ÖBB Geschäftsbericht 2023

Konzernlagebericht 114 Highlights 2023 Im Jahr 2023 haben die ÖBB 16 elektrisch betriebene Cityjet-Akkutriebzüge bei der Stadler Bussnang AG bestellt. Die neuen Garnituren sorgen so für weiteren Zuwachs in der Nah- und Regionalverkehrsflotte. Voraussichtlich ab 2028 werden die neuen Züge entlang der Kamptalbahn in Niederösterreich unterwegs sein. Die Akkutriebzüge sind ein Meilenstein hin zur Dekarbonisierung des regionalen Schienenverkehrs. Die elektrisch betriebenen Akkutriebzüge können sowohl auf bereits elektrifizierten als auch auf nicht elektrifizierten Strecken eingesetzt werden. Mit dem Einsatz der Akkutriebzüge können über eine Mio. Liter Diesel pro Jahr eingespart werden. Das entspricht CO 2 -Emissionen in der Höhe von mehr als 3.000 t. Zum Vergleich: Das ist die jährliche Menge an verursachten CO 2 -Emissionen von rd. 500 Menschen in Österreich. Die bereits 2022 aufgenommenen Verkehre mit alternativen Antrieben im südlichen Weinviertel (11 E-Busse) und in Villach (H2-Busse) sind erfolgreich im Regelbetrieb angekommen. Darüber hinaus fanden im Sommer 2023 in Serfaus (Tirol) Testbetriebe für den Einsatz von E-Bussen statt. Diese sind sehr vielversprechend verlaufen, sodass für Sommer 2024 eine Umstellung der Verkehre auf alternative Antriebe samt Inbetriebnahme geplant ist. Auf der Stadtlinie 504 in Innsbruck wurde ebenfalls ein Testbetrieb erfolgreich absolviert. Auch hier ist im Jahr 2024 eine Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge zu erwarten. Die Verkehrsverbünde schreiben nun nach und nach (kleinere) Verkehre für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben aus – z. B. Stadtbus Amstetten, Kristallweltenbus. Mit der 2022 gestarteten Ausschreibung zur Neubeschaffung von eHybrid Verschublokomotiven wird auch bei der „Last-Mile“ im Schienenverkehr zur Umstellung auf alternative Antriebe beigetragen. Auch in den Ausbau erneuerbarer Energien wurde in den vergangenen Jahren investiert. So konnte im Herbst 2022 der weltweit erste Prototyp einer 16,7-Hz-Windkraftanlage mit ca. 3 MW in Betrieb gehen. Die jährliche Produktion von rd. 6,75 GWh wird direkt in die Oberleitung der Ostbahn (Wien – Budapest) eingespeist. Im Bereich der Fotovoltaikanlagen wurde das Ausbauprogramm konsequent fortgesetzt. Zusätzlich zu den 68 bestehenden Anlagen mit einer Jahresstromproduktion von über 12.500 MWh wurden im Jahr 2023 24 50-Hz Fotovoltaikanlagen mit einem Regelarbeitsvermögen von über 2.800 MWh errichtet. Somit betreiben die ÖBB mit Stand 2023 bereits 92 Fotovoltaikanlagen im gesamten Bundesgebiet. Im Juni 2023 wurde die neue Energiestrategie der ÖBB präsentiert. Das ambitionierte Ziel bis 2030: Durch den Ausbau und die Modernisierung der eigenen Wasser-, Solar-, und Windkraftanlagen den Eigenversorgungsgrad beim Bahnstrom mit Partnern von 60% auf 80% und bei den Betriebsanlagen von 11% auf 67% zu steigern. Das bedeutet in Summe: Ein Plus von ca. 800 GWh in der Eigenversorgung – zusätzlich zu derzeit 970 GWh. Außerdem soll die innerbetriebliche Energieeffizienz beispielsweise durch die Modernisierung des Bahnstromnetzes oder die Gebäudeoptimierung um 25% gesteigert werden. Um die Ziele der Energiestrategie umzusetzen, investieren die ÖBB in den kommenden Jahren rd. 1,6 Mrd. EUR. Das soll vor allem auch dazu beitragen, dem Konzern im Energiebereich mehr Unabhängigkeit zu verschaffen – denn Versorgungssicherheit und Abfederung der Teuerung sind das klare Ziel. Aber speziell im Bereich Energie war auch 2023 kein einfaches Jahr, denn die Energiekrise und die dadurch bewirkte Teuerung treffen auch die ÖBB. Umso mehr geht es nun darum, mit dem wertvollen Gut Energie effizient umzugehen und Energie zu sparen, wo es möglich ist. Neben den schon mittel- und langfristig laufenden Schwerpunkten des Energieeffizienzprogramms der ÖBB wurden ab September 2022, unter Berücksichtigung der Qualitäts- und Sicherheitsstandards, an allen Standorten unterschiedliche Maßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs forciert. Beispiele dafür sind die Reduktion der Raumtemperatur in Büros und Werkstätten wie auch der Heiztemperatur in Zügen und Bussen sowie vieles mehr. Diese wurden von einer ÖBB-internen Bewusstseinsbildungs-Kampagne begleitet, die auch Anfang 2023 fortgeführt wurde. Zusätzlich dazu haben sich die ÖBB auch auf mögliche Energielenkungsmaßnahmen durch die Bundesregierung vorbereitet. Um den Einsatz von Kältemitteln langfristig effizienter gestalten zu können, werden die Kältemittelverluste der Schienenfahrzeuge für den Personenverkehr seit 2023 detaillierter gemessen. Mittel- bzw. langfristiges Ziel ist die Verbesserung der Datentransparenz im Bereich Schiene (Aufteilung der THG-Emissionen auf betroffene Bereiche) und daraus resultierend dann auch eine gezieltere Maßnahmensetzung zur Reduktion der Kältemittelverluste. Seit 2023 bietet die Rail Cargo Group als Service für Kunden eine Emissionsauskunft an. Diese Emissionsauskunft sowie der Berechnungsprozess werden laufend durch eine externe Stelle geprüft. Die Emissionsauskunft liefert somit belastbare Zahlen für die Scope 3 Emission der Kunden und unterstützt bei der Auswahl nachhaltiger Logistikpartner. Die Emissionsauskunft wird nach gängigen Standards erstellt. Die notwendigen Berechnungen erfolgen durch EcoTransIT- World auf Basis von produktionellen, relations- und einzelsendungsspezifischen Parametern der Rail Cargo Group und ihrer Partner sowie unter Verwendung marktspezifischer und/oder ländereigener Energiemixe im Vergleich zu einem LKW der Klasse EURO 6 bis 40 Tonnen Gesamtgewicht. EcoTransIT-World identifiziert damit die Umweltauswirkungen des Güterverkehrs im Hinblick auf den Energieverbrauch sowie die konkret resultierenden Emissionen. Sie kann ohne Gewähr bei Emissionshandelsplattformen zur Teilnahme am freiwilligen Markt vorgelegt werden. | LB69

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