ÖBB Geschäftsbericht 2023
Konzernlagebericht 122 Künftig sind vermehrt Schäden an Bahnanlagen und Streckenunterbrechungen durch Stürme zu erwarten. Gefahrenquellen sind insbesondere Stürme, die bei Gewittern sehr kleinräumig, allerdings mit hohen Windgeschwindigkeiten auftreten. Zudem kann durch Hitze- und Wasserstress oder durch Schädlinge die Schutzfunktion der Wälder beeinträchtigt werden. Jedoch ist wiederum ein stabiler, funktionsfähiger und klimafitter Schutzwald von großer Bedeutung, um die Bahninfrastruktur vor Hangrutschungen, Muren oder Lawinen zu schützen. Als zentrale Maßnahme setzen die ÖBB auf den Erhalt der Fläche an bewirtschaftetem Schutzwald, der mit 3.370 ha weiterhin gleichbleibend groß ist. Extremwetterereignisse stellen die Verfügbarkeit der Schieneninfrastruktur immer wieder vor große Herausforderungen, was sich wiederum auf die Pünktlichkeit auswirken kann. Geografisch bedingt gibt es in Österreich für Züge nur sehr lange Umleitungsstrecken, so kommen meist entsprechende Schienenersatzverkehre zum Einsatz. Das ist mit einem hohen logistischen Einsatz und Verzögerungen für die Reisenden verbunden. Solche wetterinduzierten Schadensereignisse sollen bestmöglich vermieden und weiter reduziert werden. Dafür wurde 2019 unter anderem das Projekt „clim_ect“ gestartet und bereits 2021 erfolgreich abgeschlossen. Mithilfe der Projektergebnisse können Aussagen zur Eintritts- wahrscheinlichkeit eines wetterbedingten Schadensereignisses getroffen werden. Dies gelingt durch die Überschneidung der meteorologischen Daten mit Wetterbeobachtungen für eine konkrete kleinräumige Bezugsebene. So können zukünftig Gefährdungskorridore auf der Schieneninfrastruktur identifiziert und präventive Handlungen gesetzt werden. Das VIF-Projekt „INGEMAR” (Intelligentes Naturgefahrenmanagement und Risikobeurteilung) wurde mittlerweile erfolgreich abgeschlossen. Ergebnisse daraus sind vor allem die Verknüpfung von Wetterdaten mit der Zustandsbeurteilung von technischen Schutzverbauungen sowie Schutzwaldbeständen. Diese werden aktuell im ÖBB Lawinenwarndienst angewendet. An INGEMAR schließt nahtlos das VIF-Projekt KlimZug (Klimawandelanpassung im Zugverkehr durch Prognose von Extremwetterereignissen und klimawandelbedingten Änderungen im Energiedargebot) an. Von 2022 bis 2024 wird die Prognose von Extremwetterereignissen untersucht und verbessert. Im Jahr 2023 wurden im Zuge eines FFG-Forschungsprojekts Möglichkeiten für die Detektion von seichtgründigen und flächigen Hangrutschungen entwickelt. Diese Art von Rutschungen sind betreffend deren Örtlichkeit sehr schwer zu prognostizieren und kündigen sich auch vor dem Eintreten nicht an. Auslöser können lang andauernde Niederschläge, jedoch auch bereits kurze Regen mit sehr hoher Intensität sein – wie z. B. im Zuge von Gewittern. Das Ziel im Forschungsprojekt liegt vor allem darin, Technologien zu entwickeln, um rutschungsgefährdete Hänge bis zu einer Längenausdehnung von 100 bis max. 200 m in Echtzeit zu detektieren und bei Erhalt einer Warnung unmittelbar organisatorische Maßnahmen (z. B. Langsamfahren oder Gleissperren) zu treffen. Reisen mit Komfort Der ÖBB-Personenverkehr AG ist es ein wichtiges Anliegen, den Kund:innen sowohl im heißen Sommer als auch im kalten Winter ein angenehmes Reiseerlebnis anbieten zu können. Dazu gehört neben anderen Faktoren auch eine topausgestattete Flotte, die eine angenehme Reise in wohltemperierten Zügen und Bussen ermöglicht. Im Zusammenhang mit zahlreichen Upgrades wurden im Laufe der Jahre immer mehr Züge mit Klimaanlagen ausgestattet. Bis zum Jahr 2030 soll so der Anteil der klimatisierten Züge im Nah- und Fernverkehr bei nahezu 100% liegen. Bei Neubeschaffungen ist der Blick in die Zukunft von besonderer Bedeutung. Die gültigen Normen in der EU zur Klimatisierung von Schienenfahrzeugen berücksichtigen bereits steigende Anforderungen und hohe Leistungsfähigkeit aufgrund häufigerer erhöhter Außentemperaturen im Sommer. Hochwasserbetroffenheit von Bahnanlagen Im Sinne der Betriebssicherheit und Streckenverfügbarkeit werden Pläne erstellt, die jene Streckenabschnitte ausweisen, an denen für die Bahnstrecken in Österreich eine potenzielle Hochwasserbetroffenheit besteht. Bei den konkret betroffenen Streckenabschnitten wird ein technisches Maßnahmenkonzept (Machbarkeitsstudie) hinterlegt. Es steht in Folge als Grundlage für mittel- und langfristige Planungsprojekte zur Verfügung. Die Pläne der Hochwasserbetroffenheit bilden zugleich auch eine wesentliche Grundlage für die Bewertung von Hochwasserschutzprojekten von Dritten, die einen Einfluss auf die Bahn haben können. Beispielsweise werden die Pläne bei den Verhandlungen für Beitragszahlungen von Dritten herangezogen. | LB77
RkJQdWJsaXNoZXIy NTk5ODUz