Nachhaltigkeitsbericht 2024 – ÖBB-Infrastruktur AG
Nachhaltigkeitsbericht NB 35 ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft Konzernlagebericht | Konzernabschluss 64 Resilienz der Strategie und des Geschäftsmodells im Kontext des Klimawandels Die Resilienzanalyse umfasst die gesamten Geschäftstätigkeiten des ÖBB Infrastruktur-Konzerns sowie alle wesentlichen physischen und transitorischen Klimarisiken. Im Zuge der Resilienzanalyse wurden auch Teile der vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette betrachtet (siehe auch Unterkapitel ESRS 2 IRO-1). Sie wurde am 12.11.2024 durchgeführt und basiert auf den Annahmen und Parametern des Szenarios „Netto-Null-Emissionen bis 2050 (NZE)“ der Internationalen Energieagentur (IEA). Um die Resilienz des Geschäftsmodells zu ermitteln, erfolgte eine Überleitung der identifizierten physischen und transitorischen Bruttorisiken zu Nettorisiken. Dabei wurde geprüft, inwiefern bestehende oder geplante Maßnahmen, insbesondere Klimaschutzmaßnahmen und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel gemäß ESRS E1-3, zur Reduktion von Bruttorisiken beitragen können. Die verwendeten Zeithorizonte der Resilienzanalyse entsprechen denjenigen der Klimarisikoanalyse für physische und transitorische Risiken (siehe Kapitel E1-4). Die Analyse hat gezeigt, dass Unsicherheiten hinsichtlich der Geschwindigkeit und des Umfangs regulatorischer Änderungen, der Marktentwicklung für nachhaltige Technologien und der Auswirkungen extremer Wetterereignisse auf die Schienenverkehrsinfrastruktur bestehen. Für als risikobehaftet identifizierte Vermögenswerte und Geschäftstätigkeiten (Schieneninfrastruktur) wurden spezifische Strategien, Ziele und Maßnahmen entwickelt, um diese Risiken zu adressieren (siehe ESRS E1-3, E1-4). Der ÖBB Infrastruktur-Konzern ist in der Lage, sein Geschäftsmodell kurz-, mittel- und langfristig an die Folgen des Klimawandels anzupassen, da die geplanten Maßnahmen (siehe Kapitel E1-3 und E1-4) durch entsprechende finanzielle Mittel in den Budgets hinterlegt sind. Dadurch ist der ÖBB Infrastruktur-Konzern resilient gegenüber wesentlichen Klimarisiken. Exkurs: Jahrhunderthochwasser September 2024 Die extremen Unwetter im Osten Österreichs im September 2024 haben zu gravierenden Hochwasserschäden an Teilen der ÖBB Infrastruktur geführt (siehe auch Informationen in den Kapiteln A.2. und B.2.). Hochwasser stellt eine bedeutende Naturgefahr für die Schienenverkehrsinfrastruktur in Österreich dar. Um den Risiken von Hochwasser zu begegnen, werden bereits zahlreiche Vorsorgemaßnahmen getroffen, die regelmäßig überprüft und weiter ausgebaut werden. Nach dem außerordentlichen Hochwasser im September 2024 wurde veranlasst, dass interne Prozesse und Maßnahmen im Umgang mit Hochwasser überprüft und auf Basis der aktuellen Informationslage (z. B. HORA-Daten) gezielt angepasst und weiterentwickelt werden. Aktuelle Klimastudien deuten darauf hin, dass Starkregenereignisse in Österreich tendenziell an Intensität und Häufigkeit zunehmen. Besonders in den Sommermonaten können dadurch innerhalb kurzer Zeit erhebliche Niederschlagsmengen auftreten. Diese Intensivierung der Regenfälle könnte für verschiedene Regionen des Landes eine wachsende Herausforderung darstellen und verstärkt vorausschauende Maßnahmen erforderlich machen. Starkregen führt jedoch nicht automatisch zu Hochwasser. Hochwassergefahren entstehen erst dann, wenn mehrere Faktoren zusammenwirken, wie etwa bereits gesättigte Böden durch vorangegangene Regenfälle, begrenzte Pufferkapazitäten in Fluss- und Bachläufen oder topografische Gegebenheiten, die den Wasserabfluss erschweren. Gleichwohl bleibt das Risiko bestehen, dass vermehrte Starkregenereignisse häufiger kritische Situationen schaffen könnten, die die Schienenverkehrsinfrastruktur beeinträchtigen. Die ab frühestens 2026 verfügbaren Klimaszenarien speziell für Österreich (ÖKS26) zur Klimagefahr „Hochwasser“ werden dabei unterstützen, das Hochwasserrisiko künftig präziser beurteilen zu können. Auf dieser Grundlage wird die ÖBB-Infrastruktur AG die bestehenden Vorsorgemaßnahmen weiter optimieren und gezielt ausbauen, wobei bereits jetzt die vorhandenen internen Prozesse und Maßnahmen evaluiert und angepasst werden. IRO-1 Beschreibung der Verfahren zur Ermittlung und Bewertung der wesentlichen klimabezogenen Auswirkungen, Risiken und Chancen Das Verfahren zur Ermittlung und Bewertung der wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen im Zuge der doppelten Wesentlichkeitsanalyse sowie weitere nähere Informationen werden im Unterkapitel ESRS 2 IRO-1 näher beschrieben.
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