Nachhaltigkeitsbericht 2021

115 „Das macht aus meiner Sicht deutlich, welchen Symbolwert die Renaissance der Verbindung Wien – Paris insgesamt für das Nachtzuggeschäft hat“, betont Karin Fest. Starke Partner für noch mehr Nachtzugverbindungen Für den weiteren Ausbau des Nacht- zugnetzes braucht es aber Partner über die österreichischen Grenzen hinaus. Aktuell arbeiten die Bahnen Europas in vielen Bereichen mit unterschiedlichen Systemen und technischen Stan- dards: So gibt zum Beispiel vier verschiedene Bahnstrom- und 15 unterschiedliche Systeme für die Leit- und Sicherungstechnik. Das ist auch der Grund, warum bei der Verbindung von Wien nach Brüssel an der belgisch-deut- schen Grenze jedes Mal die Lok gewechselt werden muss. Die im Dezember 2020 gemeinsam von den vier europäi- schen Bahnen ÖBB, DB, SNCF und SBB unterzeichnete Absichtserklärung setzte ein starkes Signal zur Stärkung des Bahn-Nachtverkehrs in Europa. „Durch die Zusammenarbeit der Bahnen in Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz können wir das Nightjet- Netz deutlich erweitern und noch mehr klimafreundliche Mobilität in Europa anbieten – denn wir werden unser Netz auch weiterhin kräftig ausbauen“, sagt Karin Fest. Konkret in Planung ist der Kapazitätsausbau Zürich – Ham- burg / Berlin ab Dezember 2023. Ab 2024 soll es tägliche Verbin- dungen zwischen Wien und Paris, Wien und Brüssel sowie Berlin und Paris und Ber- lin und Brüssel geben. Außerdem wird aktuell an der Verbindung Zürich – Barcelona gearbeitet. Die Fahrgastzahlen sollen bis 2026 verdop- pelt werden und entsprechend dem Kapazitätsausbau wachsen. Faire Rahmenbedingungen für nachhaltige Mobilität Ambitionierte Ziele, für die es neben starken Partnern auch faire politische Rahmenbedingungen braucht. Denn diese sind für die Bahn im Vergleich zu Flugzeug und Auto keineswegs günstig: Konkret geht es hier etwa um eine Mehrwertsteuerbefreiung für Bahntickets im grenzüberschreitenden Personenverkehr. Derzeit sind diese in sieben europäischen Staaten mit unter­ schiedlichen Steuersätzen besteuert, während grenzüberschreitende Flugti- ckets von der Mehrwertsteuer befreit sind. Ebenso wünschenswert ist eine einheitliche, reduzierte Schienenmaut für Nachtzüge in der EU sowie die Er- leichterung von grenzüberschreitenden Public-Service-Obligations-Leistungen in Europa. „Der Verkehr ist für fast 30 Prozent der gesamten CO 2 -Emissionen der EU verantwortlich. Den Löwenanteil davon, nämlich 72 Prozent, verursacht der Stra- ßenverkehr. Da wird schnell klar, dass hier im Sinne des Klimaschutzes eine große Änderung bevorstehen muss“, so Karin Fest. Mit dem konsequenten Ausbau des Nachtzugnetzes, starken Partnern und Investitionen in moderne Züge (siehe Infobox) sind die ÖBB jedenfalls bereit für die Reise in eine nachhaltigere Zukunft. < ÖBB Nightjet Im Jahr vor der Pandemie waren über 1,5 Millionen Reisende mit dem Nightjet und Euro- night unterwegs. Zu den beliebtesten Strecken zäh- len Wien – Hamburg, Zürich – Hamburg, Wien – Zürich. 2020 / 2021 wurden drei neue Verbindungen aufgenommen: Brüssel, Amsterdam und Paris. Bis 2026 sollen die Fahrgast- zahlen verdoppelt werden. Aktuell gibt es 20 Nightjet-Linien in Europa, bis 2024 sollen es 26 sein. Innovationen für den Nachtverkehr Neben dem Ausbau des Angebots inves- tieren die ÖBB laufend in Qualität und Komfort ihrer Nachtreisezüge: 33 neue Nightjets sind aktuell in Produkti- on und werden ab 2023 / 2024 das Rückgrat des Nachtverkehrs bilden. Insgesamt fließen 790 Millionen Euro in die Modernisierung und in neue Nachtzug- Garnituren. Hochmodernes Design und deutlich mehr Komfort, vor allem für Alleinreisende: Mini- Cabins bieten noch mehr Privatsphäre. Alle neuen Nightjets haben zwei Schlaf- wagen – jedes Abteil mit privatem WC und Dusche. Mehr Privatsphäre und Individualität: Die Gestaltung der neuen Nachtreisezüge richtet sich nach den Bedürfnissen und Wünschen der Fahrgäste. nach Paris – auf dem Weg in die Stadt der Liebe- Mitte Dezember 2021 kurz vor seiner Abfahrt

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