ÖBB Geschäftsbericht 2023

111 Konzern- lagebericht Bereits seit dem Nachhaltigkeitsbericht 2021 bereitet sich der ÖBB-Konzern auf die Berichtspflicht nach der CSRD vor. In den letzten Jahren konnten schon viele wichtige Meilensteine am Weg dorthin erfolgreich umgesetzt werden. Das Jahr 2023 stand im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die Umsetzung der Anforderungen der ESRS, die im August 2023 final veröffentlicht wurden. Die CSRD fordert mit ihren zugehörigen ESR- Standards eine erweiterte und detaillierte Berichterstattung zu den Themen „Umwelt“, „Soziales“ und „Governance“. Im Sommer 2023 wurde im ÖBB-Konzern mit der Erarbeitung einer GAP-Analyse begonnen, um die notwendigen Weiterentwicklungspotenziale im Nachhaltigkeitsberichtswesen zu erheben. Zusätzlich wurde in der ÖBB-Infrastruktur AG im Juni ein erster Pilot für die Umsetzung der sogenannten doppelten Wesentlichkeitsanalyse nach den ESRS gestartet. Große Anerkennung für ÖBB Nachhaltigkeitsaktivitäten Die ÖBB setzen bereits seit 100 Jahren auf Strom aus erneuerbarer Energie. Derzeit errichtet die ÖBB-Infrastruktur AG zwei neue Wasserkraftwerke, Obervellach II und das innovative Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos. 2015 ging das weltweit erste Bahnstrom-Solarkraftwerk in Wilfleinsdorf in Betrieb. Zudem ging Ende 2022 das weltweit erste Windrad, das Bahnstrom produziert in Betrieb. Diese gesamthafte Leistung im Bereich der erneuerbaren Energien wurde 2023 nun mit dem „Österreichischen Solarpreis 2023“ in der Kategorie „Erneuerbare Energie im Transportsektor“ ausgezeichnet. Zusätzlich hatten die ÖBB im Berichtsjahr 2023 noch einen Grund mehr zum Feiern: Das zweite Jahr in Folge konnten Sie mit ihrer Einreichung beim „Austrian Sustainability Reporting Award“ (ASRA) eine Auszeichnung für ihre Leistung in der Nachhaltigkeitsberichterstattung ergattern. Der Nachhaltigkeitsbericht 2022 wurde damit nicht nur vom Wirtschaftsprüfer testiert und im Lagebericht des Geschäftsberichts 2022 integriert veröffentlicht, sondern in der Kategorie „Freiwillige Berichterstattung“ mit dem 3. Platz prämiert. G.1. Klimaschutz Managementansatz Die EU hat sich mit ihrem „Green Deal“ das Ziel einer klimaneutralen Wirtschaft bis 2050 gesetzt. Österreich selbst hat sich Klimaneutralität bereits ab 2040 als Ziel vorgegeben. Durch ihre Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit sehen die ÖBB großes Potenzial für die Zukunft – vor allem, um Verkehre auf die Schiene zu verlagern. Der Verkehr ist der zweitgrößte Verursacher von Emissionen durch Treibhausgase (THG) in Österreich. Innerhalb des österreichischen Verkehrssektors ist wiederum der Straßenverkehr der weitaus größte Verursacher von CO 2 -Emissionen. Dazu kommt, dass die Emissionen im Verkehr von 1990 bis 2019 – also bis kurz vor der Coronakrise – um 74% gestiegen sind. Im Vergleich dazu konnten im selben Zeitraum die meisten anderen Sektoren ihren Ausstoß senken. Die Pandemie brachte einen kurzfristigen Rückgang der Mobilitätsleistungen in Österreich wie auch weltweit, wobei es 2022 wieder zu einem Anstieg kam. Insbesondere scheint aber der Straßenverkehr überproportional zu steigen. Hier bedarf es entsprechender Gegensteuerungsmaßnahmen, um eine stärkere Verlagerung auf den öffentlichen Verkehr zu forcieren. Bahn, Bus und innerstädtische Verkehrsmittel wie Straßen- und U-Bahnen sind ein wichtiger Teil der Lösung für mehr Klimaschutz und für die Erreichung der österreichischen Klimaziele. Im Jahr 2023 ersparten die ÖBB durch ihre Verkehrsleistungen mit Bahn und Bus der heimischen Umwelt Treibhausgas-Emissionen in der Höhe von rd. 4,2 Mio. t. Nach einer durch die Coronapandemie bedingten Reduktion dieses Effektes in den Jahren 2020 und 2021 liegt der Spareffekt der ÖBB ab dem Jahr 2022 wieder auf dem Niveau von 2019. Diese Ersparnis der ÖBB soll in den nächsten Jahren aber weiter steigen. Damit sind die ÖBB nicht nur ein wichtiges Klimaschutzunternehmen des Landes, sie leisten auch einen wesentlichen Beitrag, um zukünftig mögliche Straf- oder Kompensationszahlungen bei Nichteinhaltung der österreichischen Klimaziele 2030 gering zu halten. Die ÖBB sehen in der Ausrichtung auf eine klimaneutrale Wirtschaftstätigkeit ein starkes Wachstumspotenzial und streben eine weitere Verlagerung von Straßen- und Flugverkehr auf die klimafreundliche Schiene beziehungsweise den öffentlichen Verkehr an. Um die bedeutende Rolle der ÖBB für den Klimaschutz weiter abzusichern und zu verdeutlichen, wollen die ÖBB die verbleibenden selbstverursachten THG-Emissionen noch weiter reduzieren. Mit klar definierten Dekarbonisierungspfaden planen die ÖBB ihre schrittweisen Reduktionsmaßnahmen – auch über den Mobilitätsbereich hinaus. Der strategische Fokus der ÖBB Klimaschutzstrategie liegt allerdings prioritär auf der Reduktion des nationalen CO 2 -Fußabdrucks des Transport- und Mobilitätssektors in Österreich. Wichtige Kennzahlen auf einen Blick (Fokus AT) 2023 2022 Anteil elektrifizierte Strecken in Prozent 76 74 CO 2 eq-Emissionen des Sektors Mobilität (Scope 1 und 2) in Tonnen 218.641 226.215 CO 2 eq-Emissionen des ÖBB Schienenverkehrs (Scope 1 und 2) in Tonnen 72.672 79.301 Anzahl der E-Pkws der innerbetrieblichen Flotte ÖBB-Konzern in Stück 459 240 Anteil der erneuerbaren Energie im Bahnstrom in Prozent 100 100 Endenergieverbrauch der ÖBB in Gigawattstunden GRI 302-1, 302-4 3.004 3.068 CO 2 eq-Einsparungen durch die ÖBB Verkehrsleistungen in Mio. Tonnen 4,2 4,0 LB66 |

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