railaxed - FRÜHLING 2026

„Die Stadt war immer schon ein Schmelztiegel der Kulturen und Nationen. Das merkt man an der Architektur, in der Kulinarik und daran, dass es noch immer viele (ältere) Triestiner:innen gibt, die sagen, sie sind aus einer österreichischen Familie.“ Wie sie die Stadt charakterisieren würde? „Die Kaffeekultur spielt eine große Rolle. Zahlreiche historische Cafés tragen zum einzig- artigen Flair bei. Wobei Triest nicht klassisch schön, sondern eine echte Hafenstadt ist – ein Ort für Einheimische, Studierende und Tourist:innen gleichermaßen. Mit tollen bodenständigen Lokalen, einer echten Kaffeehaus- und Beisl-Kultur (hier nennt man sie ‚Buffets‘), vielen Museen, Ausstellungen und dem Vorort Barcola, einem steinigen, charmanten Sommer-Badeort für alle. Ich würde so weit gehen, zu sagen: Triest ist ein Lebensstil, keine Stadt.“ Amore, Amore, Amore Was für eine Liebeserklärung. Sie setzt sich bei der Frage nach den „typischen“ Menschen der Region, die unsere Insiderin mit einer herzenswarmen Definition beantwortet, fort: „Die Liebe zum Meer. Die Liebe zu gutem Kaffee. Die Gemütlichkeit und die Lebens- einstellung, dass Arbeit zwar sehr wichtig, aber nicht alles ist. So sind die Triestiner:innen einerseits im Vergleich zum restlichen Italien sehr pünktlich und genau, andererseits sitzen sie jede freie Minute in der Sonne oder am Meer. Die Menschen hier sind sehr offen und freundlich, gelegentlich ein bisschen schroff. Man könnte sagen, sie sind wie die Stadt selbst: an manchen (sonnigen) Tagen sanft und zart, aber wenn die Bora kommt, dann wird es ungemütlich.“ (lacht) CHRISTINA DOW Zur Person Die in Graz geborene freie Journalistin und Kommunikationsexpertin verpackt ihre Liebe für Italien in Buchratgeber und Genussevents in der Südsteiermark und an ihrem Zweitwohnsitz in Triest. Anfang Februar er- schien ihr neuestes Buch „Mein verstecktes Triest“. Infos: genussreisen.it Uriges Ambiente und vorzügliche Küche zeichnen das „Alla Bella Trieste“ der Familie Radin seit über 60 Jahren aus. Via Massimo D'Azeglio 19. Regelmäßige Märkte und der Design- und Hand- werksmarkt Barbacan laden zum Stöbern und Shoppen ein. mercatinitrieste.it Triest im Frühling Das Thermometer zeigt im April oft schon Badetemperaturen an. „Auch wenn die Adria noch sehr kalt ist, ist die Sonne um einiges stärker als in Österreich. Alles blüht, und das Meer glitzert im Frühling ganz besonders schön. Die Saison ist perfekt, um bei einem Gläschen Prosecco die Seele baumeln zu lassen“, macht Dow Lust auf einen Abstecher in „ihre“ Stadt. Ein guter Termin wäre dafür z. B. von 13. bis 15. März, um die „Olio Capitale“, die große internationale Olivenöl-Messe, zu besuchen. Ebenfalls Mitte März findet der jährliche Blumen- und Pflanzenmarkt in der Viale XX Settembre statt, einer der schönsten Fußgängerzonen der Stadt. Der regelmäßige Blumenmarkt in Triest ist täglich, außer Sonntag, auf der Via dell’Istria zu finden. Für 27. bis 29. März hat unsere Insiderin einen Kulturtipp parat: „An diesen Tagen sind die Wiener Symphoniker im Theater ‚Politeama Rossetti‘ zu Gast.“ Buon appetito Kulinarisch haben sich vor Hunderten Jahren friulanische Traditionen zu jenen des slowenischen Binnenlands und Ein- flüssen aus Österreich, der Slowakei, Ungarn, Böhmen, Slawonien, Serbien, Kleinasien, Dalmatien und Griechenland gesellt. „Gerichte wie Gnocchi mit Gulasch, Patate in tecia (Stampfkartoffeln mit Zwiebeln und Speck), Krauti (Sauerkraut), Spaetzle, Palacinke (pikant oder süß gefüllt), Sachertorte, Strudel di mele (Apfelstrudel), Presnitz und Potizza (zwei mit Nüssen, Trockenfrüchten und Rum gefüllte Süßspeisen) oder Pinza (wie Osterpinze, die es hier ganzjährig gibt) sind ein genauso wichtiger Teil der Triestiner Küche wie die italienische Fischküche“, weckt Dow Gusto, bevor sie weiter den Appetit anregt: „Die beiden Klassiker Baccalà mantecato (gerührte Stockfisch- Creme – unbedingt probieren, liebt man oder hasst man) und Sarde in saor (Sardinen in einer süß-sauren Zwiebel- Marinade) haben zwar ihren Ursprung in Venedig, gelten aber dennoch als typische Gerichte der Stadt. Auch die Jota ist ein in Triest beliebtes Traditionsgericht, eine Sauerkraut-Bohnen-Selchfleisch-Suppe. Sie ist deftig, wärmend und richtig gut – und sie sollte unbedingt in einem der zahl- reichen Buffets der Stadt ausprobiert werden!“ Mit diesem Auftrag wollen wir an dieser Stelle gerne enden. • Der schnelle RJX bringt Reisende ab Wien und Graz nach Triest – dank der neuen Koralmbahn in noch kürzeren Fahrzeiten. So kann man von Wien aus in nur 6 h 38 min entspannt und klimafreundlich in die italienische Hafenstadt gelangen. Tipp: Wer früh genug bucht, kann mit einem Sparschiene-Ticket reisen. Infos: oebb.at/italien Tipp Der Ausblick auf der rund fünf Kilometer langen Strada Napoleonica ist den Spaziergang wert. Kanäle, der Hafen, Prachtbauten und kulinarische Verführungen machen Triest unverwechselbar. Hoch über der Strada Costiera mit Blick auf das Meer serviert Katrin Štoka auf ihrem im Karst versteckten Weingut „Klin Vina“ Naturweine. Mehr Triest gefällig? Weitere Top-Sehens- würdigkei- ten warten hier! 32 33 railaxed Frühling 2026 Fotos: Christina Dow, Nika Furlani (Foto unten) Fotos: Christina Dow, Nina Marcelan/Shutterstock (rechts oben) klin.vina

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