railaxed - HERBST 2024

nachts und in aller Einsamkeit allerdings stellt sich ein angenehmer Grusel ein, den ich – mit einer Laterne ausgestattet – durchaus auszu- kosten weiß. Sagenhaft schön: der Heidenstein und das Tannermoor Zum Start meiner weiteren Tour lasse ich mich gleich zweimal ordentlich einnebeln. Zuerst bei der Demonstration der Haudum’schen Räucherkünste auf nüchternen Magen, dann taucht das E-Auto tief in dichte Frühnebel- schwaden ein, die der Reise zusätzliche Dramatik verleihen. Es könnte kein besseres Wetter für die Entdeckung des Heidensteins bei Rainbach im Mühlkreis geben. Das bizarre Felsengebilde aus grobem Weinsberger Granit wurde schon vor tausenden Jahren als Treff- punkt und Kultstätte genutzt, hier wurde nicht nur Handel getrieben, sondern auch Gericht gehalten und so manches aus- schweifende Fest gefeiert. In einer der drei stets wasserführenden „Opferschalen“ gibt es ein profanes, aber erfrischendes Fußbad für mich. Die Stimulierung weiterer Energie- zentren am „Chakraweg“, der den Heiden- stein umgibt, fällt aus Zeitgründen flach – positiv aufgeladen bin ich jedoch ausreichend: Um die Kraft dieses Ortes zu spüren, muss man nicht sonderlich feinfühlig sein. Ein Wunder der Natur wartet nun bei Lieben- au. Das höchstgelegene Waldhochmoor Österreichs entstand vor 12.000 Jahren und erstreckt sich über eine Fläche von 120 Hektar. Im Naturschutz- und „Natura-2000“-Gebiet Tannermoor begrüßt mich Landschaftsver- mittlerin Hermine Wiesmüller. Sie möchte den Gästen die Möglichkeit bieten, die darin verborgenen Geheimnisse auf sanft schwin- gendem Boden zu entdecken. „Denn nur, was man kennt, schätzt und schützt man“, meint sie und fordert mich auf, mit einem Ast ins pechschwarze Nass vorzustoßen. Gasblasen blubbern an die Oberfläche – gefährlich wird es aber nur, wenn das Moor austrocknet und dadurch enorme Mengen an CO 2 und Methan freigesetzt werden. „Umso wichtiger ist es, Anreise Mit der Bahn bis Linz und weiter mit dem E-Auto ins Mühlviertel: Für mehr individuelle Mobilität steht gleich neben dem Hauptbahnhof Linz die Flotte von ÖBB Rail&Drive bereit. Infos: railanddrive.at die Vernichtung der Feuchtgebiete zu bremsen: Eine beschleunigte Freisetzung von Treibhaus- gasen und damit eine deutliche Verstärkung der globalen Erwärmung wäre sonst unver- meidlich“, erklärt Wiesmüller. Klingt gruseli- ger als jede Moorleiche, aber glücklicherweise gelten die Wiedervernässungsmaßnahmen im Tannermoor als aktuell größtes Moor- Renaturierungsprojekt in Österreich. Sicherlich im Sinne des „Fuchtlmandls“, einer flatter- haften Gestalt, die sich hier umtreiben soll. Weitere Sagen erzählen von einer ver- sunkenen Stadt, vielleicht steckt dahinter aber bloß der übermäßige Genuss der lokalen „Rauschbeeren“, auch Moor-Heidelbeeren genannt. Zauberhafte Momente auf der Burgruine Prandegg In eine andere, durchaus magische Welt werde ich später von Naturführerin Sabine Eilmsteiner entführt. Neben der Natur- vermittlung haben für sie Selbsterkenntnis und Spiritualität hohen Stellenwert, eine Kostprobe dieser Mischung erhalte ich auf der Burgruine Prandegg in prachtvoller Lage auf einem Höhenrücken über dem Aisttal. Die ist (auch wegen ihrer gemütlichen Taverne) stets gut besucht, doch bald finden wir ein stilles Plätzchen für zauberhafte Momente. Unter dem Namen „Machandelbaum“ lädt Sabine zum Räuchern, Pendeln oder Waldbaden ein. Ich habe mich für ein Runenorakel ent- schieden, aber: Präzise Voraussagungen für die Zukunft gibt es nicht. „Ich zeige neue Blickwinkel auf, helfe, Lösungen zu finden Mit Naturvermittlerin Hermine Wiesmüller wird das Tannermoor erkundet. Das große Feuchtgebiet steckt voller Überraschungen und ist auch für den Klimaschutz von Bedeutung. Im Morgennebel am Heidenstein: Das Felsengebilde aus grobem Weinsberger Granit verströmt eine besondere Energie. Umweltfreundlich unter- wegs: Mein Flitzer ist Teil der wachsenden E-Flotte von ÖBB Rail&Drive. Tipp Eine flexible Kombination aus Reisen mit Bahn und Auto: Derzeit bieten die ÖBB rund 400 Fahrzeuge an ins­ gesamt 48 Rail&Drive- Standorten in 37 Städten Österreichs an, die über die Rail&Drive App sowie über die wegfinder App buchbar sind. 25 dieser Standorte bieten auch E-Carsharing an. © Illustration: Blagovesta Bakardjieva, carolineseidler.com 15 railaxed Herbst 2024 14 Janina Lebiszczak ist Journalistin, Kolumnistin und Autorin aus Wien. Sie schreibt über die Kunst, das Leben zu genießen, Grenzen zu überwinden und den Horizont mit allen Sinnen zu erweitern.

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