ÖBB Geschäftsbericht 2023

123 Konzern- lagebericht Aktuelle Niederschlagsdaten als wichtige Grundlage für die Dimensionierung von Entwässerungsanlagen Die klimatischen Änderungen können sich auch auf den gesamten Bahnkörper sowie auf das bahnnahe Umfeld (Böschungen, Lehnen, Wildbach- und Lawineneinzugsgebiete etc.) auswirken. Das wiederum kann letztendlich Folgen für den Bahnbetrieb haben. Solche klimatischen Änderungen können der Anstieg der Durchschnittstemperaturen, die Zunahme an Windgeschwindigkeiten oder die Änderung des Niederschlagsmusters (intensiverer Niederschlag, Regen, Schnee etc. in einem bestimmten, tendenziell kürzeren Zeitintervall) und ebenso Änderungen in Bezug auf Häufigkeit und Intensität von Wetterereignissen sein. Für die Dimensionierung von Entwässerungsanlagen werden daher Niederschlagsdaten verwendet, die möglichst aktuell und auch laufend fortgeschrieben / aktualisiert werden. Diese werden vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft per Internetabfrage bezogen. Je nach regionalen und lokalen Gegebenheiten können insbesondere kleinräumige, stärkere Niederschlagsereignisse vermehrt zu Hochwasser und Überschwemmungen, Muren oder Hangrutschungen führen. Punktuelle Aussagen zu klimawandelbedingten Veränderungen sind jedoch sehr schwierig zu treffen. Allerdings können speziell lokal begrenzte Extremwetterereignisse, die große Folgeschäden nach sich ziehen, nur schwer vorhergesagt werden. Jedoch wird mit der Verwendung der ständig aktualisierten Niederschlagsdaten das Ziel verfolgt, die bestmöglichen Grundlagen für die Dimensionierung von Entwässerungsanlagen bereitzustellen. Highlights 2023 In Anbetracht des fortschreitenden Klimawandels und möglicher Folgen ist es für den ÖBB-Konzern von essenzieller Bedeutung, potenzielle Klimagefahren zu analysieren. Eine fundierte Klimarisikoanalyse stellt fest, ob sich potenzielle Klimagefahren zu Klimarisiken entwickeln könnten, die wiederum die Geschäftstätigkeiten wesentlich beeinträchtigen. Die Erkenntnisse aus der Analyse werden für die erweiterten Berichtspflichten gemäß der EU-Taxonomie-Verordnung beziehungsweise die zukünftigen Anforderungen gemäß Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verwendet. Zusätzlich legt die Klimarisikoanalyse den Grundstein dafür, dass der ÖBB-Konzern entsprechende Anpassungs- maßnahmen zu klimatischen Veränderungen setzen kann. Auf diese Weise wird die Klimaresilienz gestärkt und die Leistungsfähigkeit des Konzerns gesichert. Die Evaluierung von Risiken aus höherer Gewalt und Naturgefahren ist seit vielen Jahren im Risikomanagement verankert. Darüber hinaus gewinnt die Bewertung von Klimarisiken mit einem langfristigen Zeithorizont, aufgrund steigender Extremwetterereignisse, länger anhaltender Hitzeperioden, etc. zunehmend an Bedeutung. Aus diesem Grund wurde im Geschäftsjahr 2022 erstmals eine Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse in Bezug auf physische Klimarisiken durchgeführt (siehe auch Kapitel G.8. – EU-Taxonomie-VO). Die Analyse basiert auf den in Österreich bestmöglichen verfügbaren Klimaszenarien-Daten (ÖKS15). Unter Anwendung der ÖKS15-Daten wurden für die nächsten zehn Jahre (2021 bis 2030) die Klimadaten von 1991 bis 2020 evaluiert. Für die Periode 2021 bis 2050 wurde eine Bandbreite des Klimaszenarios RCP 8.5 betrachtet. Das Klimaszenario RCP 8.5 ist ein Szenario, in dem weiterhin hohe Treibhausgasemissionen ausgestoßen werden. Um die Klimaszenarien bestmöglich zu beurteilen, wurde der Prozess durch die Klimaexpert:innen der GeoSphere Austria – Bundesanstalt für Geologie, Geophysik, Klimatologie und Meteorologie begleitet. Die Bewertung der negativen Auswirkung erfolgte qualitativ auf Basis einer standardisierten Bewertungsskala. Neben kleinen standardmäßigen Aktualisierungen wurde 2023 die Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse der Rail Cargo Group auch für ausgewählte Standorte außerhalb von Österreich durchgeführt. Sie berücksichtigt die Klimagefahren Hitzewelle, Wind, Flusshochwasser, Küstenüberflutung, Änderung des Niederschlagsmusters und extreme Niederschläge. Aufgrund diverser Unsicherheiten (z. B. unzureichende Datenbasis) wurde nur dort, wo aktuell möglich, eine quantitative Beurteilung durchgeführt. Auf eine vollständige quantitative Beurteilung wurde im ersten Schritt verzichtet. Als zusätzliches Instrument, vor allem im Bereich der Schieneninfrastruktur, wurde im Jahr 2022 die Naturgefahrenhinweiskarte fertiggestellt. Dabei wurden entlang des Streckennetzes der ÖBB-Infrastruktur AG Naturereignisse bundesweit standardisiert und objektiv erhoben. Im Jahr 2023 wurde darauf aufbauend die bedarfsgerechte Fortschreibung der Hinweiskarten in Abhängigkeit von allfälligen Naturereignissen und neuen Schutzverbauungen begonnen. Um bei Stürmen und Gewittern Baumwürfe und Baumbrüche Richtung Oberleitung bestmöglich zu reduzieren, wurden im Jahr 2023 insgesamt bis zu ca. 105 km Bahnbegleitwald angelegt. Dies bedeutet, dass Bäume, die bei Stürmen oder auch bei Gewittern ins Gleis fallen könnten, bedarfsorientiert entfernt und durch passende Baumsorten wieder aufgeforstet wurden. Dadurch wird ein wesentlicher Beitrag zur Steigerung der Sicherheit, Pünktlichkeit und Streckenverfügbarkeit geleistet. LB78 |

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