Nachhaltigkeitsbericht 2021
113 mit wir das umsetzen konnten. Denn na- türlich bedeutet TopSharing für gewisse Kolleg:innen auch einen Aufwand, man muss sich ja immerhin auf eine weitere Person einstellen. ANNA: Man muss da sehr klar kommu- nizieren, wer von uns beiden für welche Themen zuständig ist. Schließlich sind wir ja auch eine große Serviceeinrichtung für viele Bereiche im Konzern. Da ist es wich- tig, die Leistungs- und Qualitätsstandards zu halten. Und wie hat es das Team aufge nommen? DANIELA: Gäbe es dieses Modell nicht, hätten sich alle an eine neue Führungs- kraft gewöhnen müssen. Ich denke, unser Team war froh, weil sie Anna kennen und schätzen und sich dadurch im Team wenig geändert hat. Dieses Vertrauen und die Unterstützung erleichtern uns die tägliche Arbeit. ANNA: Das Team ist einfach großartig, alle haben von Anfang an mitgemacht. Wir arbeiten auf Augenhöhe zusammen, geben aufeinander acht, denken mit und geben uns konstruktives Feedback. So ergänzen wir einander. Deswegen an die- ser Stelle ein großes Dankeschön an alle, dass sie dieses Modell so mittragen. Aber auch von anderen Abteilungen war das Feedback sehr positiv, viele haben pro- aktiv Hilfe angeboten. Viele Kolleg:innen finden das Arbeitsmodell spannend und wollen mehr darüber wissen. Ihr leistet gewissermaßen Pionierar- beit auf dem Gebiet des TopSharings innerhalb der ÖBB. Was sind eure wichtigsten Erkenntnisse bisher? ANNA: Generell ist unser Ansatz, wenig hierarchisch zu führen und kollaborativ im Newsroom-Prinzip zusammenzuar- beiten. Wir empowern jede und jeden, Expertin oder Experte für ihr oder sein jeweiliges Arbeitsgebiet zu sein. Dieser Zugang erleichtert die Zusammenarbeit und auch das TopSharing grund- sätzlich. DANIELA: Das sehe ich auch so. Marketing hat viele Fa- cetten, da braucht es für die unterschiedlichen Themen auch unterschiedliches Know-how im Team. Wir verlassen uns auf das Expert:innenwissen von allen. Das ist generell ganz entscheidend beim TopSharing: Das Vertrauen in die Expertise der anderen Person, aber auch das persönliche Vertrauen zueinander. Und absolute Transparenz. Keine von uns darf Informationen zurückhalten. Wenn ich etwas bespreche, das mit unserer Abteilung zu tun hat, muss Anna das na- türlich wissen. Sonst können wir unseren Job nicht machen. Kann das Modell auch in anderen Arbeitsbereichen funktionieren? DANIELA: Ich denke, das Modell lässt sich grundsätzlich auch in anderen Jobs gut umsetzen – vorausgesetzt die Vertrau- ensebene stimmt. Sonst funktioniert es nicht. Und Sympathie hilft. (lacht) ANNA: Vor Corona hat auch keiner ge- glaubt, dass man gewisse Jobs auch vom Homeoffice aus sehr gut machen kann. Manchmal muss man Dinge einfach ausprobieren. Wir lernen laufend dazu. Führungsaufgaben kann man gut teilen – wenn alle mitmachen. Was wünscht ihr euch für die Zukunft? DANIELA: Aus meiner Sicht ist der einzige Nachteil, dass das Modell in den internen Systemen nicht adäquat abgebildet werden kann. Ich würde mir wünschen, dass an standardisierten und flexiblen Arbeitszeitmodellen gearbeitet wird. Ich bin davon überzeugt, dass wir Mitarbeiter:innen dadurch wesentlich fördern können und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dann auch viel einfacher wird. Denn aktuell ist die Karenz meist noch ein Karriere- knick – hauptsäch- lich für die Frauen – und natürlich auch ein finanzi- eller Aufwand für das Unternehmen in puncto Nachbesetzung, Informationsver- lust etc. Ich bin aber davon überzeugt, dass das auch so kommen wird. ANNA: Ich merke an den Reaktionen und Fragen aus unserem Arbeitsumfeld, dass das Interesse groß ist und es Bedarf nach genau solchen Modellen gibt. Wir wissen und sind auch sehr dankbar, dass sich unsere Kolleg:innen aus den diversen HR- Abteilungen des Konzerns bereits diesem Thema angenommen haben. Es wird also schon daran gearbeitet, dass TopSharing oder ähnlich flexible Arbeitszeitmodel- le irgendwann gang und gäbe sind. Schließlich machen sie die ÖBB auch als Arbeitgeber attraktiver. < »Führungs aufgaben kann man gut teilen – wenn alle mitmachen.« ANNA WOLOWSKI, MARKETING & COMMUNICATIONS, RCG Anna Wolowski aus RCG Marketing & Communications
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