railaxed - FRÜHLING 2024
eispiele für Greenwashing- Produkte, also Erzeugnisse, die zwar „grün“ präsentiert werden, allerdings meist nichts mit Nachhaltigkeit zu tun haben und somit nur „grün gewaschen“ werden, finden sich mittlerweile nahezu in jeder Branche: In der Modeindustrie schmücken sich Produzent:innen mit einer nachhaltigen Kollektion, während sie ihren Umsatz weiter- hin hauptsächlich mit billig und nicht fair produzierter Kleidung generieren. In der Nahrungsmittelindustrie gibt es nachhaltiges Palmöl oder Fischprodukte, deren Basis häufig skandalbehaftete Zertifikate sind bzw. solche, die in der Praxis keinen Mehrwert bringen. Und Airlines verkaufen ihren Passagier:innen zusammen mit dem Flugticket auch gleich ein gutes Gewissen in Form eines CO 2 -Ausgleichs – oft Zertifikate für Aufforstungsprojekte, die schlecht oder gar nicht funktionieren. Die Trickkiste der Unternehmen ist umfangreich und soll Konsument:innen vor allem zu weiterem Konsum motivieren. Licht ins Dunkel bringt ein Blick auf fünf gängige Mythen: 1. Klimaneutralität – ganz ehrlich? Immer mehr Unternehmen bezeichnen sich als klimaneutral bzw. kennzeichnen ihre Produkte mit einem entsprechenden Logo. Problema- tisch ist dabei, dass nicht eindeutig reguliert ist, was „Klimaneutralität“ bedeutet – im Gegensatz zu bspw. der Verwendung des Begriffs „Bio“, der durch EU-Gesetze reguliert wird. Für „Klimaneutralität“ gibt es keine Vorgabe, wie viel reduziert und vermieden werden muss. Meist wird unter „klimaneutral“ eben nicht verstanden, dass Produkte oder Dienstleistungen keine Treibhausgase ver- ursachen, sondern dass die entstehenden Treibhausgase „ausgeglichen“ werden. Die Idee ist, dass ebenso viele Treibhausgase, wie bei der Produktion des Produktes oder der Dienstleistung ausgestoßen werden, durch externe Klimaprojekte gebunden werden. Das Geschäft mit den Kompensationen ist aber dubios. Wichtig zu wissen ist, dass ein Tank, ein Flug, das Heizöl oder der Käse nicht nachhaltiger oder grüner werden, nur weil woanders ein Baum gepflanzt wird. Klima- schutzprojekte, die für Kompensationen verwendet werden, können nie die CO 2 - Emissionen von Unternehmen ausgleichen. Ein weiterer Punkt: Wenige Klimaschutz- projekte sind tatsächlich erfolgreich, manche gefährden sogar Mensch und Tier. Ein Bei- spiel: Die „Billion Tree Tsunami“-Kampagne der pakistanischen Regierung führte dazu, dass die nomadischen Gujjars die Winter- weiden für ihre Tiere verloren – und damit ihre Einnahmequelle. Oder: Es kam durch Projekte auch bereits zu Menschenrechts- verletzungen, da indigene und lokale Be- völkerungen ungefragt umgesiedelt wurden und die vorher von ihnen bewohnten Gebiete nun von Park Rangers bewacht werden. Fazit: Produktkennzeichnungen kritisch hinterfragen! Die Europäische Union hat das Problem erkannt und legt fest, dass die Bezeichnung von Produkten und Dienstleistungen als „klimaneutral“ oder „klimapositiv“ auf Basis von Kompensationen irreführend ist. 2. „Nachhaltig“ fliegen Auch für Flüge gilt: Kompensationen machen einen Flug nicht grüner, nachhaltiger oder klimaneutral! Die Bezeichnungen „klima- neutral“, „Green Tarif“ oder Ähnliches sind irreführend. Die Behauptung, ein Flug sei CO 2 - oder klimaneutral, ist schlichtweg falsch. Durch diese Bezeichnung wird versucht, kritische Konsument:innen weiterhin zum Fliegen zu bewegen – was klarerweise kontraproduktiv für das Klima ist. Fazit: Besser auf Zug statt Flug setzen und das Fliegen so gut wie möglich reduzieren. 3. Biosprit. Bio was? Biosprit oder besser Agrotreibstoffe sind für die Konsument:innen weitgehend unsichtbar. Unscheinbar mit E5 bzw. E10 oder B7 bzw. B10 an der Zapfsäule markiert, werden jährlich Tausende Liter Agrotreibstoff getankt und verfahren. Fünf bis zehn Prozent wirken auf den ersten Blick nicht viel, aber hinter diesen niedrigen Prozentzahlen stehen immens wertvolle landwirtschaftliche Ackerflächen und ein hoher Einsatz an Pestiziden und Dünge- mitteln, die für die Produktion von Agrotreib- Fünf Mythen zum Thema Greenwashing Immer mehr Unternehmen rühmen sich damit, nachhaltig zu produzieren. Dabei sind Produktions- und Lieferketten oft alles andere als nachhaltig und die Marketingstrategien der Firmen konzentrieren sich vor allem auf eines: Greenwashing. Gastkommentar – Ursula Bittner B Ursula Bittner (39) ist Wirtschaftsexpertin bei Greenpeace in Öster- reich. Die Wienerin arbeitet unter anderem im Themenbereich Greenwashing und setzt sich für mehr Transparenz ein, damit Konsument:innen nicht mehr getäuscht werden können. 46 47 railaxed Frühling 2024 Greenpeace Fotos: Ulet Ifansasti/Greenpeace (großes Foto), Bernd Lauter/Greenpeace (kleines Foto) Porträtfoto: Mitja Kobal/Greenpeace
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