktur-Konzern relevanten Stakeholder:innengruppen entsprechend ihrer Relevanz für die Durchführung von Interviews priorisiert und Expert:innen zu den Interviews eingeladen. Als Vertretung für die Natur als stille Stakeholderin wurden spezifische Organisationen berücksichtigt und Interviews geführt. In diesem Zusammenhang wurden keine wesentlichen negativen Auswirkungen für betroffene Gemeinschaften in Bezug auf spezifische Standorte sowie Ökosystemdienstleistungen festgestellt. Zudem wurden die Interessen von betroffenen Gemeinschaften im Zusammenhang mit Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft durch unterschiedliche Stakeholder:innengruppen berücksichtigt. Besonders die in den Interviews geführten Diskussionen haben geholfen, ein besseres Verständnis über die Betrachtungsweisen verschiedener Stakeholder:innengruppen zu erlangen und die jeweiligen Argumentationen für die Einschätzungen zu erfahren. Die Ergebnisse der Stakeholder:innen-Interviews wurden analysiert und mit den internen Ergebnissen verglichen. Es hat sich gezeigt, dass die Außenwahrnehmung der Stakeholder:innen sich mit den internen Erhebungsergebnissen deckt. Nach Abschluss der Stakeholder:innen-Einbindung wurde das Ergebnis der doppelten Wesentlichkeitsanalyse von den Vorständ:innen des ÖBB Infrastruktur-Konzerns beschlossen und der Aufsichtsrat über das Ergebnis informiert. Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse wird zukünftig laufend weiterentwickelt sowie deren Ergebnisse evaluiert. 45
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