Nachhaltigkeitsbericht 2024 – ÖBB-Infrastruktur AG

ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft NB 18 ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss 47 Klimabedingte physische Risiken Die Evaluierung von kurzfristigen Risiken aus höherer Gewalt und Naturgefahren ist seit vielen Jahren im Risikomanagement des ÖBB Infrastruktur-Konzerns verankert. Im Geschäftsjahr 2022 wurde erstmals eine Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse für die Beurteilung von physischen Klimarisiken pro Geschäftstätigkeit (Schiene, Energie und Immobilien) durchgeführt. Die identifizierten wesentlichen physischen Klimarisiken wurden für kurz- (Berichtszeitraum des Abschlusses), mittel- (vom Ende des kurzfristigen Berichtszeitraums bis zu fünf Jahren) und langfristige (mehr als fünf Jahre) Zeithorizonte identifiziert. Die Analyse hat ergeben, dass Klimagefahren variieren können, je nachdem, welcher Zeithorizont betrachtet wird. Oft sind diese bereits kurz- und mittelfristig relevant, manchmal jedoch auch erst langfristig. Die Entwicklung einer Klimagefahr zu einem Klimarisiko ist nicht zwangsläufig gegeben. Im ersten Analyseschritt wurden gemäß Anlage A im Anhang I der Delegierten Verordnung (EU) 2021 / 2139 jene Klimagefahren ausgeschlossen, die aufgrund der geografischen Lage (fehlende Exposition) der ausgeübten Wirtschaftstätigkeit bzw. der Standorte der Vermögenswerte nicht zutreffen. Dazu zählt beispielsweise der Anstieg des Meeresspiegels. Im zweiten Analyseschritt wurde beurteilt, ob eine Klimagefahr zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Leistung der Wirtschaftstätigkeit bzw. der Vermögenswerte führen kann. Die Analyse erfolgte für die Geschäftsfelder Schiene, Energie und Immobilien. In diesem Zusammenhang sind nicht nur einzelne Klimagefahren, sondern bereits Wirkungsketten mehrerer Klimagefahren mitbetrachtet worden. Beispielsweise führen Trockenperioden und darauffolgende Starkregenereignisse zu einer erhöhten Gefahr durch Hangrutschungen und Murenabgängen. Nachdem die potenziell wesentlichen Klimagefahren identifiziert wurden, erfolgte im dritten Analyseschritt die Klimarisikoanalyse. Auf Basis der bestmöglichen österreichischen Klimaszenariendaten (ÖKS15) wurden für die nächsten Jahre (2030) die Klimadaten von 1991 bis 2020 evaluiert, für die Periode 2021 bis 2050 wurde die Bandbreite des Klimaszenarios RCP 8.5 aus den ÖKS15 Daten betrachtet. Das Klimaszenario RCP 8.5 ist ein Szenario, in dem weiterhin hohe Treibhausgasemissionen ausgestoßen werden. Expert:innen des ÖBB Infrakstruktur-Konzerns beurteilten die Stärke der negative Auswirkung sowie die Eintrittswahrscheinlichkeit dieser. Die Beurteilung der negativen Auswirkung wurde unter dem Gesichtspunkt der Exposition auf Standortebene und der Vulnerabilität der Wirtschaftstätigkeiten bzw. Vermögenswerte vorgenommen. Die potenziellen Klimarisiken ergeben sich aus der Eintrittswahrscheinlichkeit multipliziert mit der negativen Auswirkung. Die Bewertung der negativen Auswirkung erfolgte qualitativ auf Basis der konzerninternen Risikomanagementbewertungsskala. Aufgrund diverser Unsicherheiten (z. B. unzureichende Datenbasis) wurde auf eine quantitative Beurteilung verzichtet. Klimabedingte Übergangsrisiken und Chancen Im Geschäftsjahr 2024 wurden erstmals klimabedingte Übergangsrisiken und Chancen bewertet. In einem ersten Schritt wurden die im Zuge der doppelten Wesentlichkeitsanalyse identifizierten potenziellen Risiken im Zusammenhang mit klimabezogenen Übergangsereignissen den Risikokategorien politische, rechtliche, technologische Risiken sowie Markt- und Reputationsrisiken zugeordnet. Potenzielle Chancen wurden den Kategorien Ressourceneffizienz, Energieeffizienz, Produkte/Services, Markt und Resilienz zugeordnet. In einem zweiten Schritt wurde überprüft, ob nur einzelne Geschäftsfelder oder der gesamte ÖBB Infrastruktur-Konzern von diesen potenziellen Risiken betroffen sein können und ob es sich um kurz- (Berichtszeitraum des Abschlusses), mittel- (vom Ende des kurzfristigen Berichtszeitraums bis zu fünf Jahren), und langfristige (mehr als fünf Jahre) Übergangsereignisse handelt. Im Rahmen der Betrachtung der transitorischen Klimarisiken wurde die vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette indirekt berücksichtigt. Dies erfolgte, indem im Zuge der Betrachtung der Wertschöpfungskette, als Teil der doppelten Wesentlichkeitsanalyse, besonderes Augenmerk auf die größten Lieferanten und Dienstleister des ÖBB Infrastruktur-Konzerns gelegt wurde. Diese wurden insbesondere auf ihre Bestrebungen im Bereich der Dekarbonisierung untersucht, um deren Pfade, beziehungsweise Maßnahmen und Ziele in die Betrachtung des ÖBB Infrastruktur-Konzerns zu integrieren. Vor allem wurde die vorgelagerte Wertschöpfungskette als wesentlicher Faktor identifiziert, da die Abhängigkeit von Lieferanten und deren Anpassung an klimabedingte regulatorische oder marktbezogene Veränderungen erhebliche Auswirkungen auf die Dekarbonisierungsbestrebungen des ÖBB Infrastruktur- Konzerns haben kann. Dies ist bedingt durch die größte Scope 3 Treibhausgaskategorie, Beschaffung von Investitionsgütern (siehe auch Scope 3.1 im Unterkapitel E1-1), welche einen Teil der vorgelagerten Wertschöpfungskette abbildet. Durch diese indirekte Betrachtung ist sichergestellt, dass potenzielle Risiken für den ÖBB Infrastruktur-Konzern aus der Wertschöpfungskette in die Bewertung eingeflossen sind. 47

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