ÖBB Geschäftsbericht 2023

Konzernlagebericht 128 G.4. Ressourcenmanagement GRI 413-1 Managementansatz Die Mengen an Ressourcen, die wir Menschen im Schnitt pro Jahr verbrauchen, sind erheblich größer als das, was uns die Erde im gleichen Jahr „zur Verfügung stellt“. Zur nachhaltigen Abdeckung des Verbrauchs von Menschen müssten jedes Jahr „1,75 Erden“ verfügbar sein. Für den aktuellen Ressourcenverbrauch Österreichs wären derzeit sogar „3,8 Erden“ nötig. 58 Der achtsame und nachhaltige Umgang mit Ressourcen muss also klar im Fokus stehen – das gilt auch für die ÖBB. Für die Errichtung und den Erhalt von Bahninfrastruktur sowie für den Bahnbetrieb werden Wasser und viele andere Rohstoffe beziehungsweise Materialien benötigt. Neben den „klassischen Ressourcen“ ist die zur Verfügung stehende Fläche ebenso ein wertvolles Gut, welche der öffentliche Verkehr jedoch durch seine besonders effiziente Flächennutzung optimal nutzt. Er beansprucht lediglich sieben Quadratmeter pro beförderte Person, im Gegensatz zu den 100 Quadratmetern, die der motorisierte Individualverkehr in Anspruch nimmt. Übergeordnetes Ziel der ÖBB ist es, den Einsatz der Rohstoffe und Materialien gering zu halten sowie Ressourcen und vor allem Kosten zu sparen. Insbesondere Chemikalien und Schadstoffe wollen die ÖBB so weit wie möglich reduzieren. Abfälle sollen weitgehend vermieden und eine Kreislaufwirtschaft gefördert werden. Auch beim Flächenverbrauch ist es das Ziel der ÖBB, diesen auf das notwendigste Ausmaß zu beschränken. Die ÖBB möchten die Kreislauffähigkeit von Produkten und Leistungen in ihre Beschaffungs- und Investitionsstrategien schrittweise systematisch einbeziehen. Wesentliche Themenfelder sind die Reduktion von Primärrohstoffen, die aktive Materialerhaltung sowie die Verlängerung der Nutzungsdauer. Mit der Anwendung von Circular-Economy- Wirtschaftsprinzipien können die ÖBB Kosten senken, Ressourcen langfristig sichern sowie ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit fördern. Die Umsetzung erfolgt durch ein gezieltes Rohstoff- und Ressourcenmanagement. Um möglichst wenig Abfall zu produzieren, soll der Einsatz von nachhaltigen Materialien forciert werden. Nicht vermeidbare Abfälle werden nach Möglichkeit einer Wiederverwendung sowie einer nachhaltigen, gesetzeskonformen Verwertung / Entsorgung zugeführt. Zielsetzungen – Die ÖBB wollen eine Vorreiterrolle im Bereich einer effektiven Kreislaufwirtschaft einnehmen und die Transformation Österreichs zu einer nachhaltigen Wirtschaft unterstützen. – Die ÖBB wollen ein Sekundärrohstoffmanagement forcieren, um optimal mit den vorhandenen Abfällen umzugehen. – Rohstoffe, Materialien sowie Produkte sollen soweit möglich effizient und nachhaltig eingesetzt und chemische Stoffe / Schadstoffe auf ein umsetzbares Mindestmaß reduziert werden. – Der Wasserverbrauch soll auch zukünftig konstant gehalten und wo möglich verringert werden. – Die Reduktion der Bodenversiegelung und des Flächenverbrauchs ist ein wichtiges Umweltziel für den ÖBB-Konzern. Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft GRI 301-1, 306-2 Die Endlichkeit natürlicher Ressourcen sowie soziale und ökologische Folgen des Rohstoffabbaus machen die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft unabdingbar und zu einem zentralen Nachhaltigkeitsthema. Als größter Mobilitätsdienstleister Österreichs haben die ÖBB das Ziel eine Vorreiterrolle im Bereich der Kreislaufwirtschaft einzunehmen. Dementsprechend wollen sie als treibende Kraft die Transformation Österreichs zu einer nachhaltigen Wirtschaft unterstützen. Im Berichtsjahr 2023 haben die ÖBB – unter Einbeziehung aller relevanten ÖBB Gesellschaften – mit der Erarbeitung einer Strategie für Kreislaufwirtschaft begonnen. Ziel dieser Strategie ist es, langfristig – unter Verknüpfung von erfolgreichem Wirtschaften, ökologischer Verträglichkeit und sozialer Verantwortung – das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln und so eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft umzusetzen. Wesentliche Stoßrichtungen sind die Implementierung der Kreislaufwirtschaft in System- und Produktdesign, die Reduktion von Primärrohstoffen, die aktive Materialerhaltung und die Verlängerung der Nutzungsdauer auf der einen Seite sowie die Vermeidung von Abfällen und umweltschädlichen Stoffen auf der anderen Seite. Zusätzlich zu den Hauptstoßrichtungen wird es ein forciertes Vorgehen auf unterschiedlichen Ebenen geben. Dieses basiert auf der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Die ÖBB Nachhaltigkeitsstrategie wird daher im Baustein 4 | Ressourcenmanagement, um eine Kreislaufwirtschaftsstrategie erweitert, einhergehend mit konkreten Ambitionen, Zielen und Stoßrichtungen. Die ÖBB wollen die Identifikation und die Priorisierung von Schwachstellen in linearen Prozessen und die Ermittlung von Potenzialen für zirkuläre Maßnahmen vorantreiben. Dafür ist es hilfreich, die Wertschöpfungslogik innerhalb der Branche sowie die damit verbundenen Rahmenbedingungen (wie Vorschriften, Trends und natürliche sowie technische Grenzen) bestmöglich zu untersuchen. In diesem Kontext beabsichtigen die ÖBB künftig bei wesentlichen und ausgewählten Produkten oder Materialien das Konzept der erweiterten Wertschöpfungskette anzuwenden. Dabei sollen als wesentlich erachtete Akteure, die im Lebenszyklus des Produkts oder Materials involviert sind, sowie ihre Kernprozesse und Funktionen beschrieben und analysiert werden. 58 Quelle: https://www.overshootday.org/how-many-earths-or-countries-do-we- need/#:~:text=Humanity%20is%20using%20nature%201.8,the%20resources%20of%201.8%20Earths. | LB83

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