ÖBB Geschäftsbericht 2023
57 Konzern- lagebericht LB12 | Die unternehmensintern installierte Green-Deal-Lenkungsgruppe bearbeitete über das gesamte Jahr 2023 die jeweils aktuellen Umwelt- und Energiedossiers (z. B. Energy, Taxation, Pestizid VO). Hinzu kamen neue Dossiers zu den Themen „Digitalisierung” und „Datenmanagement”. Die Lenkungsgruppe analysierte die Position des Europäischen Parlaments bzw. des Rates zur EU-Verordnung über fluorierte Treibhausgase. Im zweiten Halbjahr 2023 stand der Kommissionsvorschlag für ein „verbessertes internationales Ticketing” im Mittelpunkt. Die begrüßenswerte Initiative präsentierte in ihren Eckpunkten beispielsweise den Zugriff von Plattformen auf die Verkaufskanäle der Eisenbahnunternehmen zeigte aber auch ein gewisses Risikopotenzial auf. So besteht aus Sicht der ÖBB unter anderem die Gefahr, dass die Eisenbahnverkehrsunternehmen unter dem Titel des besseren Services für Kund:innen die Möglichkeit der eigenständigen Produktgestaltung und damit letztendlich auch die Tarifhoheit verlieren. Ein Thema, das – weil noch nicht final abgeschlossen – die Mitarbeiter:innen noch einige Zeit fordern wird. Ebenfalls im zweiten Halbjahr 2023 bearbeitete das Team die geplante EU-Verordnung zum Europäischen Kapazitäts- und Verkehrsmanagement, die „Weights and Dimensions”-Richtlinie der EU sowie die Konsultationen zur Beschränkung von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS). Beim Vorschlag betreffend Kapazitäts- und Verkehrsmanagement handelte es sich um eine Maßnahme des Green Deals. Ziel ist es, ein effizienteres Eisenbahn-Fahrwegkapazitäts- und Verkehrsmanagement zu ermöglichen und so die Qualität der Verkehrsdienste zu verbessern sowie mehr Verkehr über das Eisenbahnnetz abzuwickeln. Die ursprünglich im Raum stehende Zentralisierung in einer neue EU-Agentur konnte abgewendet werden. Nun werden die ÖBB-Interessen bei der Trassenplanung über das TTR, dem Timetabling Redesign for Smart Capacity Management verfolgt und bei der Baustellenkoordination über den Europäischen Eisenbahnverband CER. Die „Weights and Dimensions”-Richtlinie wiederum sieht eine Erweiterung der Höchstgewichte und -größen von schweren Nutzfahrzeugen vor. Das würde aus Sicht der ÖBB den Wettbewerb zwischen Schiene und Straße im Güterverkehr erneut zuungunsten der Schiene verschärfen. Durch laufendes Lobbying in Österreich und in Brüssel soll der durch diese Richtline mögliche Einsatz von Gigaliners bzw. Lang-Lkws auch in Zukunft verhindert werden. Bei PFAS handelt es sich um Industriechemikalien mit wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften, die im gesamten Bahnsystem – von den Klimaanlagen in den Fahrzeugen bis zu Signalanlagen – im Einsatz sind. Die ÖBB trat daher in den bisherigen Konsultationen für einen behutsamen Vorgangsweise ein, um überbordende Vorgaben für den Ersatz oder den Tausch von PFAS-Teilen zu vermeiden und wird diesen kosteneffizienten Weg weiter fortsetzen. B.3. Marktumfeld GRI 2-6 Güter- verkehr Personen- verkehr Verstärkte Kosten- konkurrenz mit Straße Nachhaltige Erholung der Luftfahrt Europaweiter Einbruch bei kombiniertem Verkehr Angebotsausweitung durch Open-Access-Anbieter Streckensperren wichtiger Transitrouten Modalanteile wieder auf Vor-Corona-Niveau Konjunktur- bedingter Nachfrage- rückgang Kapazitäts- management im Bahn- Fernverkehr heraus- fordernd
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