Nachhaltigkeitsbericht 2021

ÖBB Nachhaltigkeitsbericht 2021 114 D ie UN-Klimaschutzkonferenz 2015 in Paris hat einiges ins Rollen gebracht. Auch bei den ÖBB: 2016, als viele nicht mehr an das Geschäftsmodell glaubten, kauften sie das Nachtzugbusiness der Deutschen Bahn. Seitdem ist viel passiert. Heute sind die ÖBB Europas größter Anbieter von Nachtreisezügen mit 20 eigenen Nightjet-Linien. Neun weitere Nacht- zuglinien werden in Kooperation mit Partnerbahnen unter der Marke Euro- Night betrieben. „Es freut mich, dass wir mittlerweile von vielen Seiten als interna- tionaler Wegbereiter der Nachtzug-Re- naissance gesehen werden“, sagt Karin Fest, die bei den ÖBB mit ihrem Team für die Internationalisierung des Perso- nenverkehrs sowie das Produktmanage- ment und den Netzausbau des Nightjets verantwortlich ist. Die Übernahme des deutschen Nachtzuggeschäfts war also im doppelten Sinne eine nachhaltige Entscheidung: Zum einen was die Zahlen anbelangt, zum anderen ebenso für den Umweltschutz. Nightjet als klimafreundliche Alternative Die Nachfrage nach umweltfreundli- cher Mobilität steigt. Vor der Pandemie waren über 1,5 Millionen Reisende mit dem Nightjet und Euronight unterwegs. Vielen Menschen ist Klimaschutz ein Anliegen, sie möchten aber auf das Rei- sen nicht verzichten. „Mit dem Nightjet haben wir den Nerv der Zeit getroffen. Aus Kund.innenbefragungen wissen wir, dass der Klimaschutz – quer über alle Zielgruppen hinweg – neben Qualität und günstigen Reisezeiten ein wesentli- ches Argument dafür ist, den Nachtzug statt des Flugzeugs zu nehmen“, so Karin Fest. Aber auch viele Organisatio- nen und Politiker:innen in ganz Europa fordern ein stärkeres Nachtzugnetz für Europa. Für Karin Fest ist daher aus zwei Gründen klar, dass die Bahn das zentrale Verkehrsmittel der Zukunft im öffentlichen Verkehr ist: „Erstens aus Klimaschutzgründen. Und zweitens ist es einfach bequem, mit der Bahn zu reisen und die Zeit qualitativ zu nutzen.“ Die Zahlen machen deutlich: Der Nightjet ist die klimafreundliche Alternative zu Kurz- und Mittelstrecken- flügen in Europa. Die Bahn ist 50-mal klimafreundlicher als das Flugzeug und 30-mal klimafreundlicher als das Auto. Und das ganz stressfrei, ohne lange Wartezeiten am Flughafen, ohne Stau, ganz entspannt über Nacht direkt ins Zentrum vieler europäischer Metropolen. Von Wien bis Hamburg, von Amsterdam bis Budapest. Wien – Paris: Verbindung mit Symbolwert Nachdem in den letzten Jahren vor allem Süd- und Mitteleuropa mit den Nightjets erschlossen wurden, lag der Fokus zuletzt auf Westeuropa. Nach Brüssel (2020) und Amsterdam (Mai 2021) folgte schließlich im Dezember 2021 die Wiederaufnahme der Nighjet- Verbindung Wien – Paris. Der Direktzug nach Paris lässt auch ein Stück Bahn- geschichte wiederaufleben: Es war der legendäre Orient-Express, der 1883 das erste Mal von Paris nach Wien fuhr und bis 2007 auf dieser Verbindung unter- wegs war. Es ist aber auch ein Meilenstein vor dem Hintergrund des Pariser Klima­ abkommens: Klimaschutzministerin Leonore Gewessler war bei der Premie- renfahrt ebenso anwesend wie der fran- zösische Verkehrsminister Jean-Baptiste Djebbari, der extra angereist war und mit dem Nightjet zurück nach Paris fuhr. Fallbeispiele Für den weiteren Ausbau des Nachtzugnetzes braucht es Partner über die österreichischen Grenzen hinaus. AUSBAU DES NACHTZUG­ NETZES. Die Wiederaufnah- me der Nightjet-Verbindung Wien – Paris 2021 steht sym- bolisch für die Zukunft des nachhaltigen Reisens in Euro- pa. Für den weiteren Ausbau des Nachtzugnetzes braucht es starke Partner – und faire Rahmenbedingungen. Die Renaissance des Nachtzugs WIEN – PARIS. Der erste Nightjet auf der neuen Linie

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