ÖBB Geschäftsbericht 2023

Konzernlagebericht 116 Bereich Scope 3-Emissionen In diesen Bereich fallen jene THG-Emissionen der ÖBB, die in der sogenannten Vorkette (z. B. durch Bereitstellung von Brennstoffen, Treibstoffen und Strom) oder entlang der Wertsch Ú pfungskette verursacht werden. Das sind Emissionen, die bei der Herstellung der von den ÖBB beschafften Produkte und Leistungen (etwa Errichtung / Bau der Schieneninfrastruktur, Beschaffung von Schienenfahrzeugen bzw. Bussen). Dazu zählen aber auch Dienstreisen oder Emissionen, die durch Abfallentsorgung anfallen. Die Reduktion der Scope 3-Emissionen erfordert ein abgestimmtes Vorgehen auf nationaler und europäischer Ebene, da nur einige dieser Emissionen mit gezielten Maßnahmen direkt von den ÖBB beeinflussbar sind (z. B. Dienstreisen). Bei anderen Bereichen sind die ÖBB vom europäischen und nationalen Markt und / oder von technologischen Entwicklungen abhängig. Dies gilt insbesondere für die Beschaffung von Bauleistungen, Infrastrukturanlagen sowie für neue Züge und Busse. Deswegen werden für das ÖBB Klimaneutralitätsziel 2040 bis 2050 in diesem Bereich unterschiedliche Anwendungstiefen und Zielansprüche definiert – abhängig von den erwarteten Rahmenbedingungen. Highlights 2023 Nach der Identifizierung der maßgeblichen THG-Treiber aus der Beschaffung der ÖBB (im Herbst 2022) wurde im Berichtsjahr 2023 mit der Erarbeitung erster konzernweit strategischer Stoßrichtungen zur Reduktion von Scope 3- Emissionen begonnen. Hier erfolgt die Ausrichtung möglicher THG-Reduktionsmaßnahmen bzw. die weitere Vertiefung von Maßnahmen entlang von zehn identifizierten Toptreibern. Gleiches gilt für weitere wesentliche Scope 3-Verursacher in den Teilkonzernen. 2023 ist der Startschuss für die schrittweise bzw. langfristige Umstellung von finanzbasierter THG- Bilanzierung der Scope 3-Emissionen aus dem ÖBB Einkauf hin zu konkreten Mengen / Massen erfolgt. Die ÖBB leisten damit jetzt schon wertvolle Vorarbeit für die künftige Orientierung am neuen ESRS E1 Standard. Dieser regelt, dass der jährliche Prozentsatz jener Scope 3-Emissionen angegeben werden soll, der aufgrund von Primärdaten ermittelt wurde. Begleitend zur Weiterentwicklung im Bereich der Scope 3-Emissionen wurde 2023 auch mit der Erarbeitung der ÖBB Kreislaufwirtschaftsstrategie begonnen – und zusätzlich auch die Entwicklung des TCO-CO 2 -Tools NEU. Die THG-Bilanzierung der Scope 3-Emissionen der ÖBB wurde im Berichtsjahr um eine weitere Teilkategorie erweitert. Neu berichtet werden die Scope 3-Emissionen zu „vermieteten und verleasten Sachanlagen“ (siehe THG-Bilanz). Wie bereits in den vergangenen Jahren wurden die rd. 1.000 t an CO 2 eq-Emissionen, die 2023 ÖBB-weit durch dienstlich notwendige Flugreisen entstanden sind, im Jahr 2024 nachträglich kompensiert. Der Ausgleich erfolgt gezielt über ein Klimaschutzprojekt von Climate Partner (Naturschutz im Karwendelgebirge + Kombiprojekt). Die Flugkilometer 2023 sind im Vergleich zu 2022 um rd. 36% angestiegen. Ausblick 2024 Im 1. Halbjahr 2024 soll der Maßnahmenkatalog für konkrete Reduktionsmaßnahmen zur Minderung von Scope 3- Emissionen der zehn Toptreiber aus der Beschaffung und weiterer großer Emissionsverursacher in den Teilkonzernen finalisiert werden und danach in die Umsetzung gehen. Eine erste Version des TCO-CO 2 -Tools NEU wird mit Februar 2024 erwartet. Die Programmierung wurde im Dezember 2023 gestartet. Der Mehrwert dieses Tools: die Einspeisung der CO 2 Daten in eine Datenbank, die von allen relevanten Stakeholder:innen ausgewertet werden kann, sowie die Abfrage wesentlicher Teile der Lieferkette auf Basis Primärdaten. Verkehrsverlagerung GRI 203-1 Weitere Verkehrsverlagerungen auf die klimafreundliche Bahn sind, neben der Dekarbonisierung, das große Ziel der Klimaschutzstrategie. Damit unterstreichen die ÖBB ihre wichtige Rolle für den Klimaschutz in Österreich. Die Verlagerung des Verkehrs ist der zentrale Treiber und auch der wesentlichste Hebel der ÖBB Klimaschutzstrategie. Schon heute ersparen die ÖBB mit ihren Verkehrsleistungen (Bahn und Bus) in einem gewöhnlichen Betriebsjahr der heimischen Umwelt rund vier Millionen Tonnen an THG-Emissionen. Deswegen gilt es, für die Zukunft so viel Verkehr wie möglich vom Luft- und Straßenverkehr auf die Schiene zu bringen. Das ist auch ein wichtiges Ziel im Mobilitätsmasterplan 2030 für Österreich. Zur Bewältigung der angestrebten Verkehrswende haben sich die ÖBB zum Ziel gesetzt, die Leistungsfähigkeit auf der Schiene bis 2040 verdoppeln – durch Streckenausbau, Digitalisierung (inkl. ECTS) und Fahrzeuge. Dabei setzt die ÖBB- Infrastruktur AG auf den konventionellen Ausbau der Strecken, Bahnhöfe und Terminals, aber auch auf den Einsatz neuer Technologien in der Betriebsführung. So wird die Basis für weitere Verkehrsverlagerungen geschaffen – auf Grundlage von Fahrzeitverkürzungen sowie smarten Kapazitätserweiterungen. Noch mehr Personen für Bahn und Bus zu begeistern, ist das erklärte Ziel der ÖBB-Personenverkehr AG und der Österreichischen Postbus Aktiengesellschaft. Im Fokus stehen die kontinuierlichen Optimierungen entlang der gesamten Mobilitätskette sowie stetige Qualitätssteigerungen für die Kund:innen. Abgerundet wird das Ganze mit einem verbesserten Angebot bei den Gütertransporten auf der Schiene. Auch hier sind attraktive Lösungen für die gesamte Mobilitätskette wesentlich, um mehr Transport auf der klimafreundlichen Schiene abzuwickeln. Auch Abfalltransporte sollen künftig verstärkt auf der Schiene unterwegs sein. | LB71

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