ÖBB Geschäftsbericht 2023

2030 allein im Fernverkehr sehen wir uns damit für die Zukunft gut gerüstet. Einmal weg vom Zug. Ohne Bus geht in Österreich gar nichts. Wie läuft es beim Postbus? WALDNER: Sie haben recht: Der Bahnausbau ist das eine, aber ohne Bus werden wir die bereits angesprochene Verkehrs- wende in Österreich nicht schaffen. Es bedarf eines guten Zusammenspiels von Bus und Bahn, wenn der öffentliche Ver- kehr in Österreich erfolgreich sein soll. Hier sind die Verkehrs- verbünde gefordert. Sie haben es mit ihren Ausschreibungen in der Hand, das Bahn- und Busangebot besser zu vernetzen und damit mehr Menschen in ländlichen Regionen zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr zu motivieren. Und vergessen wir nicht: Ist ein Bus zu 40 bis 50 Prozent ausgelastet, dann ist er deutlich ökoeffizienter als ein Privat-Pkw. Der Bus ist schon lange im Wettbewerb. Wie funktioniert das? WALDNER: Der Postbus kennt das Geschäft wie kein anderer. Unsere größte Stärke sind zweifellos die Lenker:innen, die von den Kund:innen sehr geschätzt werden und bei Umfra- gen immer ein sehr positives Feedback bekommen. Aber klar ist auch: Der Busmarkt ist seit 2013 voll liberalisiert und der Ausschreibungswettbewerb läuft als beinharter Preiskampf ab. Derzeit wird bei Ausschreibungen leider noch zu wenig auf die Qualität des Verkehrsangebots geachtet, also zum Beispiel auf die Vernetzung von Bus- und Bahnverbindungen. Wieder zurück zur Bahn: Zum Fahrplanwechsel 2023 ist eine Teilstrecke der Koralmbahn in Betrieb gegangen. Wie läuft es auf diesem Teilstück? MATTHÄ: Die Inbetriebnahme des ersten Teilstücks der Koralm- bahn zwischen Klagenfurt und St. Paul im Lavanttal war sicher einer der Meilensteine des letzten Jahres. Die S-Bahn-Fahrt zwi- schen der Landeshauptstadt und St. Paul dauert jetzt nur noch 26 Minuten, also eine halbe Stunde weniger als bisher. Und in weiteren knapp 20 Minuten ist man mit der Bahn in Wolfs- berg. Damit lässt der Nahverkehr trotz vieler Haltestellen das Auto klar hinter sich. Ich glaube, man kann zu Recht sagen, dass damit eine neue Ära der Mobilität im Süden Österreichs eingeleitet wurde. WALDNER: Die Teilfertigstellung in Kärnten gibt einen ersten Vorgeschmack auf das, was wir uns insgesamt vom Ausbau der Südstrecke an Beschleunigung und Komfortgewinn erwarten dürfen. Das wird eine ähnliche Sogwirkung erzeugen wie der Ausbau der Westbahnstrecke und wir werden einen massiven Anstieg an Fahrgästen erleben. »Ohne den Bus werden wir die bereits angesprochene Verkehrswende in Österreich nicht schaffen.« MANUELA WALDNER ANDREAS MATTHÄ. „Unser Ziel ist es, den Eigenversorgungsanteil bei Bahnstrom in den kommenden Jahren von 60 auf 80 Prozent zu steigern“

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